25 Apr. Sport in Südafrika: Geschichte, Gesellschaftliche Bedeutung und Organisation
Nelson Mandela
Sport steht für Gemeinschaft, Teamgeist und Fairplay. In Südafrika hat Sport jedoch noch eine viel tiefere Bedeutung: Er spielte eine entscheidende Rolle dabei, ein Land zu vereinen, das jahrzehntelang durch die Apartheid getrennt war.
Seit dem Ende der Apartheid wird Sport gezielt eingesetzt, um gesellschaftliche Barrieren abzubauen und ein neues Gemeinschaftsgefühl unter allen Südafrikanerinnen und Südafrikanern zu schaffen. Das Sportministerium erkennt auch die vielen weiteren Vorteile von Sport an: Er fördert die Gesundheit, stärkt internationale Beziehungen, kurbelt den Tourismus an und führt häufig zu Investitionen in Infrastruktur.
Sport während der Apartheid
Während der Apartheid war auch der Sport stark von Rassentrennung geprägt. Viele Sportarten waren nach Bevölkerungsgruppen getrennt organisiert, und nicht-weiße Athletinnen und Athleten hatten kaum Chancen, international anzutreten. Bei den großen Mannschaftssportarten war Fußball der Sport der schwarzen Bevölkerung, während Rugby der Sport der weißen, Afrikaans sprechenden Bevölkerung war und Cricket der Sport der weißen, englischsprechenden Bevölkerung.
Die internationale Sportgemeinschaft reagierte darauf mit Sanktionen. Südafrika wurde 1964 von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und blieb jahrzehntelang von vielen internationalen Wettbewerben isoliert.
Für Südafrika war die Teilnahme an internationalen Wettbewerben ein wichtiger Teil der nationalen Identität und Anerkennung. Anti/Apartheid Aktivist:innen nutzten genau diesen Punkt, indem sie Druck auf Organisationen und Teams ausübten, nicht gegen südafrikanische Mannschaften anzutreten. Die Rolle des Sports im Kampf gegen die Apartheid wird eindrücklich in der Episode „Fair Play“ der Doku Serie „Have You Heard from Johannesburg“ dargestellt.
Erst mit dem Ende der Apartheid Anfang der 1990er Jahre kehrte das Land wieder vollständig in den internationalen Sport zurück.
Sport als Symbol der Versöhnung
Ein Moment, der weltweit als Symbol für die neue Einheit des Landes gilt, war der Sieg Südafrikas beim Rugby World Cup 1995. Rugby galt lange als Sport der weißen Bevölkerung, doch der Triumph der Nationalmannschaft sowie das Auftreten Nelson Mandelas bei der Meisterschaft brachte Millionen Menschen im Land zusammen. Dieser Moment wird eindrucksvoll in diesem 3-minütigen Doku Beitrag geschildert: Nelson Mandela: The 1995 Rugby World Cup
Auch der Gewinn des Africa Cup of Nations 1996 durch die südafrikanische Fußballnationalmannschaft stärkte das nationale Selbstbewusstsein und das internationale Ansehen des Landes.
Sport wurde damit zu einem wichtigen Instrument für Versöhnung und nationale Identität. Nelson Mandela, Südafrikas erster Präsident nach Ende der Apartheid war ein großer Verfechter dieser Idee. Schau die hier seine legendäre Rede bei den Laureus Worlds Sports Awards im Jahr 2000 an: Nelson Mandela’s Speech at the Laureus World Sports Awards 2000

Organisation von Sport in Südafrika
Ähnlich wie in anderen Ländern ist insbesondere der Leistungssport klar strukturiert und besteht aus staatlichen Institutionen, Sportverbänden und olympischen Organisationen auf nationaler Ebene sowie auf regionalen und lokalen Ebenen. Der größte Unterschied zu Deutschland besteht vor allem darin, dass es auf lokaler Ebene keine Sportvereine gibt, die auf lokaler Ebene unterschiedliche Sportarten anbieten und damit Sport einer breiten Bevölkerung zugänglich macht. Ersten und kostenlosen Zugang zum Sport ermöglichen vor allem Schulen sowie außerschulische Projekte der Kinder – und Jugendhilfe.
Staatliche Sportpolitik
Von 1994 bis 2019 wurde Sportpolitik durch ein eigenes Ministerium, das Department of Sports and Recreation South Africa koordiniert, und es wurden zahlreiche Programme zur Sportentwicklung im Land umgesetzt. 2019 wurde die Behörde mit dem Ministerium für Kunst und Kultur zusammengelegt. Heute ist das Department of Sport, Arts and Culture verantwortlich für:
- nationale Sportpolitik
- Förderung von Breitensportprogrammen
- Entwicklung von Sportinfrastruktur
- Unterstützung von Nachwuchs- und Spitzensport
Der National Sport and Recreation Plan dokumentiert die aktuelle Strategie der südafrikanischen Regierung, wie sowohl Breitensport als auch Leistungssport gefördert werden sollen.
Die olympische Organisation Südafrikas
Für den Hochleistungssport und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben ist vor allem das South African Sports Confederation and Olympic Committee (SASCOC) verantwortlich.
Die Aufgaben von SASCOC beinhalten:
- organisiert Südafrikas Teilnahme an Olympischen Spielen
- koordiniert nationale Sportverbände
- unterstützt Eliteathletinnen und -athleten
- entwickelt Programme für Talentsichtung und Leistungssport
SASCOC fungiert damit auch als Dachorganisation für den olympischen Sport in Südafrika.
Nationale und lokale Sportverbände
Unter dem Dach von SASCOC arbeiten zahlreiche nationale Sportverbände (National Sports Federations – NSF). Sie gibt es für alle Sportarten, die Wettkämpfe austragen. Zu den wichtigsten Federations gehören:
- South African Rugby Union – verantwortlich für Rugby
- South African Football Association – organisiert den Fußball im Land
- Athletics South Africa – zuständig für Leichtathletik
Diese Verbände organisieren nationale Ligen, Nachwuchsprogramme und internationale Wettbewerbe. Die Arbeit der NSFs wird ergänzt durch die Provincial Sports Federations sowie die District Sport Federations, die Sportprogramme auf den verschiedenen regionalen Ebenen organisieren, also regelmäßige Trainings anbieten und Wettkämpfe austragen. Am weitesten verbreitet und damit leicht zugänglich sind Vereine im Bereich Fußball, Rugby, Cricket und Hockey.

Schulsport
Ein zentraler Bestandteil des südafrikanischen Sportsystems ist der Schulsport. Schulen sind für viele Kinder der erste Ort, an dem sie regelmäßig mit Sport in Kontakt kommen und ihre sportlichen Fähigkeiten entwickeln können.
Die Organisation des Schulsports erfolgt vor allem in Zusammenarbeit mit dem
Department of Basic Education und dem Department of Sport, Arts and Culture.
Ein wichtiges Programm ist die National School Sport Championship, bei der Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Provinzen in unterschiedlichen Sportarten gegeneinander antreten. Ziel dieses Programms ist es:
- Talente früh zu entdecken
- Kindern regelmäßige sportliche Aktivität zu ermöglichen
- soziale Integration zu fördern
- eine Verbindung zwischen Schule, Vereinen und nationalen Sportverbänden zu schaffen
Schulsport ist damit ein entscheidender Baustein für die Entwicklung zukünftiger Leistungssportlerinnen und Leistungssportler. Gleichzeitig trägt er dazu bei, dass Sport für Kinder aus allen sozialen Gruppen zugänglich wird.
Das Department of Basic Education hat dafür konkrete Richtlinien formuliert, die die erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele unterstützen:
- Code of Conduct: Alle Schülerinnen, Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer halten sich an den Code of Conduct, der Fairplay sowie Respekt vor den Gegnerinnen und Gegnern und das Einhalten der Spiel- oder Wettkampfregeln umfasst.
- Sicherheit: Die Schulen bieten eine sichere Durchführung der Aktivitäten durch geeignetes Equipment, Einrichtung, Aufsicht sowie medizinische Hilfe.
- Altersrichtlinien: Schülerinnen und Schüler nehmen an Sportarten entsprechend ihrer Altersgruppe teil.
- Auswahlkriterien: Schulen müssen deutliche und transparente Kriterien haben, um Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme an Sportveranstaltungen auszuwählen. Die Kriterien müssen auf Fairness und Inklusion beruhen.
- Wettkampfniveau: Schulen werden in bestimmte Niveaus entlang ihrer Größe, ihrer Ressourcen und dem Level der umliegenden Schulen eingeteilt. Diese Maßnahme soll faire Bedingungen schaffen, da die Schulen sehr unterschiedliche ausgestattet sind.
- Sportcurriculum: Schulen werden dazu aufgefordert Sport in ihr Curriculum einzubinden, um fundamentale Bewegungsfertigkeiten und -kompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern. In der Praxis fehlen dafür aber gerade an den öffentlichen Schulen meist die Kapazitäten.
Allerdings gibt es weiterhin Herausforderungen:
Sportarten, Ausstattung und Fördermöglichkeiten hängen stark von den finanziellen Möglichkeiten der Schule ab. Viele öffentliche Schulen, besonders in ländlichen Regionen, verfügen nur über begrenzte Sportanlagen oder Ausrüstung. Privatschulen, die sich mithilfe von Schulgeldern finanzieren, haben in der Regel hervorragende Sportanlagen und Möglichkeiten, Talente zu fördern (da würden die meisten deutschen Schulen neidisch werden). Ähnlich wie in den USA und Großbritannien, bieten viele Privatschulen Sportstipendien an, um besonders begabte Sportler:innen, die sich die Schulgelder nicht leisten könnten, sowohl akademisch als auch sportlich zu fördern.
Zu den typischen Sportarten, die an den meisten Schulen angeboten werden, gehören: Fußball, Rugby, Cricket, Hockey, Netzball, Basketball, Badminton, Wasserball, Leichtathletik, Tennis und Schwimmen. Wer sich für andere Einzelsportarten interessiert (z.B. Turnen, Kampfsportarten wie Judo, Karate etc.) muss sich einen Verein suchen. Diese sind oftmals nicht gut erreichbar und zudem für die Mehrheit der Bevölkerung nicht leistbar.

Sport als Motor für Entwicklung und Instrument in der Jugendarbeit
Sport spielt in Südafrika heute auch eine wichtige Rolle in der sozialen Entwicklung. Neben den oben beschriebenen Sportstrukturen gibt es zudem viele gemeinnützige Einrichtungen und Programme, die Sport gezielt in der sozialen Arbeit einsetzen.
Sie konzentrieren sich darauf, benachteiligten Jugendlichen Zugang zu Sport zu ermöglichen, Bildung und Sport zu verbinden und soziale Integration zu fördern
Viele Programme konzentrieren sich darauf:
- Benachteiligten Jugendlichen Zugang zu Sport ermöglichen: also zum Beispiel in Stadtteilen und Regionen, in denen Schulen keine oder nur sehr eingeschränkt Sport anbieten
- Bildung und Sport miteinander zu verbinden: neben dem Sport werden auch Bildungsprogramme angeboten, z.B. Hausaufgabenhilfe, Umweltbildung, Life Skills aber auch erlebnispädagogische Angebote, die den Sport nutzen, um Fähigkeiten in den Kindern stärken, die ihnen auch im Schulalltag helfen (Konzentration stärken, Umgang mit Stress, Resilienz, Bewußtsein für einen gesunden Körper …)
- Soziale Integration zu fördern: Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen werden über den Sport verbunden und bilden eine gemeinsame Identität – als Teams oder Fans.
Obwohl die Rolle des Sports in der Bildungs- und Gesundheitsförderung anerkannt ist, kämpfen viele gemeinnützige Sportprojekte um staatliche Förderung. Sie finanzieren sich in der Regel durch Spenden oder private und öffentliche Stiftungen oftmals aus dem Ausland.
Alle Partnerprojekte von live&learn im Bereich Sport setzen den Sport gezielt als Instrument in der Bildungs- und Gesundheitsförderung ein und leisten einen wichtigen Beitrag zu Versöhnung und gesellschaftlicher Integration.
Fazit:
Sport ist in Südafrika weit mehr als nur Freizeit oder Wettbewerb. Er dient als Instrument für gesellschaftliche Integration, nationale Identität und soziale Entwicklung. Besonders der Schulsport spielt eine wichtige Rolle, da er die Grundlage für die sportliche Förderung junger Menschen bildet und gleichzeitig zur sozialen Teilhabe beiträgt.


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