Was ist Load Shedding?

Loadshedding Südafrika

Was ist Load Shedding?

In Südafrika sitzen die Menschen oft bei Kerzenlicht – mit Romantik hat das wenig zu tun – vielmehr liegen die Gründe in der südafrikanischen Energiekrise und dem damit verbundenen sogenannten „Load shedding“. Aber was genau ist das, und wie funktioniert es? Wie haben für dich wichtigsten Infos zur Energiekrise sowie zum Loadshedding zusammengefasst.

Load Shedding ist eine Maßnahme zur Verringerung des Stromverbrauchs, bei der die Stromzufuhr in einzelnen Bezirken für einen bestimmten Zeitraum unterbrochen wird. Diese Unterbrechungen sind jedoch im Voraus geplant und für die Öffentlichkeit einsehbar. Der Grund für das Load Shedding ist ein Mangel an verfügbarer Elektrizität im Netzwerk, um sowohl die Nachfrage als auch die Systemstabilität gleichzeitig zu decken: „Load shedding is a controlled way to make sure that the national power grid remains stable.“ (Western Cape Government, 2019).

In Südafrika gibt es verschiedene Stufen des Load Sheddings, auch „Stages“ genannt, die abhängig von der genutzten Kapazität des Stromnetzes sind. Diese Stages bestimmen die Frequenz und Dauer der geplanten Stromabschaltungen. Bei Stage 1 müssen beispielsweise 1000 MW eingespart werden, während bei der höchsten Stage, Stage 8, bis zu 8000 MW eingespart werden müssen. In diesem letzten Fall kann es dazu kommen, dass die Stromversorgung für bis zu 12 Stunden am Tag unterbrochen wird.

Das Load Shedding ist also eine Notfallmaßnahme, um ein komplettes Zusammenbrechen des Stromnetzes zu verhindern, wenn die Stromversorgung nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Es handelt sich um eine kontrollierte Vorgehensweise, um die Stabilität des gesamten Systems zu gewährleisten, obwohl sie natürlich erhebliche Unannehmlichkeiten für die Bevölkerung und die Wirtschaft mit sich bringt.

Was ist Eskom?

Eskom ist ein staatliches Stromversorgungsunternehmen in Südafrika, das im Jahr 1923 gegründet wurde. Es ist der siebtgrößte Stromerzeuger weltweit und betreibt mehrere der größten Kohlekraftwerke der Welt. Das Unternehmen spielt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung Südafrikas, wobei es in den letzten Jahren immer wieder mit finanziellen und organisatorischen Problemen zu kämpfen hatte. Im Jahr 2019 beliefen sich die Schulden von Eskom auf 419 Milliarden Rand.

Im Jahr 2016 wurde das Unternehmen von einem Korruptionsskandal erschüttert, der zum Rücktritt seines damaligen Geschäftsführers Brian Molefe führte. Eskom soll mit der Unterstützung des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma die einflussreiche Gupta-Familie beim Kauf eines Kohlebergwerks bevorzugt haben. Dieses Verhältnis zwischen Zuma und der Gupta-Familie ist allgemein als „State-Capture-Affäre“ bekannt. Dabei soll die Familie großen Einfluss auf die Politik und Wirtschaft Südafrikas ausgeübt haben. Mitglieder der Gupta-Familie werden mittlerweile per Haftbefehl gesucht. Diese Gupta-Affäre ist allerdings nur ein Ausdruck der seit Jahrzehnten anhaltenden Probleme mit Korruption und Verschuldung, die Eskom belasten. Das Unternehmen steht daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit und Integrität unter großem Druck.

Loadshedding South Africa

Die Ursachen der südafrikanischen Energiekrise

Load Shedding ist nicht einfach ein isoliertes Phänomen, sondern vielmehr die Manifestation einer Energiekrise, die bereits seit 25 Jahren absehbar war. Die Wurzeln der Krise reichen zurück zu fehlenden Investitionen in zusätzliche Kapazitäten in den 1990er Jahren. Eskom betreibt seine Kohlekraftwerke, von denen einige noch aus den 1960er Jahren stammen, über der eigentlich zulässigen Kapazität. Diese Überlastung wird durch unzureichend durchgeführte Wartungen und Reparaturen noch verschärft.

Dieser Zustand hat zu zahlreichen Mängeln und Schäden an vielen der Kraftwerke geführt. Es kommt immer wieder zu Ausfällen, und generell ist die Stromproduktion unzureichend. Dies führt zu einem Teufelskreis: Um die Nachfrage zu decken, müssen die Kraftwerke ihre Kapazität noch weiter ausreizen, was wiederum zu mehr Schäden und noch geringerer Zuverlässigkeit führt.

Im Jahr 2005 wurden endlich zwei neue Kohlekraftwerke, Medupi und Kusile, genehmigt. Allerdings war der Zeitrahmen für ihre Errichtung zu kurz bemessen und Korruption beim Bau führte dazu, dass diese neuen Anlagen erhebliche Mängel aufweisen. Sie können die geplante Strommenge nicht erzeugen und sind oft beschädigt.

Inzwischen ist die Situation so prekär, dass Reparaturen nicht weiter aufgeschoben werden können. Einige der älteren Kraftwerke müssen für mehrere Monate vom Netz genommen werden, um dringend benötigte Wartungsarbeiten durchzuführen. Die finanziellen Ressourcen von Eskom wurden weiter durch Korruption und die sogenannte „State Capture-Affäre“ belastet. Hinzu kommen Sabotageakte, die zusätzliche Schäden an den Anlagen verursachen. Diese Sabotageakte stehen oft im Zusammenhang mit Korruption, da involvierte Firmen anschließend Aufträge für die Reparatur der beschädigten Anlagen erhalten.

Ist ein Ende des Load Shedding in Sicht?

Laut dem Energy Council of South Africa könnte das Ende des Load Sheddings bis zum Jahr 2024 in Sicht sein (Energy Council of South Africa 2023). Aktuell werden jedoch immer noch 84% der Energie in Südafrika aus veralteten und kaputten Kohlekraftwerken gewonnen. Demgegenüber steht ein Anteil von nur 8% aus erneuerbaren Energien, was eine Ansatzmöglichkeit zur Beendigung der Energiekrise darstellt (Investec, Daily Maverick, 2023).

Positiv zu vermerken ist, dass Südafrika im Jahr 2023 einen rasanten Anstieg privater Investitionen in Solarenergie verzeichnet. Aktuell werden bereits jährlich 4,4 Gigawatt (GW) aus privaten Solarzellen gewonnen. Zum Vergleich: Im Rahmen des Renewable Energy Independent Power Producers Procurement Programme (REI4P) wurden seit 2011 insgesamt jährlich 6,2 GW erneuerbare Energiekapazitäten außerhalb des privaten Raums geschaffen. Mit der Stromgewinnung aus privaten Solarzellen nähert sich Südafrika dem deutschen Niveau an. In Deutschland wurden 2022 5,8 MW aus privaten Solaranlagen gewonnen (Statistisches Bundesamt, 2022). Dabei zu beachten ist allerdings auch, dass der jährliche Stromverbrauch pro Kopf in Deutschland mit 41.000 kWh etwa doppelt so hoch ist wie der in Südafrika mit 22.000 kWh (Our World in Data, 2022).

Ebenfalls ermutigend ist, dass einige der länger abgeschalteten Kraftwerke wieder ans Netz gehen. Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt es jedoch fraglich, ob der Energiebedarf des Landes wirklich gedeckt werden kann. Die derzeitige Abhängigkeit von veralteten Kohlekraftwerken und die langsamen Fortschritte bei der Integration erneuerbarer Energien stellen nach wie vor erhebliche Herausforderungen dar. In diesem Kontext könnte der Anstieg privater Investitionen in Solarenergie ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und zuverlässigeren Energieversorgung sein. Dennoch wird es entscheidend sein, dass weitere Anstrengungen unternommen werden, um die vorhandenen Kapazitätsprobleme zu lösen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

Weitere Fakten zum Load Shedding in der Provinz Westkap, in der sich auch Kapstadt befindet, findest du in diesem Dokument der Provinz Regierung: Load Shedding Facts – Western Cape

10 Tipps zum Umgang mit Load Shedding findest du hier: Loadshedding Südafrika – 10 Survival Tipps

Aktuelle Infos zur Energiekrise in Südafrika findest du in dieser sehr gernen südafrikansichen Wochenzeitung: Daily Maverick

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