Freiwilligenarbeit Sonderpädagogik

Freiwilligenarbeit Sonderpädagogik

Erfahrungsbericht von Miriam, Absolventin Studiengang Sonderpädagogik – Freiwillige im November und Dezember 2018

Miriam engagierte sich nach Abschluss ihres Sonderpädagogik Studiums an der PH-Ludwigsburg in einer Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Somerset West bei Kapstadt.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen im Projekt:

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Nach meinem Sonderpädagogikstudium und vor dem Beginn meines Referendariates wollte ich mir einem Traum erfüllen und in einer Einrichtung für körperbehinderte Kinder/ Jugendliche in Afrika mitarbeiten. Da ich in einem afrikanischen Land arbeiten wollte, in dem ich mich gut auf Englisch mit den Einheimischen verständigen kann und welches auch zum Reisen gut geeignet ist, ist meine Wahl schnell auf Südafrika gefallen.
Ich wollte sehen, wie dort mit Menschen mit körperlichen (und auch geistigen) Beeinträchtigungen umgegangen wird und welche Förderungs- und Bildungsmöglichkeiten es für diese Kinder gibt.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Ich war fünf Tage die Woche, immer vormittags in der Einrichtung. Morgens habe ich das Pflegepersonal bei der Frühstücksausgabe unterstützt. Den restlichen Vormittag habe ich der Lehrerin beim Unterrichten assistiert, oder habe Schüler einzeln unterrichtet. Auch bei Gruppenaktivitäten wie Musizieren, Spazierengehen, Reiten oder Backen war ich dabei. Auch bei der Ausgabe des Mittagessens habe ich dem Pflegepersonal wieder geholfen.
Da es in der Einrichtung für die ca. 15 Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsenen nur eine pädagogische Fachkraft gibt, gab es immer genug zu tun, um die Lehrerin zu unterstützen.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Ich habe einen guten Eindruck darüber bekommen, wie in Südafrika mit Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen umgegangen wird. Und vor allem, wie die finanzielle Situation in diesem Bereich aussieht. Es gibt für Schulen und für Eltern keine finanzielle Unterstützung (weder vom Staat noch von Krankenkassen, wie es in Deutschland der Fall ist). Es hat mich sehr beeindruckt, wie trotz der eingeschränkten finanziellen Mittel das Beste aus der Situation gemacht wird. Der Respekt und die Liebe, die den Kindern und Jugendlichen in der Einrichtung entgegengebracht wird, hat mich sehr beeindruckt.
Es war spannend für mich zu sehen, wie die Lehrkraft ihren Unterricht aufgebaut und gestaltet hat. Auch hier konnte ich große Unterschiede zur pädagogischen Arbeit und zum Unterricht in Deutschland feststellen.
Mir ist jedoch auch aufgefallen, dass die pädagogische Ausbildung, die in Deutschland / Europa für Lehrkräfte als selbstverständlich angesehen wird, etwas Besonderes ist.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
An einem Vormittag hatte ich die Möglichkeit, eine Lehrkraft, die Einzelförderung mit den zwei stark autistischen Schülern macht, bei ihrer Arbeit zu begleiten. Wir sind einzeln mit den Kindern in einen Park gefahren, wo sie mir vieles über die Kinder und deren Entwicklung erzählt hat, was mich nachhaltig beeindruckt hat.
Die Räumlichkeiten der Schule waren eher klein und die Hilfsmittelausstattung der Schüler war sehr überschaubar. Zu wissen, welche Möglichkeiten es in Deutschland für die einzelnen Schüler geben würde (Rollstuhlversorgung, Talker-Ausstattung…), war nicht immer einfach für mich.
Die Einrichtung ist ein Heim, die Kinder und Jugendlichen gehen also nachmittags nach dem Unterricht nicht nach Hause, sondern sie wohnen in der Suche/Einrichtung. Es gibt für sie nur sehr wenige Möglichkeiten die Einrichtung zu verlassen. Wenn die Eltern die Kinder nicht gelegentlich besuchen oder abholen, verlassen einige von ihnen das Grundstück für Wochen nicht.
Das Center liegt weniger als 30 Minuten mit dem Auto vom Meer weg, jedoch gibt es nicht genug Personal und auch keine geeigneten Transportmittel für die Kinder, um mit ihnen einen Ausflug an den Strand zu machen. Zur wöchentlichen Reitstunde fahren die Kinder mit den Privatautos der Mitarbeiter, in denen es keinen Platz für Rollstühle gibt.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das Arbeitsklima war positiv, im Team habe ich mich wohl gefühlt. Hätte es Probleme gegeben, hatte ich jeder Zeit zur Leiterin der Einrichtung gehen können.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika sowie aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen hast?
Mir wurde deutlich vor Augen geführt, dass die finanzielle Situation der Schulen in Deutschland sowie die aufwendige pädagogische Ausbildung nicht selbstverständlich ist. Dies kann ich nach meiner Zeit in Südafrika viel mehr schätzen.
Eine Schulpflicht für ALLE Kinder, wie in Deutschland, gibt es in Südafrika nicht. Die meisten Schulen kosten Geld.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Die gesellschaftlichen Folgen der Apartheit sind in Südafrika immer noch sehr deutlich zu spüren, das hat mich sehr bewegt und beschäftigt.
Landschaftlich hat mich das Land sehr beeindruckt. Das Meer, die Flora, die Fauna und auch die Berge waren faszinierend. Das Meer direkt vor die Haustür zu haben war etwas sehr besonderes für mich. Vor allem die Naturschutzgebiete und wie Wildtierreservate haben mir sehr gut gefallen. Ich kann jedem nur empfehlen, noch genug Zeit zum Reisen einzuplanen.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Zu Beginn was es merkwürdig, dass man bei Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus gehen sollte.
Die Menschen in Südafrika sind sehr freundlich und hilfsbereit, das war toll.

Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Ich wurde jeden Morgen zur Einrichtung gefahren, das war super. Währende der Fahrt hatte man auch immer Gelegenheit sich mit Patricia, unserer Ansprechpartnerin für alle Fragen und Probleme, auszutauschen.
Am Wochenende haben wir uns meist mit 3-5 Personen einen Mietwagen genommen, das ist die beste Möglichkeit flexibel die Umgebung von Kapstadt zu erkunden. Für kürzere Fahrten zu einem Restaurant oder zur Shoppingmall kann man sich gut ein Uber bestellen.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Ich habe mich nie besonders unwohl oder bedroht gefühlt. Gut ist es immer, wenn man beispielsweise nicht alleine zum Geldautomaten geht. Aber wenn man sich vernünftig verhält und aufmerksam ist, ist Südafrika meiner Meinung nach nicht gefährlicher als Südfrankreich oder Italien.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe in einer Wohnung in Stand mit bis zu elf anderen Freiwilligen aus Deutschland und der Schweiz gewohnt.
Die Gemeinschaft in der Wohnung mit den anderen Freiwilligen war toll, auch wenn es natürlich nicht immer ganz einfach ist, sich mit bis zu elf anderen eine Küche zu teilen. Aber für die Zeit in Südafrika war es klasse, dass man immer jemanden gefunden hat, der etwas mit einem unternehmen wollte.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Ich hatte nach meinem Aufenthalt in Stand noch vier Wochen zum Reisen eingeplant. Meine Familie hat mich dabei begleitet. Sehr empfehlen kann ich vor allem die verschieden Parks mit den wilden Tieren (Addo Elephant Park, Hluhluwe und die Parks um St. Lucia), sowie die Drakensberge.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? War das Team auch in Kapstadt gut erreichbar?
Ich war mit der Betreuung sehr zufrieden, alle meine Fragen konnten stets beatwortet werden. Auch für meine Freizeitplanung habe ich viele gute Tipps bekommen.

Die Betreuung durch Patricia am Einsatzort: Was hat Dir gefallen? Wurdest Du gut/ausreichend betreut?
Patricia war super, sie hat mit allen wichtigen Sachen gleich zu Beginn erklärt, war immer gut gelaunt und sehr hilfsbereit. Sie hat uns stets unterstützt und viele Tipps gegeben. Ich habe mich sehr wohl gefühlt.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Es war nicht einfach eine kleine Organisation zu finden, die mir vertrauenswürdig erschien und die ein Projekt mit Kindern mit Körperbehinderung angeboten hat. Ich bin sehr zufrieden mit allem. Vielen Dank!! Es wäre toll gewesen, wenn ich die Informationen über euch bei unserem Auslandsamt unserer Hochschule gefunden hätte.



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