Marketing Praktikum in Kapstadt – live&learn Büro

„Als Einreisende aus dem  globalen Norden wurden meine Vorurteile, vor allem unterbewusste, an ganz konkreten Alltagsituationen aufgedeckt und revidiert. Und das auf eine Art und Weise, die mir kein Buch oder Podcast der Welt hätte beibringen können. Viele Gespräche und Begegnungen haben dazu geführt, dass ich Prozesse und Gegebenheiten kritischer hinterfrage.

– Erfahrungsbericht von Lilli, 23, Absolventin über ihr Praktikum im live&learn Büro Kapstadt

Lilli hat gerade ihr Bachelor Studium am Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Münster abgeschlossen und wollte vor ihrem geplanten Master Studium, Zeit im Ausland verbringen. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen und unvergessliche Erlebnisse aus ihrer Zeit in Südafrika.

Darum habe ich mich für das Praktikum entschieden

Vor meinem Master im Fach Kommunikationswissenschaft wollte ich unbedingt noch mehr Praxiserfahrung sammeln. Außerdem wollte ich den langersehnten Wunsch einer Auslandsreise erfüllen, der durch die Corona-Pandemie nach meinem Abitur leider verschoben wurde. Das Praktikum hat mir die perfekte Mischung zwischen Reisen und beruflicher Weiterentwicklung geboten.
In meinem Praktikum wollte ich vor allem Praxiserfahrung sammeln, neue Designprogramme und den Arbeitsalltag einer NGO kennenlernen. Persönlich hatte ich mir vorgenommen, einen guten Ausgleich zwischen dem Erreichen persönlicher Ziele und dem Genießen zu schaffen. Das fällt mir in Deutschland sehr schwer und ich binde mich zu gerne an Routinen und Aufgaben, wodurch es mir manchmal schwerfällt Leichtigkeit zu erleben und zu genießen. Dafür war Südafrika definitiv das richtige Reiseziel.

Meine Aufgaben bei live&learn in Kapstadt

Bei live&learn habe ich an der Homepage gearbeitet, also neue Beiträge geplant, verfasst, hochgeladen und die Website aktualisiert. Außerdem habe ich den Newsletter geschrieben und war für Social Media Posts und Strategie (Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn) zuständig. Ich habe auch Infoblätter, Posts und Präsentationen mit Canva designet. Durch mein Praktikum konnte ich lernen, wie man eine Webseite bei WordPress pflegt und aktualisiert, ich habe meine Kenntnisse mit Canva, Adobe und Mailchimp ausbauen können. Darüber hinaus habe ich mehr über Suchmaschinenoptimierung (SEO) gelernt. Ich habe Interviews mit anderen Freiwilligen geführt, um einen Einblick in ihre Einsatzstellen zu geben und Antje bei dem Besuch von Einsatzstellen begleitet.

Meine schönstes oder außergewöhnlichste Erlebnis

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, weil es so viele Highlights gab und ich erst einen Bruchteil des Erlebten verarbeiten konnte. Was meine Reise vor allem geprägt hat, waren die besonderen Begegnungen und Freundschaften, die ich hier knüpfen konnte. Ich wurde so nett von allen aufgenommen und konnte mich bei Problemen an jeden und jede wenden. Auch wenn wir alle so unterschiedlich waren, hat die gemeinsame Entscheidung nach Südafrika zu reisen eine besondere Verbindung hervorgebracht und ich bin so dankbar für all die Freundschaften, die ich hier schließen konnte. Meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, unser Freundeskreis in Südafrika, Antje, Alex und Camillo, aber auch Gespräche mit Fremden auf der Straße, im Uber oder beim Obststand im Ort, jede Begegnung hat meinen Aufenthalt bereichert.

Perspektivenwechsel: Hat sich mein Bild von Südafrika verändert?

Ja, die Reise hat mir ganz konkret vor Augen geführt, inwiefern der globale Norden immer noch auf Kosten des globalen Südens lebt. Ich finde es absurd, dass ein Großteil der Anreise daraus besteht über den afrikanischen Kontinent zu fliegen, Europa hingegen überquert man in maximal vier Stunden, dennoch denken viele immer noch, dass Afrika ein Land ist, oder können kein einziges Land des Kontinents benennen. Allein daran zeigt sich die Überlegenheit und das fehelende Interesse. Und auch die geringe Menge an wissenschaftlichen Papern, wie ich bei einer Recherche, während meines Praktikums feststellen musste.

In vielen privat organisierten Projekten ist konkret aufgefallen, dass sich viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner nicht mehr auf die Regierung verlassen, was sich positiv in einem hohen Maß an Eigeninitiative und Erfindergeist zeigt, aber eigentlich Produkt einer misslungenen (Inklusions-)politik ist. Dennoch sind diese Projekte konkrete Beispiele, wie Demokratie gelebt wird und ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland ebenfalls aktiver werden, indem wir unsere Demokratie aktiv gegenüber
Populismus und Rechtsextremismus verteidigen. Das ist gerade jetzt unerlässlich.

Hat sich mein Blick auf meine Heimat geändert?

Ja, vor allem auf mein persönliches Leben in Deutschland und die Umstände, in denen ich aufgewachsen bin. Auch, wenn mir vorher bereits bewusst war, wie viel Glück und wie viele Privilegien ich hatte und habe, sind mir diese noch einmal bewusster geworden. Fließend Wasser, Strom und die Möglichkeit als Frau bei Tag und Nacht allein unterwegs zu sein, das ist in Südafrika nicht selbstverständlich und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Privilegien in Deutschland habe. Ein Thema, bei dem mir das besonders vor Augen geführt wurde, ist das unterschiedliche Verständnis von Feminismus und Emanzipation zwischen schwarzen und weißen Frauen.

Was möchte ich mit nach Hause nehmen?

Auf jeden Fall die Neugier und Abenteuerlust. Die entsteht bei solchen Reisen automatisch. Zuhause würde ich zum Beispiel niemals auf die Idee kommen, den Sonnenaufgang anzusehen. Aber warum eigentlich nicht? Genau diese Aktivitäten haben meinen Alltag dort besonders gemacht und mich mit offenen Augen durch die Welt laufen lassen. Darüber hinaus möchte ich die Dinge, die ich in Südafrika über globale Prozesse und Demokratie gelernt habe, versuchen anzuwenden, auch wenn mir noch nicht klar ist, in welcher Form.

Konnte ich meine persönlichen Ziele erreichen? 

In beruflicher Hinsicht konnte ich auf jeden Fall viele neue Erfahrungen sammeln und habe einiges dazugelernt.

Als Einreisende aus dem  globalen Norden wurden meine Vorurteile, vor allem unterbewusste, an ganz konkreten Alltagsituationen aufgedeckt und revidiert. Und das auf eine Art und Weise, die mir kein Buch oder Podcast der Welt hätte beibringen können. Viele Gespräche und Begegnungen haben dazu geführt, dass ich Prozesse und Gegebenheiten kritischer hinterfrage.

Mein persönliches Ziel, den Ausgleich zwischen Produktivität und Genießen zu schaffen, ist mir, vor allem gegen Ende der Zeit immer schwerer gefallen und auch jetzt, wieder in Deutschland noch einmal extremer geworden. Sobald ich wieder in meinem gewohnten Umfeld war, habe ich mich verhalten, als wäre ich nie weggewesen und finde gerade noch heraus, wie ich das Gleichgewicht auch in
Deutschland besser einhalten kann.

Inspiration für meinen beruflichen Werdegang?

Durch das Praktikum konnte ich meinen Berufswunsch noch einmal bestätigen und konkretisieren.

Das hab ich mir anders vorgestellt:

Obwohl ich genug Pullis und lange Hosen eingepackt habe, war ich doch überrascht, dass es abends und bei starkem Wind sehr kalt werden kann.

So habe ich gewohnt:

Ich habe in einer fünfer-Wg in Muizenberg gewohnt. Dadurch, dass drei meiner Mitbewohner:innen aus Südafrika kamen, hatte ich dadurch gleich zu Beginn ein paar lokale Kontakte. Außerdem hat zuerst Selina und danach Linda, die auch über live&learn in Südafrika waren, bei mir gewohnt, wodurch wir uns immer austauschen konnten. Die Wohnung war nur 10 Minuten vom Strand entfernt, perfekt um morgens vor dem Praktikum Surfen zu gehen oder den Sonnenaufgang anzusehen. In Muizenberg habe ich mich sehr sicher gefühlt und die Ruhe im Vergleich zur Innenstadt sehr genossen. Hier ist der perfekte Ort, um Surfen zu lernen und eigentlich dreht sich der gesamte Vorort nur darum.

Meine  Tipps an zukünftige Freiwillige und Praktikant:innen:

  • Gib dir und deinem Umfeld Zeit. Es muss nicht von Anfang an alles perfekt laufen. Du bist in einem anderen Land und machst Dinge zum ersten Mal. Ein bisschen Selbstironie, Gelassenheit und Zuversicht erleichtert dir die ersten Wochen. Zum Beispiel war mein Zimmer bei meiner Ankunft noch nicht fertig, sodass ich die ersten drei Nächte im Wohnzimmer übernachten musste, das war nach der langen Anreise und den ersten ereignisreichen Tagen nicht optimal, aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht.
  • Probiere so viele neue Dinge wie möglich.
  • Bring dich in deinem Praktikum ein und zeig Eigeninitiative. Viele meiner Aufgaben waren keine konkreten Befehle, sondern Ideen, die im Austausch mit Antje oder aus meinen Überlegungen entstanden sind. Oft gibt es nur limitierte Aufgaben für Praktikant:innen, was ein Praktikum manchmal langweilig und unterfordernd machen kann, aber meistens ergeben sich viele coole Dinge und Aufgaben durch Eigeninitiative und eigene Ideen.

Meine drei Favoriten:

  • Cristal Pool Wanderung
  • Olympia Bakery in Kalk Bay
  • Wenn ihr in Plettenberg seid, probiert unbedingt den Iced Chai in Robberg
    (in dem Naturreservat gibt es einen Kiosk).

Das hat mir an der Betreuung durch das live&learn gefallen: 

Dadurch, dass ich bei Antje und Alex zuhause gearbeitet habe, habe ich einerseits mitbekommen, wie viel Zeit, Nerven und Arbeit sie in die Betreuung der Teilnehmenden stecken. Und das vor, während und nach der Reise, sodass Antjes Tag zu einem Großteil daraus besteht, im Kontakt mit Teilnehmenden oder Partnerorganisationen zu stehen. Darüber hinaus haben sie durch den täglichen Kontakt auch stets gewusst, wie es mir ging, was ich vorhatte und waren sofort zur Stelle, wenn ich ihre Hilfe brauchte. Ich habe mich stets gut aufgehoben gefühlt und bin sehr dankbar für die Unterstützung und Möglichkeit, dass ich diese Reise unternehmen und in vollem Umfang genießen durfte. Das wäre ohne das Team von live&learn nicht möglich gewesen.

Praktikum in Südafrika

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