Südafrika nimmt Abschied von Jazz Legende Hugh Masekela

Südafrika nimmt Abschied von Jazz Legende Hugh Masekela

Südafrika und Jazzfans in der ganzen Welt verabschieden sich von Jazz Star und Aktivist Hugh Masekela, der am 23.1.2018 nach schwerer Krankheit verstarb.

Masekela wurde 1939 in Witbank, einer Minenstadt in der Nähe von Johannesburg geboren. Er wuchs in einer politisch aktiven Familie auf und verbrachte seine Schulzeit an der St. Peter’s Schule, die später zum Zentrum von Apartheidsgegnern wurde, bevor die Regierung sie aus diesem Grunde schloß. Masekela war einer der aufmüpfigsten Schüler, mit einem Fuß schon auf der schiefen Bahn, als der Schulpfarrer sich dafür einsetzt, daß Masekela mit 14 Jahren sein erstes, eigenes Horn erhielt. Masekela hatte seine Liebe zu Blasinstrumenten schon in jungen Kinderjahren entdeckt. Nachdem er dann den Film „Young Man With A Horn“ gesehen hatte, war er davon überzeugt, daß nur eine Trompete ihn auf den rechten Weg bringen könne.

Und so war es dann auch. Schnell bewies er sein Talent sowohl auf dem Flügelhorn als auch der Trompete. In den 50er Jahren spielt er auf Fundraising Veranstaltungen des ANC bevor er 1960 verboten wurde. Masekela ist fasziniert vom amerikanischen Jazz, experimentiert aber auch mit südafrikanischen Klängen und entwickelt den typischen „Afro-Jazz“ Sound. 1959 nimmt er zusammen mit Abdullah Ibrahim und Jonas Gwangwa das erste südafrikanische Jazzalbum auf. Im selben Jahr schließt er sich mit Gwangwa und anderen Musikern zur Band für das Musical „King Kong“ zusammen – alle Rollen sind mit schwarzen Südafrikanern besetzt, unter ihnen Miriam Makeba, Südafrikas berühmteste Sängerin und von 1962 bis 1964 Masekela’s Ehefrau. Das Musical erhält internationale Aufmerksamkeit, und so viel Erfolg schwarzer Kultur ist der Apartheidregierung ein Dorn im Auge. Kurz darauf verläßt Miriam Makeba das Land, da ihr u.a. aufgrund ihrer Mitwirkung im Apartheid-kritischen Film „Come Back Africa“ die Staatsbürgerschaft entzogen wird. Als die Apartheidregierung 1960 den ANC verbietet und es zum Sharpeville Massaker kommt, geht auch Masekela ins Exil. Auf Umwegen erreicht er New York, wo er an der Manhattan School of Music studiert und in die amerikanische Jazz Szene eintaucht. Miles Davis, John Coltrane und Thelonious Monk beeindrucken ihn besonders, aber Musiker wie Dizzy Gillespie und Louis Armstrong ermutigen ihn, seinen eigenen afrikanischen Stil weiter zu entwickeln. 1963 veröffentlicht er sein Debut Album “Trumpet Africaine”. 1968 kommt sein Instrumental Single Grazing Grass heraus und wird ein Top Hit in den USA – 3 Wochen steht sie auf Nummer eins der amerikanischen Charts.

Nach 12 Jahren Exil in den USA treibt es Masekela zurück auf den afrikanischen Kontinent. Seine Musik nutz er weiterhin für politische Botschaften – weltberühmt ist der Song Stimela, in dem er das Schicksal afrikanischer Minenarbeiter beklagt.

Masekela verbringt Zeit in Kongo, Liberia, Ghana und Nigeria, wo er u.a. mit Stars wie Fela Kuti musiziert und weitere Alben aufnimmt. In den 1980er Jahren lässt er sich in Botswana nieder und gründet dort die „Botswana School of International Music“. 1988 steht er wieder einmal mit Miriam Makeba auf der Bühne, diesmal in London, im Wembley Stadium bei einem Konzert zu Ehren von Nelson Mandela’s 70. Geburtstag – das Konzert wird in über 67 Ländern ausgestrahlt.

Als 1990 Mandela aus dem Gefängnis entlassen und das Verbot des ANC aufgehoben wird, kehrt Masekela nach über 30 Jahren im Exil nach Südafrika zurück, wo er weitere Alben aufnimmt und sich in verschiedensten musikalischen Projekten engagiert. Masekela nutzt auch jetzt die Bühne, um sich politisch zu engagieren und sich für eine sozial gerechte Gesellschaft und den Erhalt des südafrikanischen Kulturerbes einzusetzen. Eine Auswahl seiner Reden und Musikvideos findest du hier.

Im Jahr 2010 tritt er zusammen mit dem nigerianischen Musiker Femi Kuti bei der Eröffnungsfeier der FIFA Fußball Weltmeisterschaft in Johannesburg auf.

Über 40 Alben hat Masekela herausgebracht, sein letztes, „No Borders“, erschien erst letztes Jahr. Hier ist er mit vielen weiteren südafrikanischen und afrikanischen Künstlern zu hören. Besonders beeindruckend ist sein Interesse, sich auch immer wieder neuen Musikstilen und jungen Künstlern zu öffnen. So ist er in Kapstadt insbesondere in den 90er Jahren auch immer wieder in Clubs in Kapstadts Ausgehmeile „Long Street“ zu sehen – dort spielt er seine unverwechselbare Trompete zu Drum and Bass und African House Klängen, die von jungen DJ’s aufgelegt werden.

Masekela wurde für sein Werk mit vielen Preisen und Würden ausgezeichnet, darunter Honorarprofessuren an verschiedenen lokalen und internationalen Universitäten sowie Südafrikas höchste Auszeichnung „The Order of Ikhamanga”, eine Art Verdienstkreuz, das vom südafrikanischen Präsidenten an Südafrikaner/innen vergeben wird, die in denen Bereichen Kunst, Kultur, Musik, Sport, Literatur und Journalismus herausragendes geleistet haben.

Am 23.Januar 2018 stirbt Hugh Masekela nach einer schweren Krankheit.

Rest in peace! We will miss you and your beautiful sounds that have enchanted this world!



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