08 Juni Erfahrungsbericht: Tiermedizin Praktikum Südafrika
„Ich habe tatsächlich einen Koffer voller einmaliger Erinnerungen mit nach Hause genommen und bin wahnsinnig dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, so etwas im Rahmen meines Studiums zu erleben. Ich werde mich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang an diese drei Wochen erinnern und besonders mein persönliches Highlight der Reise (meinen ersten Flug in einem Helikopter inklusive Darting-Übung) nie vergessen. Egal, in welchen Bereich der Tiermedizin es mich später hin verschlägt, habe ich hier ein ganz neues (Selbst-)Bewusstsein für diesen Beruf erhalten, sowie eine praktische Herangehensweise und das Improvisieren im Falle begrenzter Möglichkeiten kennen gelernt, die mir in meinem späteren Leben als Tierärztin sicher hilfreich sein werden. “
– Erfahrungsbericht von Laura, 24: Tiermedizin Praktikum in Südafrika
Laura studiert Tiermedizin an der Uni Gießen. Im Rahmen ihres Rotationsjahres absolvierte sie im April 2026 ihr Wahlpraktikum in einem Fortbildungsprogramm für Tiermediziner an Südafrikas Garden Route. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen:
Meine Motivation
2024 habe ich im Rahmen meines Tiermedizin-Studiums mit der Planung meines Praktischen Jahres begonnen, das mir einen Zeitraum von insgesamt 16 Wochen für frei wählbare Praktika zur Verfügung stellt. Da ich mir für mein Rotationsjahr vorgenommen hatte, möglichst vielfältige Erfahrungen im Bereich der Tiermedizin zu sammeln (und vor allem in Bereiche hineinzuschnuppern, die in der Uni nur wenig bis gar nicht beleuchtet werden), kam mir schon früh der Gedanke an ein Praktikum mit Wildtieren. Hinzu kam der Wunsch, einmal aus meiner Komfortzone herauszukommen und zum ersten Mal überhaupt alleine in ein anderes Land zu reisen. Also habe ich mich über Möglichkeiten informiert, wie ich ein Praktikum bei Wildtierauffangstationen oder ähnlichen Programmen im Ausland durchführen könnte, das von meiner Uni als Wahlpraktikum anerkannt werden würde. Dabei habe ich mich vor allem auf Afrika und Australien fokussiert und bin eines Abends rein zufällig über live&learn auf das VetX-Programm in Südafrika gestoßen, dessen Beschreibung mich sofort überzeugt hat. Südafrika hatte als Wunschreiseziel ohnehin auf meiner Bucket List für „später“ (das heißt, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe und mein eigenes Geld verdiene) gestanden, weil ich schon viel davon gehört hatte und eine meiner Schulfreundinnen mir auch schon begeistert davon erzählt hatte. Als ich dann die Beschreibung des VetX-Programms gelesen habe, war mir klar, dass das genau das war, wonach ich für mein Rotationsjahr gesucht hatte und dass es sich dabei um eine einmalige Gelegenheit handelt, die sich im späteren Berufsleben so kaum noch verwirklichen lassen würde.
Dementsprechend habe ich mich mit Antje von live&learn in Verbindung gesetzt, die mir all meine Fragen zum Projekt und zu einem Aufenthalt in Südafrika allgemein beantwortet hat, mir bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten geholfen hat und mir einen Platz bei VetX reserviert hat. Allgemein habe ich mich von live&learn super gut auf meinen Aufenthalt vorbereitet gefühlt, da sie mich bei der gesamten Planung an die Hand genommen haben und mit vielen nützlichen Informationen und Empfehlungen versorgt haben, die ich so nicht bedacht hätte, wenn ich die Reise auf eigene Faust geplant hätte. Und zudem war es beruhigend, dass ich mit Antje im Notfall auch außerhalb des Programms eine Ansprechpartnerin vor Ort gehabt hätte, die mir bei möglichen Problemen geholfen hätte.

Und wie das Leben und das Training vor Ort?
Als ich dann knapp zwei Jahre später im April 2026 in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen bin, hatte ich neben einer riesigen Vorfreude auch das Vorhaben im Gepäck, in Südafrika sowohl persönlich als auch fachlich zu wachsen und nicht nur mit einem Koffer voller einmaliger Erinnerungen, sondern auch mit einem Basiswissen über Wildtiermedizin und Wildlife Capture (mit Fokus auf die Big Five und andere Wildtierarten in Südafrika) nach Deutschland zurückzukehren.
Im VetX Programm angekommen, wurden wir zunächst von Hein und Jo, unseren anderen Betreuern und den zahlreichen Tieren auf der Farm empfangen, in der wir für die folgenden drei Wochen beherbergt wurden. Die Farm hat uns allen auf Anhieb gefallen und es entstand schnell das Gefühl einer Art Klassenfahrt – nur um einiges cooler. Übernachtet wurde in gemütlichen Drei-Bett-Zimmern, die Mahlzeiten haben wir im überdachten Bereich des Innenhofs zu uns genommen und abends haben wir uns wahlweise am Lagerfeuer oder an der Bar zusammengesetzt und ausgetauscht. Für das leibliche Wohl ist bestens (!!!) gesorgt, Trinkwasser, Tee, Kaffee und auch alkoholische Getränke stehen an der Bar durchgehend zur Verfügung und das Team organisiert regelmäßige Fahrten nach Mossel Bay, um in der Mall einzukaufen, was noch fehlt.
Die Zeit im Programm gliedert sich zum einen in Vorträge rund ums Thema Wildlife Capture and Care, die ein ausreichendes Wissen für die Anforderungen des Programmes und auch darüber hinaus vermitteln, zum anderen erhält man im praktischen Training auf der Farm genug Gelegenheit, die bei den Capture Operations notwendigen Handgriffe wiederholt zu üben. Dabei handelt es sich unter anderem um das Berechnen von Dosierungen, das Anbringen von Augenbinden, das Verabreichen von Injektionen und das Transportieren der Tiere. Hierfür steht eine Antilopen-Attrappe zur Verfügung, die das Team in Form von Simulationen einsetzt, wobei es uns allen riesigen Spaß gemacht hat, immer wieder neue Szenarios zu üben und die dafür benötigte Zeit immer weiter herabzusetzen.
Zusätzlich hat das VetX Team auch Vorlesungen und Übungen auf dem Programm, die sich mit dem Darting von Wildtieren befassen und wo man vom Zusammensetzen der Betäubungspfeile bis hin zum Benutzen von Betäubungsgewehren sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Ausführung lernen kann. Hinzu kommen spontan anfallende Patienten, deren Symptome und Behandlungsmöglichkeiten im Team besprochen werden, sowie – je nach Jahreszeit – Capture Operations, bei denen man das im Training Gelernte anwenden kann und als Team weiter zusammenwächst. Hierbei kann ich den Zeitraum von April bis Mai sehr empfehlen, da er aufgrund der langsam abnehmenden Temperaturen eine perfekte Mischung an Aktivitäten ermöglicht, ohne dass es (vor allem in den Nächten) zu kalt wird: Wir hatten sowohl mehrere Patienten-Einzelfälle, als auch eine Sektion und drei Capture Operations, für die wir in der beginnenden Capture-Saison in die Karoo und in die Kleine Karoo gefahren sind, um Antilopen umzusiedeln. Es gab demnach genug Möglichkeiten, um selbst Injektionen zu verabreichen und tatkräftig bei den Transporten mitzuwirken, was vor allem bei schwereren Tieren absolut notwendig ist und mit einem intensiven Muskelkater am Folgetag belohnt wird J.
Und obwohl das im ersten Moment nach einem sehr vollen Programm klingt, entzerrt es sich im Verlauf dieser drei Wochen auf jeden Fall, sodass es zwar immer abwechslungsreich und aufregend bleibt, zwischendurch aber auch genug Zeit ist für einen kurzen Spaziergang zum Anbringen von Wildkameras oder für ein kurzes Tischkicker Match.
An den Wochenenden hat uns das Team eine ihrer Mitarbeiterinnen zur Seite gestellt, die uns zu unseren ausgewählten Aktivitäten gebracht hat und uns als „Reiseleiterin“ betreut hat, wobei man aus einer Auswahl an Freizeitaktivitäten wählen konnte, bei der für jeden etwas dabei gewesen ist. Es bleibt aber auch genug Raum für Wünsche aus der Gruppe, vor allem was die Abendgestaltung betrifft.


Was nehme ich mit?
Meine Zeit im Programm hat sich tatsächlich als die Erfahrung herausgestellt, die ich mir für mein Rotationsjahr erhofft hatte und ich würde mich auf jeden Fall immer wieder dafür entscheiden. Ich habe in diesen drei Wochen so viel gelernt und gesehen, habe Situationen gemeistert, die ich mir vorher nicht mal vorstellen konnte, und habe mir selbst bewiesen, dass ich auch ohne festen Plan und Routine auskomme – und das sogar sehr gut. Der Ausdruck „Go with the flow“ passt tatsächlich exakt zu dem, was einen im Programm erwartet, denn es gleicht sich kein Tag dem anderen und man lernt schnell, entspannt und ohne Erwartungen an einen neuen Tag heran zu gehen. Genau das ist aber auch, was nach einem Studium wie diesem sehr gut tut, und ich habe diesen Ausbruch aus dem Alltag sehr genossen und geschätzt.
Ich habe tatsächlich einen Koffer voller einmaliger Erinnerungen mit nach Hause genommen und bin wahnsinnig dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, so etwas im Rahmen meines Studiums zu erleben. Ich werde mich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang an diese drei Wochen erinnern und besonders mein persönliches Highlight der Reise (meinen ersten Flug in einem Helikopter inklusive Darting-Übung) nie vergessen. Egal, in welchen Bereich der Tiermedizin es mich später hin verschlägt, habe ich hier ein ganz neues (Selbst-)Bewusstsein für diesen Beruf erhalten, sowie eine praktische Herangehensweise und das Improvisieren im Falle begrenzter Möglichkeiten kennen gelernt, die mir in meinem späteren Leben als Tierärztin sicher hilfreich sein werden. Außerdem erwäge ich jetzt, nach meinem Abschluss erneut für eine bestimmte Zeit ins Ausland zu reisen und dort tierärztlich tätig zu sein, da ich mir das nach dieser Erfahrung eher zutraue und noch weitere Erfahrungen sammeln möchte.


Wie hat sich mein Bild auf Südafrika und Deutschland verändert? Was war anders als erwartet?
Was mein Bild von Südafrika angeht, so hatte ich vor meinem Aufenthalt bereits erwartet, dass es sich um ein extrem vielseitiges, kontrastreiches Land handelt, das mich vor allem aufgrund seiner einmaligen Natur- und Artenvielfalt begeistern würde, und dass es im Vergleich zu den europäischen Ländern, die ich bisher bereist habe, eine ganz neue Erfahrung darstellen würde. Diese Erwartung hat sich auf jeden Fall auch bestätigt, wobei es definitiv etwas anderes ist, diese Vielseitigkeit mit eigenen Augen zu sehen, als sie nur aus Fotos und Erzählungen zu kennen. Was mich überrascht und begeistert hat, ist die Freundlichkeit und Positivität der Südafrikaner, die für jemanden, der Deutschland und seine Einwohner gewohnt ist, erstmal einen kleinen Kulturschock darstellt, meine Erfahrung aber definitiv bereichert hat. Ich war mir vorher schon über die oft sehr negative Grundeinstellung der Deutschen bewusst, doch hat diese sich im Vergleich zu der offenen und optimistischen Haltung der Einheimischen, denen ich auf meiner Reise begegnet bin, als noch negativer dargestellt. Die Themen, über die sich die Menschen in Deutschland tagtäglich aufregen, erscheinen im Vergleich zu der Not, mit der man in Südafrika konfrontiert wird, als Luxusprobleme, und doch nimmt man ein ganz anderes Lebensgefühl wahr, als es in meiner Heimat in deutlich privilegierteren Lebenssituationen der Fall ist. Daraus hat sich für mich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und Wertschätzung für meine Möglichkeiten und Privilegien ergeben, das ich mit zurück nach Deutschland genommen habe und das eine gewisse Demut in mir hervorgerufen hat.
Was mich zudem unerwarteter Weise an Südafrika begeistert hat, ist die kulinarische Vielfalt und die Mühe, die sich bei der Zubereitung von Gerichten gegeben wird. In meinen vier Wochen in Südafrika habe ich sehr viel ausprobiert und Gerichte kennengelernt, von denen ich noch nie gehört hatte, und jedes Mal war ich absolut begeistert von Geschmack, Zusammenstellung und vor allem Preis-Leistungsverhältnis der Gerichte. Ich konnte sogar einige Inspirationen für das Kochen zu Hause sammeln und freue mich schon, diese auszuprobieren und mit meiner Familie zu teilen.
Fazit: Es hat sich gelohnt!
Abschließend lässt sich sagen, dass diese drei Wochen in Südafrika meine Erwartungen bei Weitem übertroffen haben und die Mühe mehr als wert gewesen sind, im Voraus dafür zu sparen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Wenn du also wie ich begeistert von der Beschreibung des Programms bist und es dir irgendwie ermöglichen kannst, während des Studiums daran teilzunehmen, dann kann ich es dir nur wärmstens empfehlen und dich zu einer Teilnahme ermutigen!

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