Freiwilligenarbeit Schule

Erfahrungsbericht von Xenia, 18, Abiturientin – Freiwillige an einer Schule für benachteiligte Kinder in Kapstadt von Januar bis März 2018

Xenia  aus Berlin wollte sich nach ihrem Abitur eine kleine Auszeit nehmen, um neue Erfahrungen zu machen und beruflich zu orientieren, bevor sie sich für ein Studium oder eine Ausbildung in Deutschland entscheidet.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen an einer Grund- und High School in Kapstadt:

Warum hast du dich für das Projekt „Freiwilligenarbeit Schule“ in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Gerade in der Zeit nach dem Abitur stellt man sich oft die Frage, was man nun weitermachen möchte. Manche wissen das bereits in der Schulzeit und haben einen festen Plan vor Augen, ich hingegen konnte nicht einschätzen, in welche Richtung ich gehen möchte. Aus diesem Grund wollte ich mir zunächst einmal eine Art „Auszeit“ nehmen, doch dabei einer Beschäftigung nachgehen, bei der ich völlig neue Erfahrungen gewinne und mir bewusst ist, dass es sich dabei um eine begrenzte Periode handelt. Dabei wollte ich gerne die Bildung der Kinder mit unterstützen und habe mich so für einen Freiwilligendienst an einer Schule für benachteiligte Kinder entschieden. Ich hatte mir erhofft für mich persönliche Erfahrungen zu sammeln, meine Englischkenntnisse zu verbessern, Einblicke in eine andere Kultur zu gewinnen und gleichzeitig viel von Kapstadt zu sehen.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Welche Aufgaben hast du im Projekt übernommen?
Mein Arbeitstag in der Bibliothek begann um 8:30 Uhr und ging bis 15:00 Uhr. Dazwischen hatte ich von jeweils 10:00 – 10:30 Uhr und 12:30 – 13:30 Uhr eine Pause. Während meiner Arbeit habe ich Kontakt zu allen Klassen gehabt, da die Bibliothek von jeder Jahrgangsstufe genutzt wird. Außerdem werden hierbei nicht nur Bücher verliehen und die Arbeit an den Computern ermöglicht, von Grade R bis Grade 7 werden die Kinder auch unterrichtet. In dieser Zeit war es meine Aufgabe, die Kinder mit zu beaufsichtigen, die Aufgaben zu erklären, bei Fragen zu helfen und falls Bücher ausgeliehen würden, diese zu stempeln. Außerhalb des Unterrichts habe ich die abgegebenen Bücher wieder einsortiert, neue Bücher gecovert, bei der Planung von neuen Ideen mitgewirkt und teilweise für bevorstehende Projekte Plakate erstellt, Karten gebastelt, am Computer recherchiert.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Mir hat mein Freiwilligendienst sehr gut gefallen. Besonders die Tatsache, dass meine zwei Ansprechpartner/ Kollegen in der Bibliothek mich mit sehr viel Respekt behandelt und mir nicht das Gefühl übermittelt haben, ich sei nur eine freiwillige Arbeiterin. Meine Ziele konnte ich dabei zum größten Teil erreichen. Ich habe tatsächlich eine Menge Zeit gehabt, mir neben des Praktikums Kapstadt (+Umgebung) anzusehen und dabei viele neue Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen zu gewinnen. Ob meine Kenntnisse im Englischen sich gebessert haben, kann ich nach drei Monaten nicht vollkommen einschätzen, jedoch fällt es mir nun viel leichter, ein freies Gespräch zu führen, ohne mir die Sätze im Kopf zu überlegen. Die Einblicke in die afrikanische Kultur waren anders als erwartet – Kapstadt ist eine europäisch geprägte, moderne, multikulturelle Stadt und man ist mit sehr vielen unterschiedlichen Kulturen und Religionen konfrontiert – hier kann man erkennen, dass die in Europa verbreiteten Bilder vom ländlichen, traditionellen Afrika sehr eingeschränkt sind.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Was mich besonders gefreut hat, ist die Offenheit und gelassene Art von allen Kollegen und den Kindern. Außerdem war ich bei einem Schulausflug dabei, bei dem wir die Möglichkeit bekommen haben zu sehen, wie blinde Menschen ihr alltägliches Leben meistern. Ein weiterer Ausflug führte in eine Stadtbibliothek, bei dem die älteren Schüler selbst geschriebene Gedichte vorgetragen haben. Auch der Markt, welcher von den Lehrern und Kindern organisiert wurde, war eines meiner Highlights. Womit ich hingegen anfangs zu kämpfen hatte, war das ziemlich strenge Schulsystem. Damit meine ich nicht die Leistung, welche von den Kindern erbracht werden musste, vielmehr war es die Disziplin. Daran habe ich mich jedoch schnell gewöhnt, gerade weil ich sehen konnte, dass diese Disziplin notwendig ist und alle Lehrer trotzdem sehr liebevoll mit den Schülern umgehen.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Ich hätte mir kein besseres Arbeitsklima vorstellen können. Ich wurde schnell integriert und habe mich sehr wohl gefühlt. Anfangs war es etwas unüblich, dass man so viele Pausen hatte und die Arbeit nicht unglaublich schnell erledigt werden sollte, doch das hatte nicht den Hintergrund, dass die Arbeit nicht gut oder „unnötig“ war. Im Gegenteil waren, meine Kollegen waren immer sehr dankbar für die Hilfe und haben mich das stark spüren lassen, was mich gefreut hat. Außerdem waren alle sehr entspannt, wenn es um das Thema „Pünktlichkeit“ ging und hatten ebenfalls Verständnis, falls man etwas früher gehen musste.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika sowie Bildung und Jugendarbeit hast?
Es hat mich überrascht, dass die Bibliothek ebenfalls zum Unterrichten genutzt wurde. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Schule so gut ausgestattet ist und habe mich darüber gefreut. Natürlich weicht das Schulsystem von unserem ab und war in meinen Augen nicht gleichermaßen anspruchsvoll, das habe ich mir jedoch im Voraus auch gedacht. Interessant war, dass oftmals Eltern der Kinder mit uns gearbeitet bzw. für einige Stunden ausgeholfen haben, da das Pflicht ist. Dadurch habe ich einen tieferen Einblick in das Leben bei ihnen zu Hause erhalten und war teilweise fassungslos mit welchen Umständen die Menschen in den Townships konfrontiert werden. Umso mehr war es ein schöner Anblick, die Kinder, die sehr interessiert, kontaktfreudig und voller Liebe waren, in der Schule so glücklich zu sehen.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Natürlich fällt einem besonders die Lebensfreude der Menschen auf. Ich fand es sehr bemerkenswert, dass das Alltägliche mit solch einer Leichtigkeit hingenommen und nicht aus allem ein Problem gemacht wurde. Außerdem habe ich gelernt, bewusster zu leben und das Leben hier stärker zu schätzen. Gerade in der Zeit der Wasserkrise ist mir bewusst geworden, dass wir das hier in Deutschland als „üblich“ empfinden und uns wenig Gedanken um das Sparen machen. Auch wenn wir im Moment nicht in diesem Ausmaß dazu verpflichtet sind, achte ich nun auch hier auf meinen Wasserverbrauch.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Mir hat mein Praktikum, die ganzen Ausflüge (die wir selbst organisiert haben), die sehr entspannte Lebensführung und die ständige Abwechslung sehr gut gefallen. Besonders durch die unterschiedlichsten Möglichkeiten, aufgrund der unglaublichen Landschaften. Die Schwierigkeit stellte für mich die Kriminalität bzw. der ständige Kontakt mit den Bettlern dar, da ich aus dem Grund mein gewohntes sicheres Gefühl (besonders am Abend/ Nachts) nicht hatte.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Wir haben uns ein Auto gemietet. Jedoch ist der Straßenverkehr in Kapstadt nicht ohne, weswegen ich das nur empfehlen würde, wenn man sich sicher beim Fahren fühlt und auch länger Erfahrung hat. Ich hatte das Glück, dass ich nur als Beifahrer dabei war. Wäre das nicht möglich gewesen, hätte ich wohl lieber das Uber-System genutzt.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Es ist natürlich nicht die Freiheit gewesen, die ich aus Deutschland kenne. Ich war nicht gerne alleine unterwegs, da es ziemlich viele Bettler gibt, welche ein „Nein“ oftmals nicht akzeptieren und dich dann noch einen Moment weiter begleiten, um möglicherweise doch noch etwas zu bekommen. Außerdem würde ich davon abraten am Abend alleine zu Fuß unterwegs zu sein und da lieber ein Uber bestellen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe mit meiner Schwester und ihrem Freund in einer Wohnung im City Center gewohnt. Mir hat diese Wohnung sehr sehr gut gefallen, da es eine angenehme Lage war, ich mich sicher gefühlt habe und wir einen schönen Ausblick auf den Tafelberg hatten.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? Wie war die Kommunikation? Welche weiteren Informationen wären hilfreich gewesen? Wie hat dir das Infopaket gefallen?
Ich bin sehr zufrieden! Da ich mich nicht völlig allein um die Reisevorbereitungen gekümmert habe, kann ich die Unterstützung bei den Reisevorbereitungen nicht in jeder Hinsicht einschätzen. Meine Schwester und ihr Freund hatten sich bereits um einen großen Teil der Vorbereitungen gekümmert als ich mich entschied, auch nach Kapstadt zu gehen. Das Infopaket und die persönliche Checkliste waren super! Außerdem hat mir auch der Kontakt und die Informationen innerhalb des Aufenthalts gut gefallen. Anfangs hätte ich mir gerne ein Paar mehr Details zu der Arbeit gewünscht, jedoch habe ich das im Laufe des Freiwilligendienstes sehr schnell alle Erfahrungen gemacht und mochte es auch, dass ich das selbstständig bewältigt habe.
Ich denke es ist selbst verständlich, dass keine tägliche Betreuung besteht, doch ich wusste, an wen ich mich bei möglichen Problemen/ Fragen wenden kann und das gibt einem ein sicheres Gefühl. Ich denke, dass das Wichtigste im Voraus geklärt wurde und es gab immer die Möglichkeit, Euch bei aufkommenden Fragen zu kontaktieren, das würde ich so beibehalten. Dazu war die Stadttour eine super Möglichkeit, um einen guten Ein- und Überblick zu gewinnen.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Ich wurde von dem Freund meiner Schwester darauf hingewiesen, da er sich ebenfalls für eine Mitarbeit in der Schule beworben hat. Aus diesem Grund habe auch ich den Kontakt mit Antje aufgenommen und war froh, dass Sie all meine Fragen beantwortet und mir geholfen hat, den Überblick nicht zu verlieren.



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