16 Juni Freiwilligenarbeit Ergotherapie in Südafrika
„Was live&learn für mich ausmacht, ist die persönliche Note, kein Großunternehmen, zwei Persönlichkeiten, die sich ein Leben in Südafrika aufgebaut haben und die Freiwilligenarbeit und Unterstützung im sozialen Bereich vorantreiben möchten. Die Auswahl der richtigen Freiwilligen-Stelle war schwierig, aber Antje hat mir dabei ausreichend Zeit gegeben, sie hat mich beraten und ist auf meine Wünsche und Bedürfnisse eingegangen.„
– Erfahrungsbericht von Sarah, 29, Freiwilligenarbeit Ergotherapie bei Kapstadt
Sarah ist ausgebildete Ergotherapeutin mit mehreren Jahren Berufserfahrung. Auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe während ihres Sabbaticals entschied sie sich für die Mitarbeit in unserem Bildungsprojekt bei Kapstadt. Ihr Bericht zeigt, welchen wichtigen Beitrag internationale Freiwillige leisten können, und wie bereichernd ein ehrenamtliches Engagement sein kann.
Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen:


Darum habe ich mich für die Mitarbeit im Bildungsprojekt entschieden
Nach einem Sabbatjahr, das ich mit meinem Rucksack in Südamerika verbracht habe, voller Narrenfreiheit und Lebenslust, bin ich zurück nach Deutschland, in meinen Job als Ergotherapeutin in einer Klinik für Kinder mit neurologischen Erkrankungen. Ich liebe und lebe für die Arbeit mit Kindern mit Behinderung, dennoch war es schwer für mich, wieder in Deutschland anzukommen. Der Wunsch, mehr Erfahrungen im Ausland zu sammeln, hat mich schnell wieder eingeholt. Diesmal wollte ich aber gerne meinen Auslandsaufenthalt mit einer beruflichen Erfahrung kombinieren und gerne an einem Ort “ankommen” und eine Kultur inniger kennenlernen. Bei meiner Online Recherche bin ich auf Live and Learn gestoßen. Afrika, ein Kontinent, den ich bisher noch nicht kennengelernt habe, hat sich erst einmal spannend für mich angehört, darum habe ich Kontakt mit Antje aufgenommen.
Was live&learn für mich ausmacht, ist die persönliche Note dabei, kein Großunternehmen, zwei Persönlichkeiten, die sich ein Leben in Südafrika aufgebaut haben und die Freiwilligenarbeit und Unterstützung im sozialen Bereich vorantreiben möchten. Die Auswahl der richtigen Freiwilligen-Stelle war schwierig, aber Antje hat mir dabei ausreichend Zeit gegeben, sie hat mich beraten und ist auf meine Wünsche und Bedürfnisse eingegangen.
Ich habe nach einer neuen Herausforderung gesucht, die Arbeit mit Kindern mit Behinderung kenne ich gut und sie macht mir Spaß, aber die Arbeit mit traumatisierten und verhaltensauffälligen Kindern im Schulsetting hat mich schon immer interessiert. Zudem stelle ich bei meiner Arbeit als Ergotherapeutin immer wieder fest, dass die Behandlung direkt im sozialen Setting des Kindes stattfinden sollte. Eine Anleitung der Eltern, aber auch anderer Bezugspersonen wie z.B. Lehrern ist wichtig für den Behandlungserfolg. Somit ist die Entscheidung am Ende auf die Freiwilligenarbeit in einer Schule gefallen, denn die Schule hat zunehmenden ergotherapeutischen Bedarf bei den Kindern der Grundschulklassen gesehen und nach einer Ergotherapeutin gesucht.


Meine Aufgaben an der Schule
Da ich die erste freiwillige Ergotherapeutin an der Schule war, war es zu Beginn eine Herausforderung, wie ich mich in der Schule integrieren kann und für Schüler und Lehrer hilfreich sein kann. Ich wurde Teil des sogenannten “Wellness-Teams” der Schule, das aus einer Sozialarbeiterin, einer Psychologin und einer Lehrerin, die spezialisiert auf Lernschwächen ist, besteht. Das Wellness-Team bietet Raum für Schüler, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, die im Unterricht bzw. in der Klasse mit störendem Verhalten auffallen und Schwierigkeiten in der Verhaltensregulation haben.
Ich habe mich meist um die Kinder gekümmert, die Wutausbrüche in der Klasse hatten und habe ihnen dabei geholfen, sich zu regulieren, Zugang zu ihren Gefühlen zu finden und Coping-Strategien zu erarbeiten. In Zusammenarbeit mit den Lehrern habe ich versucht, Trigger der Kinder herauszufinden und den Unterrichtsalltag in der Klasse für die Kinder ggf. anzupassen. Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin habe ich eine Verhaltensgruppe und eine Trauerbewältigungsgruppe durchgeführt.
In der Verhaltensgruppe ging es überwiegend um das Kennenlernen und Erleben von verschiedenen Gefühlen und wie damit umgegangen wird. Viele der Kinder an der Schule haben den Verlust eines Familienmitglieds erfahren und fallen durch störendes Verhalten auf. Eine Begleitung im Trauerprozess und das Teilen der Gefühle in diesem Prozess mit anderen Kindern und Jugendlichen, die ähnliches durchleben, ist sehr hilfreich.
Ich habe teilweise den Unterricht der ersten und zweiten Klasse begleitet, um Kinder zu identifizieren, die von individueller ergotherapeutischer Förderung profitieren. Im Verlauf habe ich dann begonnen individuelle Behandlungen und eine Feinmotorik- und eine Grobmotorik-Gruppe mit jeweils 6 Kindern durchzuführen. Der Fokus in der Feinmotorik-Gruppe lag vor allem auf Stifthaltung und Stiftführung. In der Grobmotorik-Gruppe ging es vor allem um Körperwahrnehmung und Koordination.
Meine Aufgaben im Kinderheim
Die Schule ist Teil einer Organisation, zu welcher auch ein Kinderheim und ein Kindergarten zählen. Da meine Freiwilligenarbeit in die Klausurenphase am Ende des Schul-Quartals gefallen ist, wurden die Kinder von der Schule teilweise freigestellt, um sich auf die Klausuren vorzubereiten. In dieser Zeit habe ich mich im Kinderheim integriert und habe dort die Sozialarbeiterin und die Erzieher unterstützt. Ein großer Teil der Arbeit dort war das Erarbeiten von Nachmittags-Programmen im Kinderheim gemeinsam mit den Erziehern. Die Stimulation der Kinder am Nachmittag ist unheimlich wichtig und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder häufig von der Schule nach Hause kommen und dann viel „Freispiel-Zeit“ haben und sich schnell langweilen und auf “dumme” Gedanken kommen. Ein strukturiertes, sich wiederholendes und verlässliches Programm ist wichtig für die Kinder.


Herausforderungen und Besonderheiten
Eine große Herausforderung bei meiner Arbeit war die Arbeitsmoral der Südafrikaner im Vergleich zur deutschen Arbeitsmoral. Aus Deutschland bin ich es gewohnt, dass Arbeitsaufträge zuverlässig und zügig durchgeführt werden, dass Mitarbeiter daran interessiert sind, Vorgänge voranzutreiben und sich am Prozess zu beteiligen. In Südafrika läuft alles etwas langsamer, Neues muss häufig besprochen und angeregt werden, bis es letztlich auch umgesetzt wird, viel Geduld und Ruhe ist gefordert. Geduld ist nicht gerade meine Stärke, aber es lohnt sich, geduldig zu sein und auszuhalten und der Kultur eine Chance zu geben. Südafrikaner sind gleichzeitig nämlich auch eine der freundlichsten Kulturen, die ich kennenlernen durfte. Sie zeigen sich wahnsinnig gastfreundlich, offen und interessiert. Das Interesse gilt mehr den Personen als der Arbeit, der Umgang ist wertschätzend. Somit hat nicht nur das Land mit seiner wunderschönen Natur, den atemberaubenden Bergen und langen Stränden, sondern auch die Menschen einen Weg direkt in mein Herz gefunden. Insbesondere natürlich auch die Kinder. Ich hatte die Möglichkeit, innige Beziehungen zu den Kindern aufzubauen.
Meine schönstes oder außergewöhnlichste Erlebnis
Eines meiner schönsten Erlebnisse hatte ich in einer Einzeltherapie-Sitzung mit einem Kind, das Schwierigkeiten hatte, sich in seiner Klasse zu integrieren und zusätzlich eine deutlich reduzierte Körperwahrnehmung aufweist, die sich in einem starken Bewegungsdrang und störenden Verhaltensweisen im Unterricht geäußert hat. Die Therapie haben wir immer mit einer Entspannungs-Übung beendet, der Junge kannte inzwischen schon den Ablauf, hat sich gemütlich hingelegt und der Musik gelauscht. Als ich ihn in die Entspannung geführt habe, hat er mich zunächst innig angeschaut und im Verlauf sind ihm Tränen über die Wangen gelaufen. Es war für mich ein solch großer Vertrauensbeweis, dass er seinen Gefühlen in diesem Moment freien Lauf lassen konnte. Den Gefühlen Raum zu geben und sie zu zeigen, dieser Schritt ist bereits so wertvoll für die Kinder. Es hat mir gezeigt, wie herausfordernd die Situation für ihn in der Schule ist, wie er leidet und wie wichtig es ist, dass er Unterstützung erhält.

Das Leben in Südafrika
Neben der Freiwilligenarbeit gibt es die Möglichkeit, die Kultur und das Land an den Nachmittagen und Wochenenden besser kennenzulernen. Ich habe während dieser Zeit in Südafrika in einer Wohngemeinschaft mit 4 anderen Freiwilligen gewohnt. Das Schöne daran war, dass man nach der Arbeit immer jemanden zum Reden hatte, man konnte sich über die Erfahrungen auf der Arbeit, mit der Kultur und Schwierigkeiten austauschen. Gleichzeitig war es ideal, gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, Trips für Wochenenden zu planen und man war nie allein.
Konnte ich meine persönlichen Ziele erreichen?
Ich schätze meine Erfahrung als Freiwillige in Südafrika sehr. Sie hat mir geholfen, das Land nicht nur aus touristischer Sichtweise kennenzulernen, sondern wie das Leben dort wirklich aussieht. Meine Arbeit hat mich auch für meine berufliche Zukunft inspiriert und mir neue Ideen gegeben, worauf ich mich spezialisieren und wie ich mich weiterentwickeln möchte.

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