09 Juli Englisch Lehramt Praktikum in Kapstadt – Fußballverein
„Grundsätzlich fällt es mir schwer, am Ende dieser aufregenden Zeit sowohl inner- als auch außerhalb des Vereins einen einzelnen Moment zu benennen. Eines der Dinge, die mir jedoch sehr positiv in Erinnerung geblieben sind, waren die Gespräche mit dem Chefcoach Michael Loftman, in denen ich stets sehr positives Feedback bekommen habe und vor allem der Satz fiel: „Lukas, du hast mit deiner Arbeit hier wirklich das Leben junger Leute verändert.“ Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, was mir diese Zeit auch für den weiteren Werdegang bedeuten würde – viel Anerkennung & Selbstbewusstsein“.
– Erfahrungsbericht von Lukas, 22, Lehramtsstudent
Lukas studiert Lehramt an Gymnasien mit den Fächer Englisch und Sozialwissenschaften an der TU Dortmund. In seinem Studium ist ein 12-wöchiger Aufenthalt im englischsprachigen Ausland vorgegeben. Er entschied sich für die Mitarbeit im Bildungsprogramm vom Fußballverein HBUFC in Kapstadt. Hier berichtet er über seine Erfahrungen, Herausforderungen und unvergessliche Erlebnisse aus seiner Zeit in Südafrika.
Darum habe ich mich für das Praktikum entschieden
Ich studiere derzeit Lehramt im Bachelor an der TU Dortmund und habe mich in diesem Rahmen dazu entschieden, einen Freiwilligendienst beim HBUFC in Hout Bay zu absolvieren. Von der konkreten Einsatzstelle und dem Land Südafrika habe ich mir vor allem erhofft, einmal hautnah mitzuerleben, was soziale Ungleichheit für die Menschen vor Ort bedeutet – an einem Ort, an dem die Schere zwischen Arm und Reich kaum größer sein könnte. Auch aus professioneller Sicht hatte ich mir erhofft, einmal in ein Bildungssystem eines aufstrebenden Entwicklungslandes hineinschnuppern zu können und dabei bestehende Herausforderungen in und außerhalb des Klassenraums zu erkennen. Menschlich gesehen war für mich insbesondere das Zusammenwohnen auf engem Raum mit vielen anderen Volunteers ein schwieriger, jedoch wichtiger Schritt heraus aus meiner Komfortzone.

Meine Aufgaben beim HBUFC in Südafrika
Ich habe beim HBUFC vor allem im Bereich „Bildung“ helfen können. Dazu zählte insbesondere Unterricht in Kleingruppen, bei dem ich einige Spieler (i.d.R. drei gleichzeitig) mithilfe eines amerikanischen Online-Programms dabei unterstützen konnte, ihren Schulabschluss nachzuholen. Durch die Spieler hatte ich Zugriff auf einige Online-Materialien, mithilfe derer ich sie auf die einzelnen Prüfungen des GED-Programms vorbereiten konnte. Des Weiteren habe ich einige Spieler der Jugendmannschaften im Rahmen individueller Nachhilfe bei ihrem regulärem Schulbetrieb unterstützt.
Hinzu kamen Tätigkeiten im Behindertensport (einmal die Woche), einzelne Coachingtätigkeiten an Turnierwochenenden sowie Aufgaben in den Bereichen Marketing und Logistik.


Meine schönstes oder außergewöhnlichste Erlebnis
Grundsätzlich fällt es mir schwer, am Ende dieser aufregenden Zeit sowohl inner- als auch außerhalb des Vereins einen einzelnen Moment zu benennen. Eines der Dinge, die mir jedoch sehr positiv in Erinnerung geblieben sind, waren die Gespräche mit dem Chefcoach Michael Loftman, in denen ich stets sehr positives Feedback bekommen habe und vor allem der Satz fiel: „Lukas, du hast mit deiner Arbeit hier wirklich das Leben junger Leute verändert.“ Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, was mir diese Zeit auch für den weiteren Werdegang bedeuten würde – viel Anerkennung & Selbstbewusstsein.


Perspektivenwechsel: Wie hat sich mein Bild von Südafrika verändert?
Vor meiner Zeit in Südafrika hatte ich mir vor allem Sorgen bezüglich der Sicherheitslage gemacht und war mir auch zu Beginn noch unsicher, inwiefern ich mich frei bewegen könnte. Am langen Ende ist mir klar geworden, dass man sich deshalb nicht zu verrückt machen sollte. Bereits nach kurzer Zeit kann man die Lage in einer Großstadt wie Kapstadt bereits gut einschätzen und braucht keine Angst zu haben. Nichtdestotrotz ist Südafrika für mich als das Land der großen Kontraste hängengeblieben. Dazu reichte allein der Blick nach draußen von unserem Grundstück aus. Auf der einen Seite große und wohlhabende Villen am Hang, auf der anderen Seite Township und Wellblechhütten. Hier leben Arm und Reich tatsächlich hautnah beieinander. Dass es so extrem ist und man sich teilweise in einer Straße nicht frei bewegen kann, man aber zwei Blöcke weiter super sicher ist, hätte ich mir nicht so vorgestellt. Am Ende ist es aber alles managebar und man gewöhnt sich an Vieles. Dennoch ist ein doppelter Blick auf die von Google Maps empfohlene Route vor Fahrtbeginn empfehlenswert 😉.
Hat sich mein Blick auf meine Heimat geändert?
Eines der wichtigsten Dinge, die ich mit nach Deutschland nehme, ist die Tatsache, einiges von dem, was wir haben, mehr wertschätzen zu wissen. Viele Menschen vor Ort in Kapstadt, die ich kennenlernen durfte, mussten mit deutlich weniger auskommen als dem Luxus, den viele von uns besitzen. Trotz dessen sowie der teils schwierigen Lebensverhältnisse wurde mir stets ein großer Respekt und eine ordentliche Portion Freundlichkeit entgegengebracht, was mir vor Augen führte, wie glücklich man auch mit etwas weniger sein kann. Das viele Gestöhne in Deutschland – sei es über Politik, die Spritpreise, oder das Wetter – wirken einem dahingegen manchmal etwas befremdlich.
Was möchte ich mit nach Hause nehmen?
Dazu gibt es nur eins zu sagen – Entspanntheit! Die Gelassenheit, mit der viele Menschen in Südafrika durch den (auch beruflichen) Alltag gehen, hat mich stets beeindruckt. Ich kann mich kaum erinnern, in den 10 Wochen Volunteering mal einen Mitarbeitenden im Totalstress gesehen zu haben. Ich denke, nur 5% von dieser Einstellung mit nach Deutschland zu nehmen und in den Alltag zu integrieren, wäre bereits ein gewaltiger Schritt. Also: Einfach weiterhin etwas entspannter durch den Alltag gehen.


Konnte ich meine persönlichen Ziele erreichen?
Insgesamt würde ich sagen, dass ich meine persönlichen Ziele in Südafrika definitiv erreichen konnte. Das Zusammenleben in der Unterkunft war zwar herausfordernd, hat einem jedoch auch geholfen, den Luxus von zu Hause einmal wertschätzen zu lernen und sich im Miteinander mit anderen auf engem Raum zu arrangieren. Mein Unterricht hat mir zudem einige wertvolle Aufschlüsse über das Lernen junger Leute in Südafrika gegeben und verdeutlicht, dass viele für uns grundsätzliche Dinge nicht überall unbedingt so selbstverständlich sind. Auch wenn meine Tätigkeit in der High School aufgrund der Organisation nur sehr kurz war, konnte ich auch an diesen Tagen bereits einen Einblick in das Schulwesen erlangen und dabei u.a. erleben dürfen, was es heißt, einmal als Lehrperson vor einer Klasse mit 45 Schüler*innen stehen zu müssen. Durch meine Erlebnisse bspw. im Behindertensport konnte ich meine Erfahrung auch in Bereichen, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte erweitern.
Inspiration für meinem beruflichen Werdegang?
Ich würde behaupten, dass mich meine Arbeit vor Ort definitiv in meiner Berufswahl bestätigt hat. Auch wenn die Herausforderungen in unseren Ländern unterschiedlich sein mögen, konnte ich sehen, dass ich durch meine Tätigkeiten einen positiven Einfluss auf das Heranwachsen junger Menschen haben können und konnte somit am langen Ende auch etwas wirklich Lohnenswertes erkennen. Gleichzeitig nehme ich die Zeit vor Ort als wertvolle Praxiserfahrung für meinen weiteren Werdegang mit.


Das hab ich mir anders vorgestellt:
Leider war meine Zeit in der High School in Hout Bay nur sehr kurz. Ich hatte mich bereits zu Beginn frühzeitig engagiert und immer wieder nachgefragt nach der Einsatzstelle, die Organisation über den HBUFC ging allerdings nur sehr schleppend voran. Somit konnte ich erst nach einigen Wochen ein Gespräch in der Schule führen. Da zu diesem Zeitpunkt allerdings die Osterferien sowie die zuvor obligatorische Prüfungsphase vor der Tür standen, hatte ich kaum Möglichkeiten, in der Schule selbst wirksam zu werden. Hier hätte man denke ich mit etwas vorausschauender Organisation noch etwas mehr herausholen können.
So habe ich gewohnt:
Das Zusammenleben in der Freiwilligenunterkunft fand unter sehr einfachen Verhältnissen statt. Wir hatten ein eigenstehendes Haus auf dem Grundstück des HBUFC für alle Volunteers (auf dem Höhepunkt 13) und haben und Bäder & Küche geteilt. Geschlafen haben wir in Hochbetten, es gab getrennte Bereiche für Jungs und Mädchen. Insgesamt war die Wohnsituation aufgrund der begrenzten Ressourcen sowie der hygienischen Probleme bei 13 Personen durchaus herausfordernd. Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass man für eine Zeit von 3 Monaten in so einem Umfeld auch lernt, sich selbst mit anderen besser zu koordinieren und man akzeptiert, auch mal zurückstecken und Rücksicht nehmen zu müssen.


Meine Tipps an zukünftige Freiwillige und Praktikant:innen:
- Am besten sehr flexibel sein, was die Tätigkeiten angeht (zumindest beim HBUFC). Man macht nicht unbedingt 5 Tage die Woche exakt das, auf das man sich beworben hat.
- Nicht erwarten, dass man zu Beginn des Praktikums einen Wochenplan mit seinen Tätigkeiten präsentiert bekommt. In Südafrika fängt man meist mit einer Sache an und i.d.R. ergeben sich dann durch Engagement weitere Möglichkeiten in den ersten Wochen.
- Ohne Auto in Kapstadt unterwegs zu sein, ist schwierig. Uber stellt zwar eine günstige Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln dar, auf Dauer hat sich das Mieten eines eigenen Wagens für mich jedoch definitiv rentiert.
Das hat mir an der Betreuung durch das live&learn gefallen:
Ich war mit der Beratung durch das live&learn-Team zu jeder Zeit sehr zufrieden, auch wenn es während meiner Zeit in Kapstadt wenige Fragen meinerseits gab, bei denen ich Hilfe brauchte. Wir waren stets in Kontakt, ich war durch die Vorbereitungen vor Anreise durch Sina bestens ausgestattet und bei Fragen zur Arbeit stand Antje stets bereit. Die monatlichen Treffen auf dem BlueBird Garage Market haben mir sehr gut gefallen – sie waren ein toller Anlass, um sich über die Zeit vor Ort auszutauschen und auch mal Freiwillige aus anderen Projekten kennenzulernen. Alles in allem eine wirklich gelungene Beratung – ich würde live&learn meinerseits definitiv weiterempfehlen 😉!


Meine Tipps an zukünftige Freiwillige
Genießt die Zeit so gut es geht, sie geht viel zu schnell vorbei. Versucht so viel wie möglich die Stadt zu erleben und habt keine Angst wegen verschiedener Vorurteile anderer Menschen bezüglich Kriminalität aber habt Respekt davor und verhaltet euch richtig. Knüpft Kontakte zu Locals und geht nicht nur in die Basic Districts wie Waterfront, Sea Point oder Camps Bay. Nimmt alles mit was geht und egal wie viel Geld es kostet, Geld geht doch die Erinnerung nimmt euch keiner! Bleibt geduldig, zeigt Eigeninitiative und seid hilfsbereit. Und das Wichtigste: seid offen für neues und bleibt gesund!
Des Weiteren habe ich zusätzlich zu meinem Praktikum über live&learn die Best of Namibia Tour gebucht, welche insgesamt 12 Tage lang geht und sämtliche Sehenswürdigkeiten in Namibia abfährt. Dabei erhält man einen guten Einblick in die verschiedenen (landschaftlichen) Regionen des Landes, fährt in verschiedene kleinere Städte und lernt die Kultur des Landes etwas näher kennen. Die Tour an sich war interessant, allerdings hatte ich persönlich gedacht und auch gehofft mehr Tiere zu sehen, weshalb ich im Nachhinein etwas enttäuscht war.
Vor allem im Etosha Nationalpark war aufgrund Wetterbedingungen und Bränden im Vorfeld an unserem Tag etwas „leer“, was die Tiere angeht. Wir waren einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und hatten kein Glück. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Fortsetzung der Tour zu den Victoria Falls in Simbabwe (die Tour wird auch von live&learn angeboten) die bessere Entscheidung gewesen wäre, wobei da der Kostenfaktor eine größere Rolle spielen könnte.
Die Betreuung durch das live&learn-Team
Die Betreuung von live&learn war sehr gut. Vor allem die Vorbereitungsphase für meine Reise bzw. Aufenthalt mit der Checkliste hat mir extrem gut gefallen und war optimal. Mir wurden mit Fragen bezüglich anderer Aktivitäten wie beispielsweise Safari Tour und Surfcamp geholfen und sogar bei der Beantragung meines neuen Reisepasses in Kapstadt gab es Unterstützung und keine Probleme. Während meines Aufenthalts wurde sich immer wieder erkundigt, wie es mir geht und ob ich mit meinem Praktikum zufrieden bin oder ob etwas fehlt bzw. nicht passt. Ich habe mich durch live&learn sehr organisiert und gut strukturiert gefühlt und würde auch wieder mit live&learn arbeiten.

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