29 Jan. Gesundheitssystem Südafrika – hochwertige medizinische Versorgung für Einheimische, Freiwillige und Reisende
Südafrika ist der Geburtsort der ersten erfolgreichen menschlichen Herztransplantation, die am 3. Dezember 1967 von dem Chirurgen Christian Banaard im Groote Schuur Hospital in Kapstadt durchgeführt wurde. Das Land verfügt über eines der am besten entwickelten Gesundheitssysteme auf dem afrikanischen Kontinent, mit hochmoderner Medizin, international anerkannten Fachärzten und exzellent ausgestatteten Kliniken, insbesondere im privaten Sektor. Grundsätzlich ist das System ähnlich wie in Deutschland aufgebaut und teilt sich in einen öffentlichen und einen privaten Sektor. Ebenfalls gibt es sowohl Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner und Spezialpraxen.
Das Gesundheitssystem Südafrikas ist eines der komplexesten des Kontinents, es ist geprägt von tiefen strukturellen Ungleichheiten (Burchardt, 2017, S. 435), denn während moderner Privatkliniken medizinische Versorgung auf internationalem Spitzenniveau bieten, kämpfen viele staatliche Einrichtungen mit Überlastung und Ressourcenmangel. Die Herausforderungen des Gesundheitssystem gehen vor allem aus den durch Kolonial- und Apartheid erzeugten wirtschaftlichen Ungleichheiten hervor.
Gerade in Großstädten wie Kapstadt, Johannesburg oder Durban ist die medizinische Betreuung oft auf einem Niveau, das mit Europa vergleichbar oder teilweise sogar darüber liegt. In diesem Blogartikel erfahrt ihr alles, was ihr über das Gesundheitssystem in Südafrika wissen solltet.
Das südafrikanische Gesundheitssystem besteht aus zwei parallelen Bereichen dem öffentlichen Gesundheitssystem und dem privaten Gesundheitssystem. Beide Systeme stehen grundsätzlich allen Menschen offen, der Zugang und die Qualität unterscheiden sich jedoch deutlich. Das öffentliche Gesundheitssystem ist kostenlos und kann von allen Menschen in Anspruch genommen werden, unabhängig von Nationalität oder Versicherungsstatus. Das private Gesundheitssystem ist aufgrund der hohen Beiträge in der Regel nur der wohlhabenden Bevölkerung mit privater Krankenversicherung zugänglich. Das staatliche System teilt sich in primäre, sekundäre und tertiäre Versorgung, dabei steht die primäre Versorgung als Grundrecht kostenlos zur Verfügung. Die primäre Versorgung umfasst beispielsweise Impfprogramme, pränatale und postnatale Versorgung sowie die Behandlung akuter oder chronischer Krankheiten. Die ärztliche Versorgung in den ländlichen Regionen Südafrikas wird durch ein obligatorisches Pflichtjahr für Medizinstudierende sichergestellt.
Die sekundäre Behandlung ist kostenpflichtig und wird nach dem Einkommen des Patienten oder der Patientin gestaffelt. Können die Kosten für die Behandlung nicht getragen werden, werden diese über die lokale Verwaltung getragen. Der tertiäre Bereich des staatlichen Gesundheitssystems umfasst die Leistungen der Universitätskliniken.
Die Versorgung ist grundsätzlich kostenlos oder stark subventioniert, jedoch häufig geprägt von Personalmangel, überfüllten Krankenhäusern, langen Wartezeiten, sowie unzureichender Ausstattung in ländlichen Regionen. Trotzdem stellt der öffentliche Sektor die wichtigste Säule der Grundversorgung dar und trägt den Großteil der nationalen Krankheitslast.
Die Krankenversicherung ist, anders als in Deutschland, nicht verpflichtend. Viele Südafrikanerinnen und Südafrikaner haben keine Krankenversicherung und tragen die Kosten ihrer Behandlung selbst. Dies ist auch der Grund, warum der erste Weg bei einer Erkrankung zur Apotheke führt und nur bei langanhaltenden oder schwerwiegenden Symptomen oder Erkrankungen eine Ärztin oder ein Arzt konsultiert wird. Es gibt auch die Möglichkeit einen sogenannten Hospital Plan abzuschließen, sodass größere stationäre Behandlungen abgedeckt sind.
Infektionskrankheiten:
In Südafrika treten Infektionskrankheiten weitaus häufiger auf als in Europa. Dabei stellt vor allem HIV/AIDS das schwerwiegendste Problem dar, gefolgt von Mütter- und Kindersterblichkeit, nichtübertragbare Krankheiten, wie Diabetes, Herzkrankheiten und Krebs sowie Gewalt- und Verkehrsunfälle.
Durch die hohen Infektionsraten von HIV/AIDS ist die südafrikanische Forschung in diesem Bereich sehr gut entwickelt. Südafrika hat eine der umfangreichsten und fortschrittlichsten Programme zur Bekämpfung der Epidemie und konnte bereits einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Behandlungsmethoden der Erkrankung beitragen. Die Forschung zu antiretroviralen Therapien, Präventionsstrategien und sozialen Interventionen hat weltweit Maßstäbe gesetzt. Südafrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Institutionen sind international vernetzt und tragen entscheidend zum globalen Wissensstand bei.
Darüber hinaus hat Südafrika international große Anerkennung für seine schnelle und effektive Genomsequenzierung des SARS-CoV-2-Virus erhalten. Das Land war eines der ersten, das die Omikron-Variante im November 2021 identifizierte und transparent kommunizierte und damit einen entscheidenden Beitrag zur globalen Pandemie-Bekämpfung geleistet. Südafrikanische Forschungslabore verfügen über hochmoderne Technologien und Expertise, die weltweit geschätzt wird.
Privater Sektor:
Ein kleiner, wohlhabender Teil der Südafrikanischen Gesellschaft nutzt die private medizinische Versorgung, die meist über private Krankenversicherungen finanziert wird. Dieser Bereich bietet hochmoderne Kliniken, kurze Wartezeiten, hochqualifiziertes Personal sowie technisch fortschrittliche Diagnostik. Der private Sektor umfasst eine Vielzahl von Privatkliniken und Krankenhäusern, die etwa 20% der Bevölkerung bedienen, aber ca. 60% der Gesundheitsausgaben ausmachen.
Somit wird die Qualität der gesundheitlichen Versorgung abhängig von der finanziellen Lage der Patientin oder des Patienten.
Öffentlicher Sektor:
Im öffentlichen Sektor arbeiten medizinische Fachkräfte oft unter extremen Druck, daher wechseln viele Ärztinnen und Ärzte in den privaten Sektor, weitere Gründe sind eine bessere Bezahlung und stabilere Arbeitsbedingungen.
Die Regierung plant die Einführung einer National Health Insurance, um eine universelle Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Ziel ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern – unabhängig vom Einkommen – Zugang zu qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung zu garantieren. Die Reform ist ambitioniert, aber umstritten aufgrund ihrer Finanzierung, Korruptionsbekämpfung und Verwaltungskapazitäten gelten als größte Herausforderungen.
Neben der Schulmedizin gibt es in Südafrika eine hohe Nachfrage nach traditioneller Medizin. Wurde die traditionelle Medizin zuvor als Hexerei diskreditiert, galt sie nach dem Ende des Apartheidregimes als zentraler Bestandteil des nationalen Gesundheitssystems.
Die dezentralen Tageskliniken in Südafrika nehmen ausschließlich ambulante Patientinnen und Patienten auf. Die Behandlung ist vergleichbar mit einem Hausarztbesuch. Bei Bedarf werden die Patientinnen und Patienten an größere Klinken verwiesen.
In Kapstadt gibt es mehrere bedeutende Kliniken und Krankenhäuser, die sowohl öffentliche als auch private medizinische Versorgung anbieten. Laut verfügbaren Daten gibt es in Kapstadt über 20 größere öffentliche Krankenhäuser und eine Vielzahl von kleineren Gesundheitszentren sowie rund 30 bis 40 private Kliniken und Krankenhäuser. Darüber hinaus gibt es in Kapstadt zahlreiche weitere spezialisierte Kliniken, etwa für Herzchirurgie, und eine gute Infrastruktur für medizinische Versorgung, die auch deutschsprachige Ärzte umfasst.
Private Krankenhäuser in Kapstadt:
Netcare Christiaan Barnard Memorial Hospital ist ein weiteres großes und renommiertes Krankenhaus in Kapstadt, benannt nach dem berühmten Herzchirurgen Christiaan Barnard. Es bietet moderne medizinische Versorgung in verschiedenen Fachbereichen.
Life Kingsbury Hospital ist ein privates Krankenhaus mit 226 Betten, mehreren Operationssälen und spezialisierten Intensivstationen, darunter auch eine Neonatologie-Intensivstation. Es ist für seine multidisziplinäre Versorgung bekannt.
Mediclinic Panorama zählt zu den führenden privaten Krankenhäusern in Kapstadt und ist Teil der größeren Mediclinic International Gruppe. Dieses Krankenhaus bietet umfassende medizinische Dienstleistungen in einem modernen Umfeld.
Öffentliche Kliniken und Universitätskliniken in Kapstadt:
Groote Schuur Hospital ist das Universitätsklinikum der University of Cape Town (UCT) und eines der wichtigsten öffentlichen Krankenhäuser in Kapstadt. Es wurde 1938 gegründet und ist eines der größten Krankenhäuser der Region. Bekannt wurde es auch durch die weltweit erste erfolgreiche Herztransplantation. Es ist bekannt für seine umfassende Versorgung und Forschung, insbesondere in der Chirurgie und Transplantationsmedizin.
Tygerberg Hospital ist das größte öffentliche Krankenhaus in der Region und das Universitätsklinikum der Stellenbosch University. Es versorgt einen großen Teil der Bevölkerung der Westkap-Region und ist spezialisiert auf komplexe medizinische Fälle und Ausbildung.
Beide Universitätskliniken, Groote Schuur und Tygerberg, spielen eine wichtige Rolle in der Ausbildung von medizinischem Personal und der Versorgung komplexer Krankheitsbilder.
White Saviorism:
Auch im Hinblick auf das südafrikanische Gesundheitssystem zeigen sich häufig bewusste oder unbewusste Überlegenheitsgefühle von Personen, die nach Südafrika reisen. Das Überlegenheitsgefühl des globalen Nordens gegenüber dem südafrikanischen Gesundheitssystem ist ein Produkt historischer Machtverhältnisse, wirtschaftlicher Ungleichheit und kultureller Vorurteile. Es zeigt sich in der Bewertung, Kommunikation und Zusammenarbeit und birgt die Gefahr, lokale Akteure zu marginalisieren. Das Überlegenheitsgefühl des globalen Nordens ist oft durch stereotype Vorstellungen und unvollständige Wahrnehmungen geprägt. Südafrika besitzt ein hochentwickeltes, innovatives und weltweit anerkanntes Gesundheitssystem, das in vielen Bereichen sogar Vorbildcharakter hat. Die globale Gesundheit profitiert stark von südafrikanischer Expertise und Forschung. Ein respektvoller, gleichberechtigter Austausch auf Augenhöhe ist daher nicht nur gerecht, sondern auch essenziell für nachhaltige Fortschritte.
Gesundheitsversorgung für Freiwillige & Touristen in Südafrika:
Mit einer Auslandskrankenversicherung haben Freiwillige und Reisende problemlos Zugang zum privaten Gesundheitssystem. Die Arztbesuche müssen zunächst selbst bezahlt und nach dem Termin bei der Krankenversicherung für die Rückerstattung eingereicht werden. Bei größeren Behandlungen im Krankenhaus, die du nicht selbst bezahlen kannst, wird das Krankenhaus sich von deiner Versicherung bestätigen lassen wollen, dass die Versicherung die Kosten übernimmt. Damit das Krankenhaus sich dies bestätigen lassen kann, benötigst du deine Versicherungsnummer sowie Notfallnummern deiner Auslandskrankenversicherung. Bitte beachte, dass manche Versicherungen bei nicht lebensnotwendigen Operationen oder größeren Behandlungen vorab benachrichtigt werden wollen und die Behandlung vorab genehmigen müssen, damit sie den vollen Behandlungspreis erstatten.
Vor der Abreise solltest du dich unbedingt informieren, welche Leistungen von der Versicherung abgedeckt werden, welche Behandlungen du dir vorab genehmigen lassen musst, welche Unterlagen für die Erstattung benötigt werden und ob ggf. bestimmte Kliniken empfohlen werden.
Bitte speichere dir auch unbedingt die Notfallnummer deiner Versicherung sowie deine Versicherungsnummer ab und teile sie auch dem live&learn Team mit, damit es dich in einem Notfall unterstützen kann. Am besten legst du in dein Telefon oder Geldbörse auch eine Notiz mit den Kontaktdaten deiner Versicherung. Dies ist wichtig, damit die Rettungssanitäter in einem Notfall,
Wissen, ob eine Versicherung vorliegt und ob du sie dich in einem Privatkrankenhaus oder einem öffentlichen Krankenhaus einliefern.
Arzttermine im Ausland:
Wenn du während deines Auslandsaufenthaltes einen Arzttermin brauchst, gehst du wie folgt vor.
- In unserem Kapstadt-Guide haben wir Ärztinnen und Ärzte aufgelistet, darunter auch ein paar deutschsprachige. Suche dir die oder den passenden raus.
- Überprüfe den Leistungsumfang deiner Auslandskrankenversicherung.
- Die Behandlung musst du zunächst selbst zahlen, achte darauf, dass dein Konto ausreichen gedeckt ist. Das Geld wird dir später von deiner Versicherung erstattet.
- Die Rechnung kannst du anschließend bei deiner Versicherung einreichen. Meist über ein Online-Formular. Achte darauf, dass auf deiner Rechnung folgende Daten enthalten sind:
- Name der behandelnden Person
- Diagnose
- Art der ärztlichen Leistung
- Kosten
Auch Laborrechnungen und Rezepte sind nur mit der einer Arztrechnung inklusive Diagnose erstattungsfähig.
- In dem Erstattungsformular gibt du die Kontodaten des Kontos an, auf das die Erstattung erfolgen soll
Quellen:
Burchardt, Mariam. (2017). Gesundheitspolitik in Südafrika: Demokratisierung, Transnationalisierung und Klientelismus. In D. de la Fontaine et al. (Hrsg.), Das politische System Südafrikas (S. 435–454). https://doi.org.10.1007/978-3-531-19067-9_22
Coovadia, Hoosen et al. (2009, 5. September). Health in South Africa 1. The health and health system of South Africa: historical roots of current public health challenges. The Lancet (374), S. 817–834.
Gödde et al. (2005). Medizin im Ausland. Springer Verlag.
Kautzky, Keegan. Tollman, Stephen M. (2008, Januar). A perspective on Primary Health Care in South Africa: Primary Health Care: in Context. South African Health Review (1), S. 17–30. https://journals.co.za/doi/10.10520/EJC35514

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