14 Aug. Erfahrungsbericht: Ressourcenmanagement Praktikum Kapstadt
„Während der gesamten zwei Monate habe ich mich von der gesamten Community herzlich aufgenommen gefühlt, und genau aus diesem Grund war die Zeit auf der Farm für mich etwas ganz Besonderes. Es handelt sich nicht nur um eine Gemüsefarm, sondern vielmehr um ein Gemeinschaftsprojekt, das den Menschen vor Ort einen sicheren Ort bietet und gleichzeitig einen positiven Beitrag leistet. Somit konnte ich in dieser Zeit nicht nur viel über städtische Landwirtschaft lernen, sondern auch über die Gestaltung von Gemeinschaftsprojekten mit großem sozialem Impact.“
Erfahrungsbericht von Manuela, Studentin: Ernährungssicherheit und Ressourcenmanagement in Kapstadt – April bis Mai 2025
Im Rahmen ihres Masterstudiums Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement and der TU Dresden hatte Manuela die Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Sie entschied sich für die Mitarbeit in einem städtischen Landwirtschaftsprojekt, das einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit und sozialen Entwicklung in einem Vorort von Kapstadt leistet.
Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen:



Meine Aufgaben
Meine Tätigkeiten auf der Farm während meines Praktikums waren sehr vielfältig und einen klaren Tagesablauf gab es kaum. Eine meiner Aufgaben war die Unterstützung der Gärtner bei der Vorbereitung der Felder, beim Einsähen der neuen Setzlinge, der allgemeinen Pflege der Felder sowie bei der Ernte.
Hierbei wurde vor allem der Fokus auf den Zustand des Bodens gelegt, um eine möglichst erfolgreiche Ernte zu erzielen. Besonders im Sommer stellt die Wasserversorgung eine Herausforderung dar, da die Farm rein aus Regenwasser bewirtschaftet wird und die Niederschlagssumme in den Sommermonaten sehr gering ist. Auf dem Gelände der Farm befindet sich ein kleiner Fluss, welcher allerdings durch das gegenüberliegende Township Imizamo Yethu und das dort herrschende Müllentsorgungsproblem stark verschmutzt ist. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Non-profit Organisation Friends of the Rivers of Hout Bay, welche sich für das langfristige ökologische Gleichgewicht der lokalen Flüsse einsetzt, wurden auf dem Gelände von Love in a Bowl verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen, invasive Arten zu entfernen und den Fluss ökologisch zu regenerieren, um das Wasser nachhaltig nutzen zu können. … Eine weitere Aufgabe im Rahmen meines Praktikums war es bei der Pflege des Flusses mitzuhelfen und vor allem den Fluss für den kommenden Winter mit hohen Niederschlagssummen und einer damit einhergehenden hohen Gefahr vor Überschwemmung abzusichern.
Ein weiteres Aufgabenfeld war die Mithilfe bei der Ernte für die Lieferungen. Hierbei wurde die Ernte zunächst gründlich gewaschen und vorbereitet, um anschließend die bestellte Menge in Bündel abzuwiegen und teils zu verpacken. Täglich wurden die vorzubereitenden Bestellungen zu Beginn des Arbeitstages zusammengefasst und auf die Mitarbeitenden aufgeteilt. Sobald die Bestellungen fertig erstellt wurden, wurden diese direkt an die gewünschten Lieferadressen ausgeliefert.
Jeden Montag wurden im Wochentakt abwechselnd an jeweils 14 Kindergärten in die Townships in Imizamo Yethu sowie Hangberg ausgeliefert. Zu meinen Aufgaben gehörte hierbei das selbstständige Ausliefern an die Kindergärten und die Datenpflege der verarbeiteten Lebensmittel durch die Küchen der Kindergärten. Hierbei wurde dokumentiert wie viele Kinder durch das gelieferte Gemüse ernährt werden konnten.
Um gegen die Ernährungsunsicherheit vorzugehen, wurde jeden Freitag auf der Farm gekocht und anschließend das Essen in Imizamo Yethu an Kinder und junge Erwachsene serviert. Das sogenannte „Community Cook up“ ist eine von Tjarla Norton ins Leben gerufen Initiative und basiert auf Spendenbasis sowie auf der Verwendung von dem auf der Farm angebauten Gemüse. Das Community Cook up ist nicht nur ein Schritt, um der Ernährungsunsicherheit entgegenzuwirken, sondern bietet vielen jungen Erwachsenen aus Imizamo Yethu eine Möglichkeit aus ihrem Alltag herauszukommen und sich in einem sicheren Umfeld für ihre Community einzusetzen und einen relevanten Beitrag zu leisten. Teil des Community Cook up waren junge Erwachsene, welche aktuell ihr Studium auf Grund fehlender finanzieller Mittel pausieren, aktuell arbeitssuchend sind oder teilweise bereits Mitarbeitende der Farm sind.
Weitere Aufgaben während meines Praktikums waren jegliche Arbeiten, welche täglich angefallen sind. Dazu gehörten kleinere Reparaturen auf dem Gelände der Farm, die Neugestaltung der Farm durch das Erstellen neuer Schilder und Wegweiser. Außerdem war die ständige Pflege der Kompostfläche und die Neugestaltung des Fruchtgartens eine weitere Aufgabe.



Herausforderungen, Highlights und Lessons Learned
Zu Beginn des Praktikums wurde ich vor einige Schwierigkeiten gestellt. Eine neue Kultur, fremde Menschen, teilweise Kommunikationsschwierigkeiten auf Grund der gesprochenen elf Landessprachen in Südafrika waren für mich sehr herausfordernd. Ich musste mich zunächst einfinden und mich daran gewöhnen, dass auch die Arbeitsweise sehr anders als gewohnt war. Es gab keine klare Struktur und Arbeitseinteilung und ich musste aus mir herauskommen, um mich in die Community einzubringen.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten war das Praktikum für mich besonders prägend und eine lehrreiche Erfahrung. Nach einigen Wochen wurde ich als fester Bestandteil der Community aufgefasst und ich hatte mich in die Arbeit eingefunden. Zunächst konnte ich praktische Erfahrungen sammeln, was eine nachhaltige städtische Landwirtschaft angeht und einiges an theoretischem Wissen, wie beispielsweise die Flussrenaturierung, in der Praxis miterleben. Die Arbeit auf dem Gelände hat mir somit ermöglicht, theoretische Erkenntnisse aus dem Studium in einem realen, sozial und ökologisch komplexen Kontext praktisch anzuwenden und zu reflektieren.
Das Projekt stellte für mich außerdem ein sehr lehrreiches Praxisbeispiel für eine nachhaltige Raum- und Flächennutzung dar, da ehemals brachliegende oder ungenutzte Flächen durch gezielte, kleinstrukturierte Permakultur in produktive und gemeinschaftlich genutzte Räume überführt werden konnten. Diese Form der partizipativen Raumentwicklung ist ein Modell, welches sich mit den theoretischen Konzepten der integrativen Stadt- und Regionalentwicklung aus dem Studium verbindet. Außerdem war eine enge Verknüpfung der Naturressourcennutzung zentral für mich während des Praktikums. Die Arbeit mit organischem Kompost, das gezielte Einsetzen der Wasserquellen und die Umsetzung der Zero – Waste – Prinzipien waren praktische Einblicke in die nachhaltige Ressourcenwirtschaft für mich.
Besonders geprägt hat mich allerdings die Integration von Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebenshintergründen als bisher bekannt. Viele Mitarbeitende haben mit besonderen Herausforderungen, wie beispielsweise Suchterkrankungen oder häuslicher Gewalt zu kämpfen und finden durch die Arbeit im Projekt nicht nur Stabilität, sondern auch neuen Lebensmut und Anerkennung. Die Zusammenarbeit mit den Einheimischen war für mich deshalb sehr bereichernd und hat meinen Blickwinkel sehr geöffnet. Trotz der Lebensumstände waren die Menschen extrem herzlich und lebensfroh und der Zusammenhalt als Community besonders stark.
Insgesamt steht das Projekt exemplarisch für eine integrative, nachhaltige und soziale Form der Landwirtschaft, die nicht nur Nahrung produziert, sondern auch Hoffnung, Bildung und Gemeinschaft stiftet. Für mich war es inspirierend zu erleben, wie sehr gemeinschaftliches Engagement – auch mit begrenzten Mitteln – das Leben vieler Menschen konkret verbessern kann. Das Projekt verbindet ökologische Verantwortung, soziales Handeln und unternehmerisches Denken auf beeindruckende Weise und stellt damit ein zukunftsweisendes Modell für nachhaltige Entwicklung dar.




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