Die dunkle Seite des Löwenschutzes

Die dunkle Seite des Löwenschutzes

Tierschutz Afrika FreiwilligenarbeitIm Internet findet man viele verzückende Bilder von Menschen, die auf Kuschelkurs mit Löwen(-babys) gehen. Kuscheln mit Raubtieren? Ist das möglich? Und macht das Sinn?

In ganz Afrika gibt es Anbieter, die Kuscheln mit Löwenbabys, oder Spaziergänge mit ausgewachsenen Löwen anbieten – entweder wird dies als ein besonders spannendes touristisches Erlebnis angepriesen, oder aber als einmalige Erfahrung für freiwillige Helfer, die sich für den Tierschutz auf dem afrikanischen Kontinent einsetzen möchten. Freiwilligen wird vermittelt, dass sie helfen, verwaiste Löwenbabys groß zu ziehen und damit einen wichtigen Beitrag für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Löwen in Afrika leisten. Auch wenn es stimmt, dass die Populationen des Löwen auf dem afrikanischen Kontinent, insbesondere in Zentral- West und Ostafrika, teilweise stark gefährdet sind, streben sogenannte Reservate oder Schutzparks, die Kuschelerlebnisse mit Löwen anbieten, in der überwiegenden Mehrheit eher monetären Gewinn und nicht den Erhalt der Löwenpopulation an.

So dachte auch die junge Kanadierin Lamontagne, dass sie mit ihrer Freiwilligenarbeit helfen würde. Sie zahlte 2,500 US$ pro Monat, um die Aufzucht von Löwenjungen unterstützen zu dürfen. Geld von dem sie dachte, dass es den Tieren helfen würde. Lamontagne engagierte sich freiwillig in einem Löwenreservat im Norden Südafrikas, in dem Löwenbabys von Hand aufgezogen wurden. Ihr wurde erzählt, dass es sich um Waisen handele, die nun auf die Hilfe von Menschen angewiesen wären. Als sie anfing, Fragen zu stellen, fand sie heraus, dass das nicht ganz der Wahrheit entsprach, d.h. bei den Löwenbabys handelte es sich nicht um Waisen. In der Tat züchtete die Organisation Löwen. Die Löwenjungen werden von ihren Müttern getrennt, wenn sie nur ein paar Tage alt sind, und zahlende Freiwillige „dürfen“ sie aufziehen. Doch was ist der Vorteil davon, einen Löwen von Hand aufzuziehen? Handaufgezogene Löwen können nur sehr schwer wieder in die Wildnis entlassen werden. Ist das im Sinne des Tierschutzes?

Fakt ist: Nahezu keine Einrichtung, die ihre Löwen anfassen, knuddeln oder sogenannte „Lion Walks“ mit ihnen machen lässt, ist eine wahre Schutzeinrichtung. Während die Löwen noch jung und süß sind, werden sie Touristen zum Kuscheln für tolle Erinnerungsfotos gegeben. Wenn sie älter sind, werden sie trainiert, um auf „lion walks“ zu gehen, bei denen Touristen die Löwen an einer Leine spazieren führen können. Sind die Löwen dann aber ausgewachsen, wird ihr monetärer Wert ermittelt, und zwar basierend darauf wie gut sie ausgestopft aussehen werden. Anschließend werden sie für die Trophäenjagd frei gegeben: Gut betuchte Jäger aus aller Welt kommen nach Afrika, um sich ihre ganz persönliche Trophäe zu schießen. Dafür werden sie in überschaubare Gehege / Reservate gebracht, in denen auch noch so schlechte Jäger erfolgreich ihren Löwen erlegen können, da die Löwen hier keine Chance auf Flucht haben und noch dazu durch ihre Aufzucht an den Menschen gewöhnt sind. In Südafrika werden täglich 2 bis 3 Löwen auf diese Weise getötet.

Während dieses ganzen Prozesses leben die Löwen in der Regel in dreckigen Käfigen, bekommen verdorbenes Fleisch gefüttert und erhalten oft minimale medizinische Versorgung. Diese besonders perfide Art der Löwenjagd wird in Südafrika „Canned Hunting“ (Gatterjagd) genannt. Dabei sind freiwillige Helfer aus der ganzen Welt eine wichtige Säule, wie die hervorragende Dokumentation „Blood Lions“ zeigt. Ambitionierte Freiwillige und uninformierte Touristen werden bewusst getäuscht und benutzt, und mit ihrer Hilfe wird eine Menge Geld verdient.

Ansätze, dieses krude Geschäft zu stoppen, müssen wohl überlegt sein: Die Kanadierin Lamontagne war zum Beispiel versucht, das Löwenbaby in ihrer Obhut zu kaufen, um es in einen seriösen Schutzpark umsiedeln zu können. Dann realisierte sie aber, dass sie nur das Gegenteil bewirkt, wenn sie den Löwen frei kauft. Sie rettet zwar diesen einen Löwen, finanziert aber die Organisation, die sicherlich nicht mit dem lukrativen Geschäft der Gatterjagd aufhören wird. Der nachhaltigere Weg, um diese Machenschaften zu stoppen, muss eine Änderung der Gesetzgebung bewirken oder aber Sperren von Seiten von Fluggesellschaften. Etwa 50% der Löwen werden zum Beispiel von US-amerikanischen Jägern geschossen. Wenn die Fluggesellschaft ablehnt, die Trophäen in die U.S. oder andere Länder zu verschiffen, gibt es weniger Anreize für die Jäger, überhaupt auf Trophäenjagd zu gehen. Laut der Convention on the Trades in Endangered Species (CITES) werden jedes Jahr ungefähr 450 Löwentrophäen exportiert, auch wenn dabei einige davon die Köpfe, Zähne oder Haut desselben Tiers sind.

Einen anderen Blickwinkel auf Gatterjagd in Afrika nimmt der britische Wissenschaftler der Oxford Universität David Macdonald ein: Er vertritt keinen ethischen Standpunkt, sondern untersuchte, ob die Trophäenjagd zur Bewahrung gefährdeter Tierarten beiträgt. Die Gebiete für Trophäenjagden umfassen 1,4 Millionen Quadratkilometer in ganz Afrika, das sind 22% mehr als Nationalparks. Macdonalds Standpunkt ist, dass die Gatterjagd gerade weil es ein so lukratives Geschäft ist dazu beiträgt, dass Hunderttausende Quadratkilometer immer noch für Löwen und andere Tierarten zur Verfügung stehen. Löwen in ganz Afrika werden auf einem Gebiet von 500.000 Quadratkilometer gejagt, was ein Drittel des Gebiets ist, in dem Löwen natürlich vorkommen. Macdonald schlägt vor, dass der Jagdprozess von Experten und transparenten Komitees überwacht werden sollte, die bestimmte Quoten vorgeben. Auch regt er an, dass ein Teil des erwirtschafteten Gelds für den Schutz der Löwen reinvestiert wird und dass nur akkreditierte Jäger jagen dürfen, um das Leiden der Tiere zu verringern.

Jeffrey Flocken vom International Fund for Animal Welfare (IFAW) sieht das anders: Würden diese Anregungen umgesetzt werden, würde dies nur zeigen, dass die Jagdindustrie politische Entscheidungen diktiert, und zwar auf der Basis aufgeblasener ökonomischer Argumente. Mit dem enormen Rückgang der Populationen von beliebten Jagdobjekten wie Löwen und Elefanten, können wir nicht länger die Tötung von gefährdeten Spezies zum Spaß erlauben.

Löwenschutz ist also definitiv nicht gleich Löwenschutz oder nicht überall, wo „Löwenschutz“ drauf steht, ist auch Löwenschutz drin. Große Vorsicht und genaues Hinschauen ist geboten, wenn du dich für den Löwenschutz einsetzen möchtest. Projekte, die sich wirklich ernsthaft für den Löwenschutz einsetzen, erlauben kein Kuscheln mit dem König der Tiere. Sie sind sogenannte „Hands Off“ Projekte, in denen weder Touristen, noch Tierhüter oder Freiwillige die Löwen im täglichen Umgang berühren dürfen und sie als Raubkatze respektiert werden.

Interessierst du dich für Freiwilligenarbeit im Bereich Tierschutz in Afrika? Spielst du mit dem Gedanken, dich in einem Projekt des Löwenschutzes zu engagieren?

Weitere Informationen, wie du dich mit live&learn in einem verantwortungsbewussten Löwenschutzprojekt engagieren kannst, findest du unter dem Link FREIWILLIGENARBEIT LÖWENSCHUTZ.

Weitere Informationen, wie du dich mit live&learn in anderen ökologisch nachhaltigen Projekten des Tierschutzes einsetzen kannst, findest du unter dem Link TIER- UND ARTENSCHUTZ.

Kontaktiere uns über unser KONTAKTFORUMULAR oder schreibe uns eine Mail für eine persönliche Beratung, wie du dich für den Schutz von Löwen und anderen Wildtieren in Südafrika engagieren kannst.



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