Freiwilligendienst Kunstpädagogik

Erfahrungsbericht von Marla, Künstlerin und Kunstpädagogin: Freiwillige in einem Township Kindergarten und einem Projekt der Stadtteilarbeit von März bis Mai 2018.

Marla studierte Kunst und Pädagogik an der UNI OSNABRÜCK. Nach Abschluß ihres Studiums wollte sie sich sozial engagieren und gleichzeitig einschlägige berufliche Erfahrungen im außereuropäischen Ausland sammeln. Im Rahmen ihres Freiwilligendienstes entwickelte sie zusammen mit Frauen und Jugendlichen aus dem Stadtteil Vrygrond einen Barfuß-Weg für Kinder mit motorischen Störungen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.

 

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?

Schon seit meiner Grundschulzeit träumte ich davon, als Entwicklungshelferin nach Afrika zu gehen, um Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen zu unterstützen. Ich wollte eine andere Kultur kennenlernen und meine freiwilligen Hilfe sowie meine Unterstützung im sozialpädagogischen Bereich in Südafrika, Kapstadt, anbieten.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Im Kindergarten-Projekt gab es einen klaren, regelmäßigen Tagesablauf, der aus Frühstück, Spielen, Lernen und Mittagessen bestand.
Im zweiten Projekt (Gemeindeprojekt) war ich als Kunstpädagogin selbstständig aktiv und organisierte gemeinsam mit weiteren Teilnehmer*innen aller Altersstufen (Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Frauen) der Foundation ein Kunstprojekt. Besonders unterstützt wurde ich von Lydia, einer weitere Freiwilligenhelferin. Anlass und Motiv des Projekts war ein kleines Mädchen mit besonderen Bedürfnissen (u.a. (fein-) motorische Beeinträchtigungen), namens Cloey. Ich habe sie kennengelernt und direkt ins Herz geschlossen. Sie strahlte sehr viel Freude, Energie und Stärke aus. Ich wollte speziell für körperlich-benachteiligte Kinder einen Barfuß-Pfad anlegen sowie Fühlsäckchen gestalten, um die Sinneswahrnehmung zu fördern. Da auch „Müllproduktion“ im Township einen wichtigen Stellenwert einnimmt, setzen sich Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Frauen mit Natur, Sinneswahrnehmung, Recycling und Müllproduktion auseinander. Das Ergebnis des Projektes war ein inklusiver Kunstgarten, der die Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit der Foundation symbolisiert.

Des Weiteren war ich bei Hausbesuchen und in der Betreuung des After-Care-Clubs tätig, somit gestaltete ich jeden Tag für mich zunächst individuell.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Mir hat die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen besonders viel Spaß und Freude bereitet. Ich habe versucht, ihnen vor allem Zeit zu schenken. Gerne würde ich bei einem weiteren Projekt ziel- und ressourcenorientierter arbeiten. Besonders wichtig ist es, die pädagogischen Fachkräfte vor Ort als „Profis“ zu betrachten und gemeinsam mit ihnen Ziele zu erreichen.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Besonders gefallen hat mir der Aufenthalt in Strand. Ich wohnte mit mehr als zehn weiteren Mädchen*/Frauen* in einer Wohnung. Diese Erfahrung war großartig. Gemeinsam unternahmen wir tägliche Freizeitaktivitäten, und niemand wurde dabei ausgeschlossen. Das war mir sehr wichtig!

Während meines Aufenthaltes war es für mich allerdings immer wieder schwierig und zweifelhaft, meine Freizeitaktivitäten genießen zu können. Ich empfand es als unfair, so zu leben, wie ich persönlich eben leben darf und kann. Dass ich zufällig in Deutschland geboren wurde und es als selbstverständlich ansehe, einen leichteren Zugang zu Bildung, Beruf und Sicherheit habe. Ich habe mit meinen Mitbewohnerinnen* oft über meinen innerlichen Zwiespalt gesprochen und über entsprechende Handlungskompetenzen diskutiert. Gewalt, Drogen, HIV, Missbrauch, Vergewaltigung und fehlende Sicherheits- und Sozialkonzepte sind keine Einzelfälle im Township, sondern die Realität. Für Freiwilligenhelfer*innen ist es sicherlich ein Vorteil, sich schon vorab detailliert mit spezifischen Themenfeldern und Problematiken auseinanderzusetzen. Für mich war es enorm wichtig, mein Leben in Deutschland kritisch zu beurteilen und neue Lebensstrukturen aus diesen Überlegungen abzuleiten.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das Arbeitsklima in meinem ersten Projekt (Kindergarten) war sehr schön und familiär. Ich wurde täglich mit Umarmungen der Kinder und Arbeitskolleginnen* begrüßt. Ich fühlte mich sehr wohl.

Die Kommunikation innerhalb der Foundation (zweites Projekt) stellte sich zunächst als schwierig heraus. Spezifische Organisationsstrukturen und Kommunikationsebenen waren in der Foundation vorhanden und ich fühlte mich zunächst nicht wohl. Antje und meine Gastfamilie unterstützen mich in dieser Zeit und somit konnten einige Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten reduziert werden.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Aufenthalt in Südafrika bunt, aufregend, neu und enorm wichtig für meine persönliche Entwicklung war. Mein Leben und vor allem mein Konsumverhalten hat sich entsprechend gewandelt. Ich engagiere mich nun in Deutschland für Klimagerechtigkeit, soziale Ungleichheiten, lebe sparsamer, reduziere meinen Plastikverbrauch und möchte in naher Zukunft eine Kunstausstellung organisieren, um für Armut in Südafrika und Klimaschutz zu sensibilisieren. Gerne würde ich wieder zurückkehren, um ein weiteres Kunstprojekt in Townships umzusetzen.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
„In Strand“ war es kein Problem draußen allein Sport zu machen oder einkaufen zu gehen. In Muizenberg haben wir unterschiedliche Erfahrungen mit Kriminalität gesammelt. Das Wohnhaus war allerdings durch eine sehr gute Sicherheitsanlage geschützt. Auch diese Erfahrung bewerte ich als sehr wertvoll. In Deutschland schätze ich es nun sehr, allein Besorgungen erledigen zu können und spazieren zu gehen, dies war in Muizenberg nicht zu empfehlen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
In Muizenberg lebte ich bei einer Familie und auch dies war für mich eine wertvolle persönliche Bereicherung. Wichtige Ressourcen, wie z.B. Wasser wurden streng aufgeteilt und wiederverwendet. Ich habe den Eindruck, dass ich durch meine Gastfamilie die südafrikanische Kultur noch mal aus einer intimeren Perspektive kennenlernen durfte. In The Strand lebte ich in einer WG mit mehr als zehn Frauen. Dies war sehr positiv und angenehm! Ich habe heute noch mit vielen Freiwilligenhelfer*innen Kontakt, die zu guten Freundinnen geworden sind.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Antje und Patricia konnten immer sehr gute Tipps zu Reisemöglichkeiten und Freizeitaktivitäten geben. Patricia hat immer Angebote für uns gebucht, das war toll!

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? War das Team auch in Kapstadt gut erreichbar?
Die Zusammenarbeit mit live&learn war problemlos und toll organisiert. Vor Ort war immer jemand zu erreichen. Dies gab mir im Vorfeld und während des Aufenthaltes ein gutes Gefühl!

 

Möchtest du mehr über den Freiwilligendienst Kunstpädagogik in Südafrika erfahren?

Eine Projektbeschreibung für die Mitarbeit im Gemeindeentwicklungsprojekt findest du unter dem Link Soziale Arbeit Kapstadt.

Weitere Einsatzmöglichkeiten für (Kunst-) Pädagogen sowie Sonder- und Heilpädagogen findest du unter dem Link  Freiwilligenarbeit Soziales und Bildungsowie unter dem Link Medizin und Therapie.



Du möchtest mehr über Freiwilligenarbeit, Praktika, Sabbaticals, Reisen oder Sprachkurse in Südafrika erfahren?
Share This