Freiwilligenarbeit Unterrichten

Erfahrungsbericht von Emily, Abiturientin – Freiwillige im Projekt Bildung und Soziale Arbeit bei Kapstadt von Oktober 2017 bis Februar 2018.

Nach ihrem Abitur am Detlefsen Gymnasium in Glückstadt wollte Emily sich einer neuen Herausforderung stellen, um „über ihren eigenen Tellerrand zu schauen“ und ihre gewohnte Welt mit neuen Augen betrachten zu können. Sie entschied sich für Mitarbeit an der Grundschule des Projektes Bildung und Soziale Arbeit, wo sie die Lehrerin der 1. Klasse im Unterrichten unterstützte und an den Nachmittagen zusammen mit anderen Freiwilligen eine Deutsch-AG sowie Chorproben durchführte.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Ich wollte mich sozial engagieren und eine komplett andere Kultur kennenlernen. Ich habe mir erhofft, einen Beitrag dazu zu leisten, Kindern den Zugang zu Bildung zu gewähren, die nicht das Glück haben, den selbstverständlichen Zugang zu Bildung zu bekommen.
Ich finde es wichtig, auch mal „über seinen Tellerrand zu schauen“ sozusagen. Damit meine ich, nicht nur Länder zu bereisen, die einen hohen Wohlstandsstandart haben, sondern sich selbst auch bewusst zu machen, dass es auf der Welt noch viel zu tun gibt, um die Kluft zwischen Wohlstand und Armut global zu verringern. Ich habe mir nicht eingebildet, einen grundlegenden Wendepunkt vonstatten zu bringen, allerdings wollte ich einfach meinen Beitrag dazu zu leisten, dass es speziell den Kindern dort ein Stück besser geht. Und auch etwas zurückzugeben für die Kindheit, die ich in einem Land wie Deutschland genießen durfte.
Außerdem habe ich schon einigen Menschen, die Südafrika bereist haben, gehört, wie schön das Land sein soll. Daher mich hat auch die gesamte Natur Südafrikas sehr gereizt.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Morgens um 8:00 fing der Tag in der Schule an. Bei der „Morning- Routine“, die aus singen, zählen, dem Aufzählen der Wochentage und Monate etc. bestand, habe ich jeden Morgen geholfen. Nach ein paar Wochen durfte ich diese auch öfters komplett selbst übernehmen. Bis 13:00 habe ich meine Lehrerin dann im Unterricht unterstützt. Dabei teilten wir uns die Gruppentische meist auf, was mir die Chance gab, die Aufgaben selbst durchzuführen.
Von 14:00-15:00 habe ich meist mit anderen Freiwilligen von uns angebotene AG’s, wie beispielsweise Deutschunterricht oder einen Chor, durchgeführt.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Ich denke schon, dass ich meine Ziele erreicht habe und mir hat der Freiwilligendienst sehr gut gefallen. Ich denke es ist gut, sich selbst nicht zu hohe Ziele zu setzten, denn letztendlich kann jeder nur einen kleinen Beitrag leisten, aber jeder noch so kleine Beitrag ist wertvoll und wichtig. Abgesehen davon, helfen zu wollen, wollte ich natürlich auch Spaß haben und die Zeit im Allgemeinen einfach genießen und das habe ich auf jeden Fall. Die Kinder haben einem sehr viel Liebe zurückgegeben und ich habe alle, sowohl die Kinder, als auch die Lehrer sehr ins Herz geschlossen.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Meine persönlichen Highlights waren „Motto Tage“ wie beispielsweise vor Weihnachten, als der Weihnachtsmann kam oder der Valentinstag.
Zum Teil war es schwierig, sich bei den Kindern durchzusetzen und klar zu machen, dass man eine Respektperson wie die anderen Lehrer ist, und nicht eine Freundin, die alles durchgehen lässt. Auch wenn die Lehrer stets betont haben, dass wir Freiwilligen auch Lehrer sind und auch so behandelt werden sollen, haben viele Kinder nicht mehr auf einen gehört, sobald die Lehrer aus der Sicht waren.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Alles in allem hatten wir ein gutes Arbeitsklima. Ich bin jeden Tag gerne zur Schule gegangen. Vor allem den Lehrern und natürlich den Schülern hat man die Dankbarkeit deutlich angemerkt und man wurde von Anfang an als Teil des Teams, und nicht nur als temporäre Aushilfe gesehen. Außerdem gab es stets einen Ansprechpartner, an den man sich bei jeglichen Fragen oder Problemen gerne werden konnte.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika sowie aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen hast?
Ja, ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass ich ein besseres Verständnis bekommen habe. Bei mir kam hinzu, dass ich zu der Zeit in Südafrika war, wo die Wasserkrise sich immer weiter zugespitzt hat. Dadurch hat man noch mal mehr mitbekommen, dass man natürliche Ressourcen wie das Wasser mehr schätzen und nachhaltiger damit umgehen sollte, anstatt es als selbstverständlich anzusehen. Bezüglich der Arbeit in Afrika habe ich auch noch mal alles in einem anderen Licht gesehen, als ich dort war. Man wusste natürlich vorher, dass viele Menschen in Townships leben und arbeitssuchend sind, aber oft an den großen Townships vorbeizufahren, führt einem die Problematik noch mal anders vor Augen. Und auch die live&learn Stadttour mit Alex war sehr eindrucksvoll und erklärte uns viele Zusammenhänge und Besonderheiten über das Leben in Südafrika und insbesondere in den Townships – u.a. erfuhren wir, dass jeden Tag Menschen aus Townships für viel Geld nach Kapstadt fahren, dort auf Arbeit als Tagelöhner hoffen und abends wieder zurück fahren, oft ohne Geld eingenommen zu haben.
Somit habe ich auch das gesamte Sozialsystem Deutschlands noch mal mehr zu schätzen gelernt.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Ich kann gar keine speziellen Erlebnisse oder Erfahrungen nennen, da es einfach so viele Eindrücke über das halbe Jahr verteilt gab. Sowohl durch die Arbeit im Projekt und dem Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen, wo ich einige gute Freunde gefunden habe, als auch im Rahmen meiner Reise von Kapstadt zu den Viktoria Fällen habe ich so viel Neues kennengelernt, erlebt und gelernt.
Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Natürlich war es zum Teil schwierig, dass man in Südafrika nicht unbedingt als Mädchen abends alleine raus konnte bzw. wollte. Aber das war mir im Vorhinein auch klar und es wäre für mich definitiv- auch im Nachhinein- kein Grund, nicht nach Südafrika zu gehen. Es war auch wirklich nicht so dramatisch. Man geht nun mal auch in ein anderes Land und kann und sollte dies auch nicht mit Europa beispielsweise vergleichen. Es war auch nie so, dass ich Angst hatte vor die Tür zu gehen oder ähnliches. Man sollte sich einfach nur im Klaren darüber sein, dass es eben anders ist.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Wir Freiwilligen wurden jeden Tag zur Arbeit gefahren und abgeholt. In unserer Freizeit haben wir uns durchgängig mit „Uber“ fortbewegt. Da dies eine sehr günstige und unkomplizierte Fortbewegungsmöglichkeit ist, kann ich es durchaus empfehlen. Prinzipiell wäre es allerdings auch schön gewesen, doch hin und wieder ein Auto zu haben, weil man so doch unkomplizierter Ausflüge planen kann. Daher würde ich anderen Freiwilligen empfehlen, zumindest in Betracht zu ziehen, sich mit mehreren Freiwilligen zusammen ein Auto zu mieten.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Ich würde raten, sich natürlich bewusst zu sein, dass es anders ist als in Deutschland und man nachts eben nicht alleine in kurzen Kleidchen rumlaufen sollte oder mit Fremden irgendwo hingehen oder sich beim Geldautomaten beispielsweise helfen lassen sollte. Allerdings sollte man meiner Meinung nach trotzdem „locker“ damit umgehen, denn letztendlich kann einem auch in Deutschland was passieren und solange man sich in Südafrika etwas vorsichtiger verhält und achtsam ist, muss man sich, meiner Meinung nach, auch keine Sorgen machen. Schließlich fällt ja auch anderen Menschen auf, wenn man dauerhaft panisch durch die Gegend läuft und seine Tasche krampfhaft festhält. Auch kann man alles weniger genießen, wenn man zu sehr darauf bedacht ist, was alles passieren könnte. Man sollte auch nicht vergessen, dass die meisten Menschen einem nichts tun wollen. Ich persönlich wurde zum Beispiel auch hin und wieder gerade von Einheimischen nett darauf hingewiesen, dass ich meine Tasche doch lieber auf meinen Schoß legen sollte anstatt neben mich

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe die ersten 3 Wochen mit 3 anderen Freiwilligen in einer kleineren Wohnung gewohnt. Danach sind wir alle in die 12er Wohnung gezogen. Ich habe mich in beiden Wohnsituationen wohl gefühlt und solange man ein sozialer und einigermaßen kommunikativer Mensch ist, kann – denke ich – jeder gut mit der Wohnsituation zurechtkommen. Natürlich muss man sich darauf einstellen, dass man sich auch an die anderen anpassen und vielleicht auch mal zurückstecken muss, wenn man mit 11 weiteren Menschen in einer Wohnung wohnt.
Womit wir allerdings alle häufiger zu kämpfen hatten, war das W-Lan in der Wohnung. Es ist sehr viel langsamer als in Deutschland und nicht in allen Zimmern der Wohnung ist das W-Lan verfügbar.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Ich habe eine dreiwöchige Reise von Kapstadt nach Zimbabwe zu den Vic- Falls gemacht. Die Reise hat wirklich großen Spaß gemacht, und ich habe sehr viele wunderschöne Orte und Tiere in Afrika gesehen. Jedoch würde ich, falls man einiger maßen gute Englischkenntnisse hat, empfehlen, eine Reise ohne Deutsch Übersetzer zu machen, da die meisten Deutschen auf der Reise wirklich gar kein Englisch gesprochen haben und sich die Gruppe dadurch stark zwischen Deutschen und Nichtdeutschen geteilt hat.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? War das Team auch in Kapstadt gut erreichbar?
Ja, ich wurde gut vorbereitet und auch vor Ort konnte ich mich jeder Zeit an Antje oder Alex wenden.

Die Betreuung durch Patricia am Einsatzort: Was hat Dir gefallen? Wurdest Du gut/ausreichend betreut?
Ja, Patricia war sehr engagiert und hat sich immer um einen gekümmert. Oft hat sie sich auch von sich aus erkundigt wie es einem geht, was man vor hat etc. Außerdem hat sie uns mehrmals als Überraschung beispielsweise typisch afrikanisches Essen vorbeigebracht und sie hat für einen immer alles erledigt, worum man sie gebeten hat wie beispielsweise Restaurantreservierungen etc.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Ich habe mich für eure Organisation entschieden, weil es den Anschein machte, dass ihr keine der sehr großen Organisationen seid, wo der menschliche Kontakt fehlt und man nur einer von sehr vielen Freiwilligen ist. Mir war es wichtig, dass ich mich auch wirklich an die Ansprechpartner der Organisation wenden kann und man sich auch Mühe gibt, mir individuell weiter zu helfen. Dabei habt ihr meine Erwartungen auf jeden Fall erfüllt und ich würde anderen auch eure Organisation weiter empfehlen. Ich fand es auch sehr schön, dass Antje sich regelmäßig vor den Ferien, der Reise durch Afrika und auch vor dem Ende der Zeit in Afrika bei einem gemeldet und erkundigt hat, ob man irgendwelche Fragen hat.



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