Freiwilligendienst Soziale Arbeit Kapstadt

Erfahrungsbericht von Clara, Abiturientin – Freiwillige im Projekt Soziale Arbeit Kapstadt von November bis Dezember 2017

Während ihres Gap Years nach dem Abitur am Willibald-Gluck-Gymansium in Neumarkt wollte sich Clara ein bissen mehr von der Welt entdecken und sich ein eigenes Bild von Ländern des Globalen Südens machen. Um einen tieferen Einblick zu bekommen entschied sie sich für die Mitarbeit in einem Gemeindeentwicklungsprojekt in Kapstadt.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Im Rahmen meines Gap-years nach meinem Abitur wollte ich die Zeit sinnvoll nutzen und unterschiedlichste Eindrücke aus aller Welt sammeln. Besonders wichtig war es mir, Europas Wohlstand aus einem anderen Blickwinkel beurteilen zu können und internationale, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Ferner wollte ich mit Menschen arbeiten und so meine Menschenkenntnisse erweitern. Da meine Vorlaufzeit extrem kurz war, hatte ich mir nicht sonderlich viele Ziele vorgenommen, sondern mich einfach „ins Abenteuer gestürzt“. Trotzdem gab es natürlich einige Erfahrungen und Erlebnisse, die ich mir erhofft hatte, wie z.B. ein neues Land und eine fremde Kultur kennen zu lernen und am Wochenende die spannenden Orte in und um Kapstadt zu erkunden.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Der typische Arbeitstag in meinem Projekt begann mit einem Rundgang durch die Einrichtung, um jeden zu begrüßen. Anschließend ein kurzes Volunteers Meeting, bei dem wir uns austauschten und die anstehenden Aufgaben besprachen. Meist nahm auch der Projekt Manager, Kyle, derjenige, der sich größtenteils um uns Volunteers kümmerte, an diesen Besprechungen teil und verteilte weitere Aufgaben. Meine Aufgaben drehten sich anfangs sehr um die damalige Fundraising-Aktion, bei welcher ich mich um Social Media kümmerte, potentielle Spender kontaktierte, Zertifikate ausstellte. Besonders gerne arbeitete ich allerdings an Workshops mit den Teilnehmern des Computer Kurses in sog. Life Skills Lessons oder in unserem Teambuilding-Workshop mit den Damen aus unserem Nähcenter. Des Weiteren arbeitete ich noch an der allgemeinen Social Media Vertretung der Einrichtung mit und begleitete die Aktionen rund um die Aktionswoche der UN „16 days of activism“. Wenn es gerade mal keine spezielle Aufgabe für mich gab, ging ich meist in den Kindergarten der Einrichtung zu den Kids oder half in der Küche mit.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Alles in allem bin ich sehr zufrieden und dankbar, dass ich diese einzigartige und spannende Erfahrung machen konnte. Besonders beeindruckend fand ich es, mit wie viel Freude die Menschen in unserer Einrichtung Tag für Tag bei der Arbeit waren und wie leicht man ihnen mit kleinen Gesten den Tag versüßen konnte. Da ich mir keine explizierten Ziele gesetzt hatte, kann ich diese Ziele nicht definieren. Dennoch gab es für mich trotzdem viele kleine, unerwartete Erfolge, wenn ich beobachten konnte, wie positiv sich unsere Arbeit auf andere Menschen auswirken kann. Besonders bei unseren Workshops konnte ich gut beobachten, wie die Teilnehmer es annahmen.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Glücklicherweise hatte ich viele Momente/ Tage, die ich als persönliche Highlights bezeichnen kann. Unter anderem zählen dazu die verschiedenen Workshops, bei welchen man immer die Fortschritte der Gruppe wahrnehmen konnte, sowie in offenen Gesprächen und Interaktionen zu Menschen stand. Hier ist mir insbesondere der Ausflug ans Meer mit den Damen aus dem Nähcenter positiv in Erinnerung geblieben. Außerdem war der Tag im Parlament eine tolle Gelegenheit, mit anderen NGO’s in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können. Die Aktionen rund um die „16 days of activism“ waren auch alle wirklich toll, hier erinnere ich mich am liebsten an den World Aids Day, an welchem wir zusammen mir den Mitarbeitern der Einrichtung Aufklärungsarbeit leisteten.
Neben all den tollen, beeindruckenden Erlebnissen gab es auch Schwierigkeiten. Insbesondere der kulturelle Unterschied und somit die unterschiedlichen Arbeitsweisen führten das ein, oder andere mal zu Meinungsverschiedenheiten. Es war für mich eine wichtige Erfahrung, dass es so unterschiedliche Arbeitsansätze gibt und schließlich konnten wir immer einen gemeinsamen Nenner finden.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das allgemeine Arbeitsklima war freundlich, kommunikativ und herzlich. Trotzdem gab es immer wieder Schwierigkeiten bei der Planung verschiedener Aktionen auf Grund von misslungener Kommunikation. Ich habe sehr viel über interkulturelle Kommunikation gelernt. Die Betreuung durch den Projekt-Manager war wirklich gut und Verhältnis zwischen ihm und uns Volunteers war locker, fast freundschaftlich, sodass wir mit dem Projekt Manager auch unsere Ideen besprechen konnten.
Auch die Direktorin des Projektes nahm sich Zeit, um uns z.B. während Touren durch das Township ihre Welt und aktuelle Kontroversen und Probleme der südafrikanischen Gesellschaft zu erklären.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika und vom Arbeitsfeld Soziale Arbeit hast? Bitte nenne Beispiele, z.B. Dinge die dir neu waren, oder dich überrascht haben, Dinge, die du n einem neuen Licht siehst, oder zu schätzen gelernt hast?
Da ich vorher nur sehr wenig über Gruppenentwicklungs-, Jugend und Sozialarbeit wusste, hat sich mein Verständnis selbstverständlich um einiges verbessert.
Selbstverständlich hatte ich eine gewisse Vorstellung, wie die Menschen im Township leben. Dennoch war es für mich eine ganz neue, ungewohnte Situation, mich dann in dieser armen Umgebung zu befinden und Menschen aus geringer privilegierten Schichten kennen zu lernen. Die Menschen, die ich kennen lernen durfte haben mich mit ihrer Lebensfreude und Ihrer Kreativität sehr fasziniert und mir wieder die Augen für die kleinen Dinge im Leben geöffnet.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
In Südafrika habe ich gelernt, geduldig zu sein und seine Handlungen zu überdenken und zu prüfen. Im Falle eines Streits/ einer Meinungsverschiedenheit, ist es wichtig einen klaren Kopf zu behalten und sich zu fragen, woher der Unmut meines Gegenübers stammt. Außerdem habe ich die Armut, die in Dokumentarfilmen häufig dargestellt wird, mit eigenen Augen gesehen. Das ganze fördert mein Verständnis für die Ungerechtigkeit dieser Welt.
Außerdem habe ich das Sprichwort „andere Länder, andere Sitten“ nun verstanden. Auch wenn wir immer glauben, die Globalisierung hätte unsere Weltgemeinschaft stark angeglichen und uniform gemacht, so bestehen doch in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Traditionen und Rieten, die man als Gast in einem Land einfach respektieren muss.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Es hat mir gefallen, einen neuen Flecken der Erde kennen zu lernen und im diesen Zuge viele neue Menschen aus aller Welt zu treffen. Auch das Zusammenleben in der Gastfamilie mit unterschiedlichsten Charakteren war wirklich eine tolle Erfahrung, die mich menschlich weiter gebracht hat. Außerdem selbstverständlich die Arbeit im Township, bei welcher ich eine ganz neue Facette des Lebens kennenlernen durfte.
Schwierig war es für mich, in der kurzen Zeit, in der ich in Südafrika war, alle Sehenswürdigkeiten meiner To-Do liste zu besuchen

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Unsere Gasteltern brachten uns jeden Tag zur Arbeit und holten uns wieder ab. Ansonsten nutzten wir meist Uber. Das ein oder andere Mal habe ich auch den Zug oder den Bus genommen. (spannende Erfahrungen, die man mal gemacht haben sollte).
In meiner Zeit in Kapstadt haben wir auch an einem Wochenende einen Leihwagen bei AVIS in Wynberg gemietet. Wir waren zu viert und jeder von uns zahlte 30 Euro (allerdings hatten wir auch einen U21 Fahrer, weswegen wir mehr bezahlt haben). Einen Leihwagen zu mieten kann ich wirklich wärmstens empfehlen!

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Wenn man sich an die Sicherheitsregeln hält und sich in der Gruppe befindet, kann man sich meiner Meinung nach sicher fühlen. Außerdem ist es wichtig, nur die Orte auf zu suchen, die man kennt oder die einem sicher erscheinen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe in einer Gastfamilie gewohnt und größtenteils hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Die Betreuung durch meine Gasteltern war wirklich sehr fürsorglich und die Erfahrung in einer typisch Südafrikanischen Familie am Leben teil zu haben war wirklich sehr schön. Leider waren wir nur sehr abhängig von den Schlafenszeiten unserer Gasteltern, da wir immer spätestens gegen 11 Uhr abends zu Hause sein mussten. Der Standort Muizenberg ist wirklich sehr schön und ich habe mich sicher gefühlt. Schade ist es nur, dass der Weg in die Stadt doch etwas weiter ist und das die Fahrt dorthin mit dem Uber nicht immer unbedingt günstig ist.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? Wie war die Kommunikation? Welche weiteren Informationen wären hilfreich gewesen? Wie hat dir das Infopaket gefallen?
Die Vorbereitung von live&learn war wirklich toll. Dank des Strukturierten Ablaufs war es schier unmöglich eine wichtige Sache zu vergessen und das Infopaket ist eine gute Vorbereitung/ Einstimmung auf das Leben in Südafrika.
Die Kommunikation erfolge in Deutschland meist über Mail, sowie über WhatsApp Calls. Hierbei nahm sich Antje wirklich immer viel Zeit für die Beratung. Vor Ort in Kapstadt erreichte ich Antje meist per WhatsApp oder persönlich.

Die Betreuung durch das live&learn Team in Kapstadt: Was hat Dir gefallen? Wurdest Du gut/ausreichend betreut? War das Team ansprechbar in Problemfällen?
Da Antje und Alex jeden Freitag auch auf dem Nachbarschaftsmarkt in Muizenberg waren, hatten wir jede Woche die Chance uns auszutauschen. Auch wenn wir mal einen Insider Tipp brauchten, standen Antje und Alex uns mit vielen Vorschlägen zur Seite. Auch wenn es mal Probleme gab, halfen sie uns diplomatisch Lösungen zu finden.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Bevor ich live&learn gefunden habe, hatte ich mit einigen anderen Agenturen telefoniert. Doch waren die Angaben der Agenten nicht übereinstimmend und alles wirkte sehr unprofessionell.
Da ich bei dem ersten Gespräch mit Antje ein gutes, transparentes Gefühl hatte, habe ich mich für live&learn entschieden. Außerdem wurdet ihr mir von einer Freundin wärmstens weiterempfohlen.
Das live&learn Programm überzeugt mit der großen Transparenz, Offenheit und Flexibilität. Die Angaben für meine Projektarbeit stimmten alle mit dem, was ich tatsächlich in der Foundation kennenlernen durfte überein.



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