Praktikum Politikwissenschaften Südafrika

praktikum Politikwissenschaften südafrika

Praktikum Politikwissenschaften Südafrika

Erfahrungsbericht von Nora, Studentin: Praktikum Politikwissenschaften in Südafrika von Januar bis März 2020 

Während ihres Studiums im Studiengang Politikwissenschaften an der Uni Tübingen hatte Nora die Möglichkeit zu einem Auslandspraktikum. Sie wollte ihre Zeit im Ausland nutzen, um sich beruflich zu orientieren und Erfahrungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu sammeln. Ursprünglich sollte ihre Praktikum 12 Wochen dauern – aufgrund der Covid-19 Krise und des damit verbundenen Lockdowns in Südafrika, musste sie ihren Aufenthalt vorzeitig abbrechen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen im Projekt Soziale Arbeit in Kapstadt.

Warum hast du dich für ein Praktikum in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?

Ich wollte eine Auszeit und Inspiration für den weiteren Verlauf meines Studiums. Mein Ziel war es hauptsächlich so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln und neue Leute, Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen. Zudem wollte ich herausfinden, ob ich meine berufliche Laufbahn in die Entwicklungspolitik lenken möchte.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?

Ein typischer Arbeitstag begann um 9 Uhr. Meistens arbeitete ich vormittags mit den anderen Volunteers an verschiedenen Workshops (z.B. Health, Empowerment, …), welche zu bestimmten Terminen abgehalten wurden. Nachmittags ging ich mit Roger und den Kindern von der ‚Aftercare‘ zum Fußball spielen. Ab 16:30 begann Mo-Do das Fußball Training mit Taytin. Allerdings waren die Tage sehr unterschiedlich, da wir häufig Events organisieren mussten oder Ausflüge machten.

Wie hat dir dein Praktikum gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?

Das Praktikum hat vieles für mich verändert. Ich habe beschlossen mein Studium auf den globalen Süden zu fokussieren, ich will auf jeden Fall einige Zeit in einem Land wie Südafrika leben und arbeiten. Die Privilegien, welche man als gebürtige Deutsche besitzt sind mir noch nie deutlicher vorgezeigt worden und meine Perspektive auf viele Dinge hat sich substantiell verschoben.

Insbesondere einen Teil der Corona-Pandemie in SA zu erleben war eindrucksvoll, vor allem hinsichtlich der sozialpolitischen Entwicklung des Landes. Viele meiner Eindrücke konnte ich in verschiedenen Seminaren an der Uni ausgesprochen nützlich unterbringen.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?

Ein Highlight war definitiv der von uns Volunteers organisierte Valentinstag. Es war ein wunderschönes Fest. Für mich persönlich war jeden Tag das Fußball spielen ein großer Spaß, sowie mein Health-Workshop. Mein (für mich so selbstverständliches) Wissen an die Leute weiter zu geben war ein ausgesprochen gutes Gefühl und ich glaube, dass wir besonders mit unseren Corona-Workshops am Ende des Praktikums noch etwas zum Schutz vor der Pandemie beitragen konnten. Schwierig war teilweise herauszufinden, was das Projekt Team von uns erwarteten und welche Ergebnisse sie gerne gehabt hätten. Die Kommunikation war teilweise etwas schwierig.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?

Im großen und ganzen war das Arbeitsklima sehr angenehm, wenig stressig und freundschaftlich. Jeden morgen wurde man überaus freundlich empfangen, nie gab es Ärger, weil man zu spät kam und man ließ uns weitestgehend freie Hand in unserer Arbeit. Dennoch fehlten mir ein wenig genauere Arbeitsanweisungen, da diese oft sehr vage waren und wir nicht genau wussten was von uns verlangt wurde. Teilweise wurden neue Aufgaben sehr kurzfristig angekündigt, und es wurde erwartet, dass wir am nächsten Tag einen Workshop über ein ganz neues Thema abhalten sollten. Andererseits kam es auch vor, dass vorbereitete Workshop auch teilweise abgesagt wurden, was mich persönlich sehr frustrierte. Dies zeigte mir schließlich aber auch, mit welchen Herausforderungen die Organisation von Gemeinwesenarbeit konfrontiert ist.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis von Gemeindeentwicklungsarbeit sowie Jugend- und Sozialarbeit in Südafrika hast?

Ich habe definitiv sehr viel gelernt und beobachtet. Besonders überraschend war für mich die Erkenntnis, wie wichtig Bildung für eine Gesellschaft ist. Bisher hatte ich oft Deutschland für den übertrieben hohen Stellenwert von Bildung kritisiert, aber verstehe nun ein bisschen besser, dass Bildung nicht nur Erziehung und beruflichen Erfolg stark beeinflusst, sondern im großen Stil das Alltagsleben in Bezug auf Gesundheit, Gerechtigkeit und soziale Kontakte. Ich denke, dass das gesunde Aufwachsen von Kindern enorm wichtig ist und viele Kinder dort leider unter Missbrauch, Gewalt, Verbrechen und Unwissen leiden, worunter Gemeinden und die gesamte Gesellschaft leidet.

Ich habe enorm zu schätzen gelernt, in einer Gesellschaft, wie der in Deutschland aufgewachsen zu sein, die Kinder schützt und fördert wie wenig andere. Ich will auf keinen Fall mit meinen gegebenen Privilegien meinen Horizont auf Deutschland und Europa beschränkt lassen und versuchen meinen Teil zur Unterstützung und Entwicklung in armen Ländern wie Südafrika beizutragen.

Hast du das Gefühl, du bist über das Projekt ausreichend informiert und auf deine Erfahrung ausreichend vorbereitet worden?

Ich hatte auf jeden Fall genug Info! Die Vorbereitung war kurz aber ausreichend, um ‚Street-wise‘ zu sein. Ich habe mich zu jeder Zeit sicher und gut betreut gefühlt. Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie war die Betreuung und Euer Engagement sehr hilfreich.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?

Man muss sehr auf seine Wertgegenstände und sich selber aufpassen (besonders nachts und wenn man alleine unterwegs ist). Eigentlich ist es immer am besten zu zweit oder in Gruppen unterwegs zu sein. Gegenstände sollten einem nicht so wichtig sein, man kann auch generell mit weniger als üblich auskommen und zufrieden sein. Man sollten das wertschätzen was man hat. Mobilität ist ausgesprochen wichtig. Wenn ich kein Auto gemietet hätte, hätte ich deutlich weniger erlebt.

Mir ist in meiner Zeit bewusst geworden, dass tatsächlich nur ein ausgesprochen kleiner Teil unserer Welt (finanziell) so gut geht wie uns in Deutschland. Wir sollten unseren Reichtum gut einsetzen und unseren Sozialstaat Gesundheits- und Regierungssystem besser zu schätzen wissen.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?

Mir hat das Land und die gesamte Zeit dort ausgesprochen gut gefallen. Die Landschaft, die Leute und die Stadt sind wundervoll. Dennoch kann ich nicht umhin, große Schwierigkeiten mit manchen Ansichten und Vorkommnissen zu haben. Einige religiöse Ansichten waren für mich schwer nachvollziehbar, sowie die vorherrschend patriarchale Einstellung der Menschen. Vorkommnisse, wie Gewalt, Verbrechen und Missbrauch im Township trafen mich teilweise schwer, genau wie der Umgang mit der Apartheid Vergangenheit, Rassismus und meinem persönlichen (finanziellen) ‚Reichtum‘.

Wie hast du in Südafrika den täglichen Transport zur Arbeit bewerkstelligt? Hattest du während deiner Zeit in Südafrika ein Auto gemietet? Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?

Anfangs habe ich mich vor allem mit Uber in der Stadt fortbewegt. Nach 3 Wochen dann mit eigenem Auto. Mein Tipp: Auf jeden Fall ein eigenes Auto mieten! Eventuell mit jemanden teilen (wie Christina und ich). Mit Uber geht auch viel aber das Auto war einfach gold wert.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit/Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten/Freiwilligen dazu raten?

Bauchtasche mitnehmen und kein teures Handy! Einfach nicht viele Wertgegenstände durch die Gegend tragen. Meinen Haustürschlüssen hatte ich immer mit einem Lederband um den Hals (sehr hilfreich!). Generell einfach den gesunden Menschenverstand einschalten, keine Paranoia haben aber gut auf den persönlichen Besitz aufpassen. Und wieder: ein Auto kann auch hier sehr viel zum Schutz beitragen, ich habe mich nie wirklich unsicher gefühlt. Am besten die einheimischen Kollegen von der Arbeit fragen, wenn man unsicher ist!

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?

Ich habe über AirBnB die Unterkunft gebucht, die ihr mir empfohlen habt. War supernett, angenehme Atmosphäre und hatte (fast) immer nette Mitbewohner von überall her. Würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, wenn man unabhängig sein will.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort:

Ich möchte mich bedanken, dass Ihr das alles für mich möglich gemacht habt. Ich hatte die beste Zeit meines Lebens und würde sie für nichts wieder hergeben. Außerdem ist es so viel wert, dass ich nun weiß, wo mich mein Studium hinführt und was meine beruflichen Ziele ausmacht. In der Corona Krise wurden wir sehr gut betreut und beraten. Auch bezüglich meines Diabetes habe ich mich gut beraten und unterstützt gefühlt. Die Stadttour durch Kapstadt hat mir sehr gut gefallen.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?

Ich fand live&learn ansprechend, weil es sehr unverbindlich und unkompliziert wirkte. Kein großes Unternehmen, was ich gut fand. Antje war gut erreichbar, sehr transparent und realistisch was alles anging (insbesondere bei den Kosten). Ich fand es gut, dass die Unterstützung überwiegend passiv war! Das hat mir viel Unabhängigkeit und Freiheit geboten, auch bezüglich Unterkunft und Auto fand ich das sehr gut. An wichtigen Zeitpunkten (bei der Ankunft am Flughafen, in der ersten Woche, und als die Corona Krise wart Ihr aber doch sehr präsent, was ich super fand. Insgesamt war ich (und auch meine Eltern) sehr zufrieden mit der Entscheidung.

Auslandspraktikum Südafrika Soziale Arbeit

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