03 Juli Mediensystem in Südafrika
Das südafrikanische Mediensystem ist vielfältig und dynamisch, mit einer Mischung aus staatlichen (SABC) und privaten Anbietern in Fernsehen, Radio (z.B. Metro FM als Nachrichtensender), Print (z.B. lokale Tageszeitungen wie Cape Argus, Cape Times und Daily Sun) und stark wachsenden digitalen Medien (z.B. News24 online).
Gut recherchierte Artikel über aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen in Südafrika und weltweit bieten die Wochenzeitungen Daily Maverick und Mail&Guadian.
Ein bekanntes Printmedium in Südafrika ist der Daily Maverick, eine unabhängige, englischsprachige Wochenzeitung. Der Daily Maverick wurde 2009 von Branislav Brkic, dem damaligen Chefredakteur und Styli Charalambou, dem Geschäftsführer gegründet.
Der Verlag gehört einer Holdingcompany, die sich aus einer Gruppe von Shareholdern Non-Profit-Organisationen und Investmentgesellschaften zusammensetzt. Dabei hat kein Shareholder mehr als 50% Anteil an dem Verlag. Zunächst erschien die Zeitung nur online, seit 2020 gibt es eine Printausgabe.
Das Motto der Zeitung ist „Defend Truth“, was sich in den zwei, vom Daily Maverick proklamierten Funktionen des Journalismus wiederfindet. Als erstes soll der Journalismus helfen die Demokratie zu verteidigen, indem der Verlag hohe Investitionen in die eigene Glaubwürdigkeit fließen lässt. Die zweite Funktion des Journalismus ist die Hilfe bei Lebensentscheidungen der Bevölkerung. Das geschieht, indem der Daily Maverick Folgen und Konsequenzen wichtiger gesellschaftlicher Ereignisse darstellt, eine Vielfalt an Perspektiven publiziert und Vorurteile vermeidet. 2024 hatte die Zeitung 14.5 Millionen Unique Webseiten-Besuche. Jeder Artikel des Daily Maverick ist kostenlos lesbar und finanziert sich durch Spenden von Leser:innen, Werbung, Förderungen und Events.
Eine andere Wochenzeitung in Südafrika ist der Mail & Guardian, die von der Verlagsgruppe M&G Media in Johannesburg publiziert wird. Der Inhalt der Wochenzeitung fokussiert sich auf politische Analysen, Investigativ-Journalismus, nationale News, sowie lokale Kundt, Musik und Popkultur. Der Mail & Guardian zählt aufgrund seines starken Einflusses auf die öffentliche Meinung und die hohe Reichweite als südafrikanisches Leitmedium.
Zunächst erschien der Mail & Guardian unter dem Namen „Weekly Mail“ als alternative Zeitung einer Journalistengruppe als Folge der Einstellung zwei nationaler Zeitungen. Durch die Kritik von Regierung und Apartheid-Politik wurde die Zeitung 1988 verboten. 1993 wurde sie dann in Weekly Mail & Guardian umbenannt und musste aufgrund der Namensänderung fast wieder eingestellt werden.
Eine Lösung bot die Guardian Media Group, die als Shareholder 1995 in das Unternehmen einstieg und mitfinanzierte. Dies führte zu einer weiteren Namensänderung in Mail & Guardian. 2017 wurde die amerikanische non-profit Investmentfirma „Media Development Investment Fund“ zum Shareholder. Daraufhin wurde der vorherige Shareholder gekündigt und Hoosain Karjieker erwarb eine Minderheitsbeteilung. Den Mitarbeitenden gehört jeweils 10% der Firma.
Neben den großen nationalen Zeitungen gibt es an vielen Orten auch sogenannte Local Community Paper, wie das False Bay Echo in den südlichen Vororten Kapstadts. Die Local Commnity Paper sind kleine, kostenlose Zeitungen, die sich durch Werbung finanzieren und von professionellen Journalist:innen zusammengestellt werden.
Es gibt über 13 Local Community Paper und wöchentlich werden über 600 000 Exemplare in ganz Südafrika verteilt. Thematisch befassen sich die Local Community Paper mit Neuigkeiten, Events über die jeweilige Region. Hauptsächlich soll der lokalen Bevölkerung eine Stimme gegeben und auf lokale Events und Ereignisse aufmerksam gemacht werden. Es gibt neben informativen Artikeln Editorials, Kommentare und Briefe von Anwohner:innen. Die Local Community Paper sind digital und im Printformat erhältlich.
Die Medien senden in vielen der elf Landessprachen, wobei Englisch und Afrikaans dominieren. Es zeichnet sich durch eine verfassungsmäßig garantierte Pressefreiheit aus, die aber durch Herausforderungen wie politische Einflussnahme, finanzielle Schwierigkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (SABC) und die Notwendigkeit der Inklusion in der Berichterstattung geprägt ist. Die South African Broadcasting Corporation (SABC) ist der staatliche Fernsehsender. Neben diesem spielen private Unternehmen, wie Multichoice (DStv) und eNCA eine große Rolle in der südafrikanischen Medienlandschaft. Der einzige private, aber kostenlose Fernsehsender ist e.tv. Dieser wurde 1988 gegründet. Historisch lässt sich der Wandel des Mediensystems in vier Phasen einteilen.
Geschichte des Mediensystems in Südafrika:
Zu Beginn der 1990er war das südafrikanische Mediensystem stark von den Strukturen des Apartheidregimes geprägt. Die South African Broadcasting Corporation (SBAC), der damals größte nationale Fernseh- und Radiosender, diente als Propagandainstrument der National Party. So wurden zum Beispiel die einzelnen Fernseh- und Radiosender von SBAC in verschiedenen Landessprachen und das Programm für verschiedene ethnische Gruppen aufbereitet.
Das Zeitungswesen arbeitete ebenfalls entlang der Apartheidstrukturen. Englischsprachige Zeitrungen gehörten entweder der Argus Gesellschaft oder der South African Associated Newspaper (SAAN). Die Redaktionen bestanden aus weißen Südafrikanerinnen und Südafrikanern mit britischer Herkunft und sprachen richteten sich an ein weißes englischsprachiges Publikum. Zusätzlich gab es Sondereditionen, die das schwarze Publikum in den Townships adressierte. Trotz dieser Aufteilung lehnten beide Verlagsgruppen das Apartheidregime aufgrund der wirtschaftlichen Nachteile ab.
Neben Saan und Argus gab es auch zwei Verlagsgruppen für afrikaansprachige Zeitungen: Nasionale Pers (NasPers) und Die Perskorporasie van Suid-Afrika (Perskor), beide unterstützen das Apartheidregime. Jedoch sprach sich die NasPers Pressegruppe für einen Wandel des Regimes zu einer Koalitionsregierung aus, in der sämtliche politischen Kräfte und gesellschaftliche Gruppen in die Entscheidungsfindung einbezogen werden sollten.
Die alternative Presse unterstützte den ANC, sie sprachen gezielt die schwarze und coloured Leserschaft an. Durch die gemeinsame Machtteilhabe von ANC und NP 1993, veränderte sich auch die südafrikanische Medienlandschaft.
In dieser Phase entstand auch eine der größten südafrikanischen Tageszeitungen „The Sowetan“. Die englischsprachige Zeitung wurde 1981 gegründet und setzte sich gegen das Apartheidregime ein. Die Ausgaben wurden in die durch das Regime segregierten Townships von Gauteng, Johannesburg und Soweto kostenlos verteilt. Das Medium gehört der südafrikanischen Mediengesellschaft „Arena Holdings“, davor war es im Besitz von Dr. Nhato Moltana, einem berühmten südafrikanischen Geschäftsmann und anti-Apartheid Aktivist, der die New African Investment Limited (NAIL) mitführte und die Zeitung nach Ende des Apartheid-Regimes aufkaufen konnte.
Teil der Verhandlungen über eine gemeinsame Machtteilhabe war die Forderung der ANC, dass die SBAC nicht länger Propagandainstrument der NP sein sollte. Dieser Forderung wurde durch ein neues Vorstandsgremium, bestehend aus ANC und NP-Vertreterinnen und einem ANC-Mitglied als Vorsitzenden nachgegangen. Weiße Angestellte wurden durch schwarze ersetzt, 1996 wurden die Sprachen der Fernsehprogramme geändert. Das führte zu einem massiven Rückgang des Fernsehkonsums innerhalb der nicht-schwarzen Bevölkerung, was wiederrum in finanziellen Problemen des SABC mündete.
In der zweiten Phase wandelte sich auch das Zeitungswesen Argus Company, Südafrikas größte Zeitung wurde an die Independent Newspaper in Irland verkauft. Die Perskor-Zeitungen wurden eingestellt, sowie alle alternativen Zeitungen bis auf die Weekly Mail. 1996 wurde SAAN an das National Empowerment Consortium (NEC) übertragen, eine BEE Holding unter Leitung des ANC-Politiker Cyril Ramaphosa.
Mit der hegemonialen Macht des ANC und Mbeki als Präsident wurden die SABC als Medium der ANC. Aus Angst, dass das neu etablierte politische System zerfallen könnte, vernachlässigten die Medien ihre Wächterfunktion und übersahen unerfüllte Versprechen, Korruption oder unerfüllte Aufgaben des ANC. Journalistische Kontrolle und Kritik ging allein von denjenigen Medien aus, die hinter dem ANC standen, wie e.tv und Mail&Guardian.
Der Schabir Shaik-Korruptions- und Betrugsprozess initiierte den Beginn des sich stetig verschlechternden Images des ANC. 2010 verfasste die ANC daher einen Gestzentwurf, der die Freiheit der südafrikanischen Presse massiv beeinträchtigt hätte. Der Gesetzesentwurf sah vor, dass jede Weitergabe von Informationen strafbar sein sollte, die Regierung beliebige Informationen für geheim erklären dürfte und die Geheimdienste ebenfalls ohne Wissen der Öffentlichkeit arbeiten dürfte. Die SABC verlor an Glaubwürdigkeit und hatte weniger finanzielle Mittel für ihr Programm. Drei Ereignisse sorgten dafür, dass die Presse ihre Schonhaltung gegenüber dem ANC ablegte: die Ankündigung Pretoria in Twane umzubenennen, der Beginn der Stromrationierungen, whistle-blowing über Korruption und Regierungsinterna.
Der Schutz-Informations-Gesetzentwurf blieb ein zentrales Thema. Er war stark umstritten, weil er Staatsstellen weitreichende Befugnisse geben würde, Informationen zu klassifizieren und Journalismus unter hohen Strafen zu stellen (bis zu 25 Jahre Haft), wenn „öffentlicher Nutzen“ nicht nachgewiesen wird. Dies wurde von in- und ausländischen Presse- und Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert. Trotz verfassungsrechtlicher Pressefreiheit kam es später wiederholt zu Fällen, in denen Medienschaffende festgenommen oder polizeilich eingeschüchtert wurden, etwa Journalisten, die über Stromdiebstahl oder andere Missstände berichteten.
Aktuelle Entwicklungen im südafrikanischen Mediensystem:
Bei der globalen Rangliste der Pressefreiheit liegt Südafrika auf Platz 27. Die Belästigung von Journalistinnen und Journalistinnen hat in den letzten Jahren in Südafrika zugenommen. Davon sind vor allem Journalistinnen betroffen. Spannungen entstehen vor allem im Rahmen der Berichterstattung über Korruption und Regierungsthemen. Das Vertrauen in die südafrikanischen Medien ist sich in den letzten Jahren gestiegen und mit 81% weit über dem globalen Durchschnitt von 59%. Manche Verlage versuchen mit der Gründung von Fact-Checking Büros dieser Entwicklung entgegenzuwirken. So auch das landesweit größte Medienhaus „News24“.
Südafrika verfügt ebenfalls über eine große Auswahl an Printmedien von Verlagen, wie Naspers, Media 24 und Daily Sun. Auch Südafrikas Medien kämpfen mit sinkenden Printauflagen und einem veränderten Medienkonsum zum Digitalen. Das führt zu Stellenstreichungen und einer weniger diversen Medienlandschaft. Mittlerweile dominieren soziale Medien als primäre Newsquelle.
Regulierungen digitaler Newsräume werden von der Media and Digital Plattform Market Inquiry (MDMI) beobachtet. Dadurch sollen sowohl Marketingstrategien, die gegen den Competition Act verstoßen, als auch Techkonzerne und der unregulierte Content auf Plattformen reguliert werden. Das sorgt dafür, dass Hate Speech, Fake News, Native Advertising und KI-Content als solcher gekennzeichnet wird. Die Empfehlungen der Kommission 2025 verlangen, dass digitale Plattformen ihre Algorithmen fairer gestalten, sodass südafrikanische Medienkanäle gerechte Repräsentation erhalten. YouTube und Meta sollen außerdem höhere Ausgaben an neue Verlage zahlen. 5-10% Steuer fallen für digitales Marketing an, wenn Plattformen diese Anforderungen nicht einhalten. Die Kommission hat außerdem Vorschläge für einen Umgang mit KI-generierten Inhalten und dem Umgang von traditionellen Medien und KI gemacht, wie zum Beispiel Verhandlungen zwischen Verlagshäusern und KI-Konzernen.
Das Interesse an lokalen Medien ist in Südafrika am größten unter den untersuchten Ländern des Reuters Digital News Report im Jahr 2025. Die Association of Independent Publishers und Google haben den Digital News Transformation Fund gegründet und sichern so mit R114m die Nachhaltigkeit und das Bestehen von kleinen, unabhängigen lokalen Verlagen.
Weiterführende Literatur:
Africa Community Media. (o.D.) African Community Media. https://www.acm.co.za
BBC. (2023, 24. Juli). South Africa media guide. https://www.bbc.com/news/world-africa-14094861
Louw, P. Eric. (2017). Die Medienlandschaft und öffentliche Meinungsbildung in Südafrika in Zeiten der Transformation. In D. de la Fontaine et al. (Hrsg.), Das politische System Südafrikas (S. 249–266). https://doi.org.10.1007/978-3-531-19067-9_13
Refworld. Global Law & Policy Database. (2011, 17. Oktober). Freedom of the Pess 2011 –South Africa. https://www.refworld.org/reference/annualreport/freehou/2011/en/83127?utm_source=chatgpt.com
Reporter ohne Grenzen. 2025. Rangliste im Detail. https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste
Roper, Chris. (2023). South Africa. Reuters Institute. Digital News Report 2023, 154–155. https://doi.org.10.60625/risj-p6es-hb13
Roper, Chris. (2024). South Africa. Reuters Institute. Digital News Report 2024, 162–163. https://doi.org.10.60625/risj-vy6n-4v57
Roper, Chris. (2025). South Africa. Reuters Institute. Digital News Report 2025, 166–167. https://doi.org.10.60625/risj-8qqf-jt36
The press council fair. (2025, 10. Mai). South Africas state of press freedom: ‘notable wins; signigficant work remains‘. https://presscouncil.org.za/2025/05/10/south-africa-notable-wins-but-more-significant-work-remains/

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