Praktikum Surfprojekt Südafrika

„Nach zwei abgeschlossenen Abschlüssen und der Überlegung, wie es weitergehen soll, hat mir der Aufenthalt in Kapstadt vor allem Abstand verschafft und einen neuen Weitblick eröffnet. Gleichzeitig hat die Zeit im Ausland mich unbewusst wieder auf den richtigen Weg gebracht: Wenn man aus seinem gewohnten Alltag ausbricht und ganz auf sich selbst angewiesen ist, reflektiert man stark darüber, wer man ist und wer man sein möchte.“

– Erfahrungsbericht von Isabel, 27, Mediengestalterin, Praktikum in Südafrika Surfprojekt

Isabel hat sich nach einem abgeschlossenen Sozialpädagogik an der Leuphana Universität und einer Ausbildung als Mediengestalterin gefragt, wie sie ihre beiden Leidenschaften kombinieren könnte. Als Übergangs- und Überlegungsphase ist sie nach Südafrika gereist und hat ein Praktikum bei unserem Surfprojekt absolviert. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Darum habe ich mich für das Praktikum entschieden

Afrika stand schon lange auf meiner Liste, aber irgendwie hatte sich der richtige Zeitpunkt bisher nie ergeben. Als sich dann die Möglichkeit bot, nach Südafrika zu gehen, wollte ich die Chance nutzen – allerdings nicht als reine Touristin. Ein Freiwilligendienst schien für mich ein guter Weg, das Land und die Menschen wirklich kennenzulernen und einen tieferen Einblick in den Alltag vor Ort zu bekommen. 

Mein größtes Ziel war, offen zu sein – für alles, was sich ergibt. Neue Menschen kennenlernen, mit Einheimischen ins Gespräch kommen, mich austauschen, zuhören. Gleichzeitig wollte ich mir bewusst Zeit für mich selbst nehmen, um zu reflektieren und Neues auszuprobieren. 

 Praktisch hatte ich mir ebenfalls einiges vorgenommen: mein Englisch verbessern, meine Fähigkeiten als Mediengestalterin in einem ganz neuen Umfeld testen und sehen, wie Kreativität in einem anderen kulturellen Kontext funktioniert. Und natürlich wollte ich meine Surfskills verbessern. 

Meine Aufgaben beim Surfprojekt in Südafrika

Während meines Einsatzes konnte ich in vielen unterschiedlichen Bereichen mitarbeiten und dabei sowohl praktisch als auch kreativ aktiv sein. Ein Schwerpunkt war die Kinderbetreuung im Ferienprogramm: Es hat großen Spaß gemacht, spielerisch Zeit mit den Kindern zu verbringen, Aktivitäten, wie das Surfen zu begleiten und eine fröhliche, motivierende Umgebung zu schaffen. 

Außerdem habe ich das Education Program unterstüt z.B. bei bei Hausaufgaben oder Klausurvorbereitungen.

Darüber hinaus konnte ich meine kreativen Fähigkeiten einbringen: von der Vorbereitung eines Graphic-Design-Workshops über Fotografieaufgaben bis hin zur Gestaltung eines Logos. Zusammen mit einer anderen Freiwilligen haben wir auch ein eigenes kleines Programm entworfen, was uns viel Raum für eigene Ideen und Umsetzung gab. 

Insgesamt war mein Einsatz unglaublich abwechslungsreich und bereichernd – eine perfekte Mischung aus pädagogischer Arbeit, Kreativprojekten und direktem Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. 

Meine schönstes oder außergewöhnlichste Erlebnis

Es gibt bei mir irgendwie nicht „das eine“ besondere Erlebnis, sondern viele kleine Momente, die meinen Aufenthalt in Südafrika so besonders gemacht haben. Besonders berührend waren die Augenblicke, in denen die Kinder einfach meine Nähe gesucht haben, wenn sie dich umarmen, deine Hand halten oder einfach nur in deiner Nähe sein wollen. 

Unvergesslich war auch ein Moment im Wasser: Mit den Kindern das Surfen üben, sie zu sehen, wie sie es schaffen oder fast schaffen aufzustehen, und dann zurückzuschauen, um zu prüfen, ob man zugeschaut hat – und dann dieses stolze, strahlende Lächeln. Solche Augenblicke zeigen auf ganz besondere Weise, wie viel es den Kindern bedeutet, dass sie deine Aufmerksamkeit bekommen. 

Ein weiteres Highlight war der Grafik-Design-Workshop, den ich gemeinsam mit dem Team durchgeführt habe. Es war nicht nur spannend zu sehen, wie sehr die Inhalte geschätzt wurden und wie viel das Team daraus mitnehmen konnte – vor allem haben wir während des Workshops so viel gemeinsame Zeit verbracht, dass unsere Verbindung zueinander richtig stark geworden ist. 

Und natürlich bleibt der Abschied unvergesslich: die liebevolle und wertschätzende Verabschiedung sowohl der Kinder als auch des Teams hat mir gezeigt, wie tief die Verbindung und das Vertrauen in dieser Zeit gewachsen sind. 

Perspektivenwechsel: Wie hat sich mein Bild von Südafrika verändert?

Vor meiner Zeit in Südafrika hatte ich eigentlich nur ein sehr begrenztes Bild vom Land, richtig viel sagen kann ich irgendwie gar nicht. Kapstadt hatte ich mir eher als zusammenhängende Stadt vorgestellt, dabei erstreckt sie sich über eine sehr große Fläche. Das hat mir sehr gefallen, weil dadurch viele kleine Stadtteile entstanden sind, die jeweils ihre eigene Community und Atmosphäre haben. Besonders überrascht hat mich, wie nah hier Berge und Meer beieinanderliegen und wie gewaltig schön die Natur ist. Das ist einfach beeindruckend. 

Was möchte ich in Deutschland beibehalten? 

Aus meiner Zeit in Südafrika nehme ich viele Dinge mit, die ich auch zuhause beibehalten möchte. Ich habe gelernt, bewusster positiv zu denken und die kleinen Dinge im Alltag – wie einen Sonnenauf- oder Untergang – mehr zu schätzen. Die Zeit in Kapstadt hat mir außerdem gezeigt, wie wertvoll Nähe und Austausch mit anderen Menschen ist, sei es mit Kindern, Mitbewohnerinnen oder im Team. 

Darüber hinaus habe ich viel über Gelassenheit und Flexibilität gelernt: Spontane Situationen anzunehmen, kreativ Lösungen zu finden und Herausforderungen mit Ruhe anzugehen, hat mir sehr geholfen. Ich habe mein Selbstvertrauen gestärkt, eigene Ideen umgesetzt und Verantwortung übernommen – sei es bei Workshops, kreativen Projekten oder in der Arbeit mit den Kindern. Auch meine sozialen Kompetenzen, wie Empathie, Kommunikation und Teamarbeit, haben sich durch die intensive Zusammenarbeit deutlich weiterentwickelt. 

Nicht zuletzt hat mich der Aufenthalt dazu inspiriert, aktiver zu bleiben – sei es mit Sport oder einem neuen Hobby – und bewusster auf Dankbarkeit, Achtsamkeit und die kleinen Freuden des Lebens zu achten. Weniger Wert auf materielles zu legen und mehr auf Erlebnisse, Begegnungen und persönliche Entwicklung zu setzen, ist etwas, das ich definitiv mit nach Hause nehmen möchte. 

Inspiration für meinem beruflichen Werdegang?

Ja, meine Mitarbeit im Projekt hat mich auf jeden Fall beruflich inspiriert. Nach zwei abgeschlossenen Abschlüssen und der Überlegung, wie es weitergehen soll, hat mir der Aufenthalt in Kapstadt vor allem Abstand verschafft und einen neuen Weitblick eröffnet. Gleichzeitig hat die Zeit im Ausland mich unbewusst wieder auf den richtigen Weg gebracht: Wenn man aus seinem gewohnten Alltag ausbricht und ganz auf sich selbst angewiesen ist, reflektiert man stark darüber, wer man ist und wer man sein möchte. 

Für mich wurde dabei klar, dass ich gerne im Bildungsbereich tätig sein möchte – zwar nicht unbedingt als Lehrerin in der Schule, aber auf eine andere Art und Weise. Besonders inspirierend war auch, wie fleißig und engagiert alle vor Ort waren, um zu studieren und ihre Ziele zu erreichen. Das hat mir gezeigt, wie wertvoll Bildung ist, und mich motiviert, selbst vielleicht noch einen Master hinten anzuschließen.  

Konnte ich meine persönlichen Ziele erreichen? 

Meine persönlichen Ziele habe ich während meines Aufenthalts nicht nur erreicht – ich habe sogar weit mehr mitgenommen, als ich mir vorher vorgestellt hatte. Dabei habe ich auch Ziele erreicht, die ich mir gar nicht bewusst gesteckt hatte, sowohl beruflich als auch persönlich. Besonders beeindruckt hat mich, wie viel es bewirken kann, sich für drei Monate ein soziales Umfeld in einem fremden Land aufzubauen – das hat mir unglaublich viel Kraft und Selbstvertrauen gegeben. 

Die Gespräche mit Menschen, die eine ganz andere Perspektive auf das Leben haben, haben mir gezeigt, wie viel man über sich selbst, die eigene Herkunft und die eigenen Ansichten lernen kann. Ich hatte mir keinen Druck gemacht, während meiner Zeit in Südafrika herauszufinden, was ich beruflich machen möchte – und trotzdem hat mir diese Erfahrung ganz von selbst gezeigt, welches Umfeld ich mir für meine Zukunft wünsche. 

Neben all diesen persönlichen und beruflichen Erkenntnissen habe ich auch ganz praktische Dinge gelernt: Ich kann jetzt surfen, mein Englisch hat sich stark verbessert und (noch viel besser) ich habe sogar eine neue Begeisterung für die Sprache entwickelt. 

So hat sich mein Blick auf meine Heimat geändert:

 Mein Blick auf Deutschland hat sich auf jeden Fall verändert. Ich merke jetzt noch mehr, wie sehr wir hier Pünktlichkeit, Struktur und ein funktionierendes Sozialsystem schätzen können – in Südafrika arbeiten viele Menschen zwei Jobs, weil das Gehalt oft nicht reicht. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass Deutschland manchmal sehr „strikt“ wirkt und die Leute nicht immer so offen oder herzlich sind wie dort. Trotzdem hat beides seinen Reiz: Die deutsche Ordnung ist praktisch, die entspannte, flexible Art in Südafrika tut aber richtig gut. 

Das hätte ich gerne vorher gewusst:

Anfangs hatte ich mir gewünscht, nicht mit so vielen Freiwilligen zusammenzuwohnen und zu arbeiten – wir waren zu fünft im Projekt zur gleichen Zeit. Als eher ruhige Person hatte ich am Anfang das Gefühl, dass nicht genug „Platz“ für alle ist, um sich einzubringen und wohlzufühlen. 

Rückblickend hat sich aber genau daraus etwas sehr Positives entwickelt: Zu fünft konnten wir uns gegenseitig austauschen, gemeinsam reflektieren und überlegen, welchen Beitrag jeder von uns leisten kann. Außerdem haben wir uns ein Auto gemietet und die Stadt zusammen erkundet – so konnten wir Kapstadt auf eigene Faust entdecken und haben die Zeit richtig genossen. Ein kleiner Punkt, den ich mir vorher nicht ganz klar gemacht hatte: Ohne Auto wäre jeder Weg zur Arbeit über Uber gegangen, was zusätzliche Kosten bedeutet hätte. 

Meine Unterkunft

Ich habe in einer Haus-WG gewohnt, in der jeder sein eigenes Zimmer hatte und wir Küche, Esszimmer und Garten gemeinsam genutzt haben. Es gab sogar Surfbretter und eine Tischtennisplatte – besser hätte ich es mir kaum vorstellen können. Das Zusammenleben war sehr angenehm und hat mir den Aufenthalt noch schöner gemacht. Meine Tipps für zukünftige Freiwillige

Meine Tipps an zukünftige Freiwillige

Nach etwa sechs Wochen habe ich mich richtig eingelebt und im Team sehr wohlgefühlt, am liebsten wäre ich noch länger geblieben. Wenn ihr darüber nachdenkt, wie lange ihr bleiben möchtet, plant die Verlängerung eures Visums frühzeitig, denn die unkomplizierte Beantragung ist nur in den ersten 30 Tagen möglich. Eine solche Erfahrung bekommt man nur einmal im Leben, deshalb lohnt es sich, die Gelegenheit voll auszuschöpfen. 

Ich bin mit nur einem Rucksack nach Südafrika gereist und habe gemerkt, wie wenig man wirklich zum Leben braucht. Für den anfangs noch relativ kalten Wind habe ich mir ein nur noch einen Fleece gekauft, aber auch alles andere hätte ich problemlos vor Ort besorgen können. 

Und eins kann ich sagen: 27 Jahre sind absolut kein Hindernis, um einen Freiwilligendienst zu machen – man kann in jedem Alter diese Erfahrung genießen und daraus viel lernen. 

Die Betreuung durch das live&learn

Die Betreuung durch live&learn vor und während meines Aufenthalts war einfach großartig. Besonders beeindruckt hat mich, wie schnell und ausführlich alle Fragen beantwortet wurden – ich habe mich dadurch jederzeit sicher gefühlt, weil ich wusste, dass es jemanden gibt, den ich jederzeit um Rat fragen kann. 

Vor Ort war es ein riesiger Vorteil, dass Antje und Alex direkt in Kapstadt wohnen und genau wissen, wovon sie sprechen. Es war etwas ganz Besonderes, dass wir sogar zu ihnen nach Hause eingeladen wurden – das ist wirklich nicht selbstverständlich. Außerdem haben sie uns mit vielen praktischen Tipps versorgt. 

Besonders hilfreich war auch das Vertrauen und die Motivation, die Antje mir nach unserem ersten Gespräch entgegengebracht hat. Sie hat genau zugehört, welche Kompetenzen, Vorstellungen und Erwartungen ich habe, und mir das Projekt empfohlen, das am besten zu mir passte. Denn obwohl man natürlich eine Idee hat, kennt man die Projekte vor Ort ja eigentlich gar nicht. 

Die weitere Organisation war ebenfalls perfekt: Von Flug über Unterkunft bis zur Abholung am Flughafen wurde alles mit mir geplant. Außerdem gab es eine Stadttour, die super hilfreich und spannend war und regelmäßige Treffen zum Austausch auf dem Bluebird-Markt, die den Einstieg vor Ort unglaublich erleichtert haben. 

 

Du bist auf der Suche nach einem Praktikum in Südafrika?

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