Freiwilligenarbeit Afrika Kindergarten

Erfahrungsbericht von Finja, Abiturientin – Freiwillige in einem Township Kindergarten von Januar bis März 2018

Nach ihrem Abitur jobbte Finja für ein paar Monate, um sich danach in Südafrika in einem sozialen Projekt mit Kindern zu engagieren. Für 8 Wochen unterstützte sie einen Township Kindergarten bei Kapstadt und lernte dabei Land und Leute kennen.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Ich wollte schon immer einen Freiwilligendienst im Ausland machen und habe mich für Südafrika entschieden, weil ich die Kultur und Menschen dieses Landes gerne kennenlernen wollte. Ich hatte mir von meinem Aufenthalt erhofft, in einem Hilfsprojekt richtig mithelfen zu können und die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem hatte ich mir erhofft, viele neue Leute sowie Kapstadt und die Umgebung näher kennenzulernen.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Wir sind gegen halb neun im Projekt angekommen und haben zuerst mit den Kindern die Zähne geputzt. Danach begann der Unterricht. Ich war in einer Klasse mit 4 bis 6-Jährigen, die in der ersten Unterrichtsphase das Alphabet, die Zahlen von 1 bis 20, die Wochentage oder die Monate auf Englisch gelernt haben. Aber es gab auch jede Woche ein neues Thema (wie z.B. das Thema Früchte oder das Thema Familie), in das wir die Kinder eingeführt haben. Wir Freiwilligen durften sehr oft den Unterricht leiten oder wir haben die Lehrerin unterstützt. Dann haben wir mit den Kindern Gesellschaftsspiele gespielt und gebastelt, gemalt, geklebt oder schreiben geübt. Hierbei haben wir uns oft Anregungen aus dem Internet geholt, um die Aktivitäten für die Kinder möglichst spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Nach einem kurzen Snack wurden Lernspiele gespielt, bei denen wir, genauso wie beim anschließenden Singen und Geschichten vorlesen, viele eigene Ideen einbringen konnten. Zum Schluss ging es zum freien Spielen nach draußen. Insgesamt durfte ich sehr viele eigene Ideen einbringen und hatte immer etwas zu tun. Von den Lehrern wurden wir auch oft nach Vorschlägen gefragt, was mir sehr gut gefallen hat.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall noch übertroffen. Meine Mitbewohner waren sehr nett und wir haben viel miteinander unternommen. Zum Beispiel sind wir den Tafelberg und den Lions Head hochgestiegen oder haben Märkte zusammen besucht. Aber natürlich war auch das WG-Leben klasse. Man fand immer einen, der etwas unternehmen wollte und so habe ich in meiner kurzen Zeit in Südafrika sehr viel gesehen. Auch das Projekt hat mir sehr gefallen. Ich hatte vorher etwas Angst, dass ich gar nicht gebraucht werden könnte, aber ich wurde im Kindergarten gleich eingespannt und war letztendlich fast auf derselben Stufe mit den eigentlichen Lehrern. Die Kinder waren natürlich oft sehr laut, aber ich habe sie über die Zeit sehr ins Herz geschlossen. Auch die Betreuung vor Ort war super. Patricia hat uns über alle wichtigen Bräuche in Südafrika aufgeklärt und stand uns bei Problemen immer zur Seite.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Es gab sehr viele Highlights. Eigentlich war jeder Tag für sich ein Highlight, da die Arbeit mit den Kindern immer abwechslungsreich war. Der Kindergarten war für die Anzahl der Kinder zu klein und deshalb mussten wir uns neue Methoden überlegen, damit jedes Kind optimal gefördert werden konnte. Wir haben daraufhin Gruppen orientiert an dem Leistungsstand der Kinder gebildet und die einzelnen Gruppen verschiedene Aktivitäten machen lassen. So mussten nicht alle Kinder im selben Raum sein und wir konnten auch besser sehen, welche Kinder in welchen Bereichen Hilfe benötigen. Ein Highlight war dann der Tag, an dem ein Mädchen aus meiner Klasse, das geistige Einschränkungen auswies, gelernt hat ihren Namen zu schreiben. Ich habe mich sehr für sie gefreut.

Natürlich gab es auch tolle Erlebnisse außerhalb der Arbeit. Der Aufstieg auf den Tafelberg, das Tanzen in den Clubs auf der Long Street, unsere Tour durch die Weingüter in Kapstadts Umgebung und die private Stadtführung von Alex gehörten ganz klar mit zu den absoluten Highlights, aber auch surfen am langen Strand von Strand oder der Besuch der vielen Märkte in und um Kapstadt hat mich sehr begeistert.

Schwierig war es im Kindergarten manchmal mit der Lautstärke, aber das ist bei der Arbeit mit Kindern natürlich immer mit dabei. Wenn ich erfahren habe, wie arm manche Familien der Kinder tatsächlich sind oder was für Schicksale den Kinder aus meiner Klasse teilweise schon widerfahren sind, wusste ich oft nicht wie ich reagieren sollte. Diese Geschichten oder auch die Lebensumstände der Lehrer waren für mich sehr schwer zu begreifen und haben mich doch schockiert.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Unsere Kindergartenleiterin war sehr nett und immer um unser Wohl besorgt. Wir hatten am Ende meiner Zeit noch einen Lehrerwechsel in unserer Klasse. Ich habe mich mit beiden unseren Lehrerinnen sehr gut verstanden, allerdings war die letzte Lehrerin die bessere Wahl für die Kinder, da sie gute neue Ansätze mit in den Kindergartenalltag gebracht hat. Mit den anderen Freiwilligen in meinem Kindergarten hat alles immer sehr gut harmoniert.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika und von der Bedeutung von frühkindlicher Erziehung hast?
Ja, ich habe definitiv einen guten Einblick in das Leben und Arbeiten in Südafrika und auch in die Art und Weise, wie Kinder dort erzogen werden, bekommen. Mich hat vor allem überrascht, wie viele Ähnlichkeiten doch die Erziehung der Kinder in Südafrika zu der frühkindlichen Erziehung in Deutschland aufweist. So werden auch den Kindern in Südafrika schon im Kindergarten schreiben und zählen beigebracht. Ich habe außerdem viel über die Arbeitssituation in den Townships gelernt. Ich wusste vorher schon, dass viele Menschen aus den Townships keinen Job haben, aber wie viele es wirklich sind, ist mir erst dort klar geworden. Ich habe durch meinen Aufenthalt in Südafrika vor allem meine Kindheit, die im Gegensatz zu vielen Kinder aus meinem Kindergarten sehr unbeschwert war, zu schätzen gelernt. In den Townships müssen Kinder häufig viel schneller erwachsen werden und sich um jüngere Geschwister kümmern. Häufig erschweren auch Erkrankungen, wie HIV ihre kindliche Entwicklung. Ich kann wirklich froh sein, dass ich eine so glückliche Kindheit hatte und mir auch jetzt alle Möglichkeiten offen stehen. Viele Kinder in den Townships müssen früh Verantwortung übernehmen, sodass sie ihren Lebenstraum oft nicht verwirklichen können. Für uns in Deutschland ist es zudem unvorstellbar, dass manche Kinder nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen können, weil ihre Eltern das Geld dafür nicht haben. Auch wenn in Südafrika mittlerweile vielen Kindern Schulgeld erlassen wird oder sie Sponsoren finden, ist das dennoch ein großes Problem. Vielen Eltern, auch an meinem Kindergarten, war es peinlich, sich Hilfe zu suchen und uns oder Patricia nach Hilfe bei der Suche nach Sponsoren zu fragen. So verschwand am Monatsende, wenn das nächste Schulgeld fällig wurde, schon mal ein Kind aus der Klasse.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Meine wichtigsten Erfahrungen waren die Lebenssituation in den Townships um Kapstadt. Ich habe außerdem neue Erfahrungen im Bereich der Kindererziehung im Alter von 3 bis 6 Jahren gewonnen.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Mir hat es sehr gefallen, wie offen Patricia mit uns über die Situation und auch über Einzelfälle aus dem Township geredet hat. Schwierig war es für mich, als ich mich entschieden hatte zwei Jungs aus meinem Kindergarten finanziell zu unterstützen und ich dann von anderen Kindern erfahren habe, dass sie ebenso Hilfe brauchen. Es war in dieser Situation schwierig für mich, dass ich nicht allen dort helfen kann. Generell war es für mich schwierig, mit den Schicksalen der Kinder umzugehen.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Wir wurden jeden Tag von Patricia zum Projekt gefahren und für andere Fahrten haben wir uns immer ein Uber gemietet. Das kann ich sehr empfehlen, da es, wenn man mit mehreren Leuten fährt günstig ist und auch sehr sicher.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Wir haben uns meistens in der Gruppe bewegt. Vor allem, wenn wir nach Kapstadt gefahren sind. Ansonsten sollte man einfach nichts tun, was man in Deutschland nicht auch tun würde, und es ist ratsam, sein Handy oder Portemonnaie nicht immer sichtbar bei sich zu tragen. In die Townships sollte man niemals alleine fahren, sondern nur in Begleitung von Einheimischen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe in einer Wohnung in Strand mit 11 bis 12 anderen Freiwilligen gewohnt und es hat mir sehr gut gefallen. Die Wohnung war super ausgestattet und direkt am Strand. Mit den vielen Mitbewohnern wurde es einem nie langweilig.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Ich habe im Anschluss keine Reise gemacht, habe aber während meinem Aufenthalt mit Hotspots2c eine Tour für drei Tage nach Oudtshoorn und Sedgefield gemacht, die ich sehr empfehlen kann. Die Leute auf der Tour waren sehr international und die Stimmung war super. Ich habe viel gesehen auf diesem 3-Tages-Trip.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? Wie war die Kommunikation? Welche weiteren Informationen wären hilfreich gewesen? Wie hat dir das Infopaket gefallen? War das Team auch vor Ort ansprechbar in Problemfällen?
Das hat alles super geklappt und ich hatte während meines Aufenthaltes keine Probleme mit meiner Karte o.ä.. Auch als ich einen Tag später als geplant angekommen bin, hat das Umdisponieren super geklappt. Ich hatte mit Antje über WhatsApp Kontakt und Patricia war immer vor Ort. Ich hätte bei Problemen immer einen Ansprechpartner gehabt. Als es die Probleme im Projekt gab, war sowohl Antje, als auch Patricia dabei eine Lösung zu erarbeiten. Das Infopaket hat mich ausreichend auf die mich erwartende Situation vorbereitet und ich konnte auch in Südafrika immer nochmal nachlesen.

Die Betreuung durch live&learn Partnerin Patricia in Kapstadt: Was hat Dir gefallen? Wurdest Du gut/ausreichend betreut?
Patricia hat uns super betreut und uns mit allen Problemen geholfen. Sie hat uns außerdem bei organisatorischen Angelegenheiten, wie Tischreservierungen, geholfen. Nach unserer Arbeit durften wir sie auch manchmal noch zu anderen Projekten begleiten. Außerdem hat sie uns öfters kleine Überraschungen, wie Straußenfleisch oder Kuchen in die Wohnung gebracht. Patricia war die beste Betreuung, die ich mir vorstellen konnte.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Meine Erwartungen wurden erfüllt und meinen Entschluss, mich lieber für eine persönlichere und kleinere Organisation zu entscheiden, war absolut richtig. Die Betreuung vor Ort war viel persönlicher, genauso wie ich es mir gewünscht hatte.

Welche Anregungen und Empfehlungen hast du für das live&learn Programm? Wie können wir unseren Service verbessern?
Ich habe keine Verbesserungen. Mir hat alles super gefallen!!



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