Was ist Menschenhandel? Teil 1: Definitionen und Anzeichen von Opfern

„Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“ Dies besagt der 4. Artikel der Europäischen sowie der UN- Menschenrechts Konvention.

Trotz der gesetzlichen Verankerung des Verbots von Menschenhandel in fast allen Ländern der Welt, ist der Menschenhandel – oder auch moderne Sklaverei genannt – ein lukratives Geschäftsmodell. Jährliche Berichte von Menschenrechtsorganisationen wie die Walk Free Foundation sowie die International Labour Organization schätzen, dass es weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Fälle von Menschenhandel gibt – Tendenz steigend.

Laut Menschenhandelheute.net sind die Gründe für die ungenauen globale Zahlen und die enorm große Dunkelziffer vielschichtig und gleichzeitig Teil der Schwierigkeit, Menschenhandel nachhaltig zu bekämpfen:

  1. Die Mehrheit der Staaten haben zwar ein Gesetz gegen Menschenhandel, aber sowohl die die Definition von Menschenhandel als auch der Umgang von Polizei und Gerichten unterscheiden sich zum Teil erheblich. So zählt zum Beispiel in manchen Ländern die Zwangsehe zu einer Form von Menschenhandel, in anderen Ländern aber nicht. In anderen Staaten werden hingegen Daten zu Menschenhandel mit Daten über irreguläre Migration oder Prostitution aggregiert bzw. vermischt, so dass verschiedene Sachverhalte anhand nur einer Zahl den Weg in die Statistik finden.
  2. Betroffene von Menschenhandel sind meistens „unsichtbar“, d.h. sie können von den Behörden nicht identifiziert werden. Das Misstrauen gegenüber den Behörden sowie die Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen (wie zum Beispiel Prostituierte) tragen zur Unsichtbarkeit bei.
  3. Die Faktoren zur Identifizierung der Opfer von Menschenhandel ist defizitär. Das typische Bild eines unschuldigen Opfers (Bsp.  sexuell unschuldige Frau, welche Opfer von Sexhandel wird) trägt dazu bei, dass Frauen die zunächst freiwillig ins Sexgewerbe einsteigen und anschließend zur  Zwangsprostitution gezwungen werden, in den Statistiken nicht auftauchen.


Trotz stark unterschiedlicher Zahlen sind sich die verschiedenen Menschenrechtsorganisationen in einem Punkt einig: Menschenhandel ist der weltweit am schnellsten wachsende Kriminalitätsbereich (Siehe Bericht des UNHCR).

Welche Arten von Menschenhandel gibt es?

Die UN definiert Menschenhandel wie folgt: „Menschenhandel ist die Anwerbung, Beförderung, Transport, Beherbergung oder Aufnahme von Menschen durch Gewalt, Betrug oder Täuschung mit dem Ziel, sie zu Gewinnzwecken auszubeuten“. Menschenhandel kann Frauen, Männer und Kinder betreffen und ganz unterschiedliche Formen annehmen:

Zwangsarbeit:

Laut der International Labour Organisation ist Zwangsarbeit die am meisten verbreitete Form der modernen Sklaverei (über 62%).  Am häufigsten betroffen sind dabei häusliche Arbeit (24 Prozent), Baugewerbe (18 Prozent) sowie Produktion und verarbeitende Industrie (15 Prozent).

Kinderarbeit:

Arbeit auf Plantagen, Textilfabriken oder in Haushalten wird von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren verrichtet. Der Verdienst ist entweder sehr gering oder der Lohn wird nicht ausgezahlt. Die Kinder haben in der Regel nicht die Möglichkeit, die Schule zu besuchen, so dass sich die Gefahr, dass sie langfristig Opfer von ausbeuterischen Lebens- und Arbeitsverhältnissen werden, sich noch erhöht.

Sexuelle Ausbeutung:

Von sexueller Ausbeutung sind mehrheitlich (aber nicht ausschließlich) Frauen und Mädchen betroffen. Sie werden gezwungen als Prostituierte zu arbeiten oder aber sexuelle Dienste kostenlos zur Verfügung zu stellen.  Die Ursachen liegen oftmals in Ungleichheits- und Machtverhältnissen sowie fehlender Bildung und Arbeitsmöglichkeit für Frauen und Mädchen. Daraus ergeben sich insbesondere für Frauen Abhängigkeiten, die sich Menschenhändler zu eigen machen.

Schuldknechtschaft:

Die Schuldknechtschaft ist sowohl bei Zwangsarbeit sowie sexueller Ausbeutung ein Instrument der Menschenhändler, um ihre Opfer in Abhängigkeit zu bringen. Finanziell schwache Menschen werden von Unternehmen oder Privatpersonen in eine Schuldenfalle gelockt. Menschenhändler, auch Privatunternehmen – und Personen bieten ihren Opfern an, ihre Schulden abzuarbeiten. Da jedoch die Zinsen zu hoch sind und ihr Verdienst zu gering ausfällt, gibt es keine reellen Chancen auf Tilgung.

Zwangsheirat

In vielen Kulturen wird diese als Tradition verstanden und weiterhin praktiziert. Dabei sind die Oper meistens minderjährige Mädchen, die aus unterschiedlichsten Gründen ohne ihr Einverständnis verheiratet werden.

Erbliche Sklaverei:

Zum Glück nicht mehr weit verbreitet, aber dennoch in verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern verbreitet ist die vererbte Sklaverei. D.h. Menschen werden in die Sklaverei geboren – trotz gesetzlicher Verbote ist die gesellschaftliche Praxis in manchen Ländern weiterhin gegeben, z. B. Mauretanien).

Opfer von Menschenhandel erkennen

Viele Opfer von Menschenhandel bleiben unsichtbar. Laut S-Cape einem Schutzhaus für Opfer von Menschenhandel in Südafrika werden nur 1% der Opfer erkannt und aus ihrer Situation befreit. Wir alle können mithelfen, Opfer zu entdecken. Folgende Punkte können helfen, Opfer von Menschenhandel zu erkennen:

What is human trafficking

Du hast einen Verdacht?
Melde Fälle von verdächtigem Verhalten!

Südafrika: + 27 (0) 800 222777

Deutschland: +49 (0) 8000 116 016

Schweiz:  +41 (0) 840 212 212

Österreich: +43 (0) 677 61343434

Unterstütze Opfer von Menschenhandel in Südafrika!

Unterstütze unsere aktuelle Kampagne für ein Schutzhaus für Opfer von Menschenhandel in Südafrika. Das Schutzhaus bietet insbesondere Opfern von sexueller Ausbeutung einen Schutzort und unterstützt sie dabei, den Teufelskreis aus Armut, Gewalt und Ausbeutung zu durchbrechen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Du möchtest dich im Rahmen eines Freiwilligendienstes oder Praktikums für Opfer von Menschenhandel in Südafrika engagieren?  

Kontaktiere uns für weitere Informationen zur aktuellen Lage in Südafrika sowie eine persönliche Beratung!



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