Freiwilligenarbeit Ergotherapie

Erfahrungsbericht von Vivien, 21 Jahre, Ergotherapeutin – Freiwillige in einem Heim mit Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen von Oktober bis November 2017

Nach ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin an der Gesundheitsakademie SMMP in Geseke wollte Vivien sich eine kleine Auszeit von Deutschland nehmen und dabei berufliche Erfahrungen im Ausland sammeln. Sie unterstützte das Team der Pfleger und Therapeuten eines familiären Heims für Kidner mit Behindeurngen bei Kapstadt.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen:

Warum hast du dich für das Projekt „Freiwilligenarbeit Ergotherapie Südafrika“ in Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Meine Familie und ich waren bereits vor 20 Jahren in Südafrika, ich war erst 17 Monate alt und habe deswegen keinerlei Erinnerung an den Aufenthalt. Ich kannte nur die tollen Fotos und die wahnsinnig spannenden Geschichten meines Vaters, der damals 7 Monate in Südafrika gearbeitet hat. Ich habe mir immer geschworen, dass ich irgendwann mal zurückkehre. Nachdem ich meine Ausbildung zur Ergotherapeutin abgeschlossen habe, hatte ich das Bedürfnis einfach mal raus zu kommen und was Spannendes zu erleben. Es war der richtige Zeitpunkt für mich nach Südafrika zurückzukehren, ich wollte meine Reise mit meinem Job verbinden und so kam es, dass ich mich für den Freiwilligendienst in Südafrika entschieden habe. Von dem Aufenthalt habe ich mir erhofft, dass ich in den Alltag des Landes eintauche und lerne, wie es ist in einer solch anderen Kultur zu leben, aber auch die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Landschaft und der Umgebung Südafrikas zu erkunden.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Ein typischer Arbeitsalltag sah so aus, dass ich morgens um kurz nach 7 in der Tagesstätte angekommen bin und Zeit hatte meine Berichte vom Vortag zu schreiben und mich auf den Tag vorzubereiten. Danach haben sich alle Kinder und die Lehrerin im Gemeinschaftsraum versammelt und dann fand der Morgenkreis statt. Jedes Kind wurde einzeln begrüßt und es wurde viel gesungen, gebetet und über den anstehenden Tag gesprochen. Nach dem Morgenkreis durfte ich immer frei entscheiden welches Kind ich zur Therapie mitnehme und was ich mit ihm mache. Vormittags sind wir auch mit den Kindern bei guten Wetter nach draußen gegangen; und wenn das Wetter es zugelassen hat, sind wir Freitags mit einigen Kindern reiten gegangen. Gegen 12 Uhr gab es dann Mittagessen, bei dem ich auch assistieren durfte. Nach dem Mittag wurden dann entweder Geschichten vorgelesen oder es wurde ein Film geguckt. Mein Arbeitstag endete im Schnitt gegen 14:45 Uhr und meine Pausen konnte ich mir immer so legen, wie es mir am besten passte.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Der Freiwilligendienst hat mir sehr gut gefallen, da ich immer eine Physiotherapeutin als Ansprechpartnerin hatte und ich mich mit wirklich allen gut verstanden habe und bei Fragen immer eine Antwort bekommen habe. Auch die Therapien konnte ich nach meinem Interesse frei gestalten und hatte diesbezüglich keine Vorgaben. Ich hatte auch immer genügend Zeit meine Freizeit zu genießen und alles in Südafrika zu unternehmen, was ich gerne machen möchte, da die Wochenenden dafür immer zur Verfügung standen und es auch kein Problem war, mal einen Tag in der Woche freizubekommen, wenn man mal einen Ausflug geplant hatte. Die Tagesstätte war in dieser Hinsicht wirklich sehr flexibel.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Schwierig war teilweise die Tatsache, dass einige Kinder leider eine sehr schwere Behinderung hatten, man wenig Fortschritte machen konnte und eher darauf hingearbeitet hat, dass man den Zustand aufrechterhält und es sich nicht noch mehr verschlechtert. Allerdings hatten die Kinder alle Spaß bei der Therapie und haben sich immer gefreut, wenn man sie abgeholt hat.
Ein Highlight war das therapeutische Reiten, da man den Kindern angesehen hat, wie wohl ihnen die Bewegung des Pferdes tun und man sich mit ihnen freuen konnte.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das Arbeitsklima war gut und ich hatte das Gefühl, dass den Mitarbeitern die Arbeit Spaß macht und sie sich um das Wohl der Kinder bemühen. Die Betreuung war wirklich spitze, da ich zu jeder Zeit einen Ansprechpartner hatte, auch nach Feierabend.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis vom Leben und Arbeiten in Südafrika im Allgemeinen und vom Arbeitsfeld Sport und Jugendarbeit im Besonderen hast?
Ich würde schon sagen, dass ich nun ein besseres Verständnis habe, da ich nun hautnah die Arbeit miterleben konnte und in den Alltag schnuppern durfte. Was ich sehr schade fand ist, dass nicht alle Kinder mit besonderen Bedürfnissen die Möglichkeit haben in einer solchen Institution leben zu dürfen, denn es wird nicht vom Staat unterstützt und die Eltern müssen die Kosten komplett alleine stemmen. In dieser Hinsicht habe ich es mehr schätzen gelernt, welche Möglichkeiten wir in Deutschland diesbezüglich haben.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Die Erfahrung für eine längere Zeit alleine in ein Land zu verreisen, dass so unterschiedlich als das Heimatland ist, ist unbezahlbar! Die Mentalität der Menschen in Südafrika ist mir am meisten in Erinnerung geblieben. Jeder war freundlich und hilfsbereit und die meisten hatten ein Lächeln auf den Lippen und hatten Spaß bei der Arbeit.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Südafrika ist für mich eines der schönsten Länder der Erde und ist wahnsinnig vielseitig. Es gibt immer etwas was es zu entdecken , und Langeweile tritt selten auf.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Ich wurde täglich zur Arbeit gefahren und abgeholt und das lief immer problemlos. In der Zeit, in der ich als Freiwillige gearbeitet habe, hatte ich kein Auto, da ich mit bis zu 12 anderen in der Wohnung gelebt habe und wir uns bei Ausflügen immer ein Taxi gerufen haben, was in Südafrika sehr günstig ist. Später, als ich mit meinen Eltern gereist bin, hatten wir ein eigenes Auto. Ohne Auto hätte ich mir das nicht vorstellen können, da wir so sehr frei in der Entscheidung waren wohin wir reisen und nicht alles im Vorfeld planen mussten.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Ich habe mich in Südafrika sicher gefühlt. Man sollte einige gewisse Dinge beachten und sich an bestimmte Regeln halten und dann ist die Wahrscheinlichkeit auch gering, dass man mit Kriminalität in Kontakt kommt. Viele Dinge waren für mich aber selbstverständlich und vieles davon würde ich in Deutschland auch nicht machen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich habe in Strand gewohnt in einer großen Flat mit bis zu 12 anderen Personen und direktem Blick aufs Meer. Zu meinem Zeitpunkt waren alle deutschsprachig und wir haben uns alle gut verstanden und viel gemeinsam unternommen.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Ich bin nach meinem Freiwilligendienst zwei Wochen mit meinen Eltern gereist und unter anderem waren wir auf der Garden Route. Hier kann man wirklich sehr viel machen und kann auch tolle Abenteuer erleben. Ich würde jedem raten, der plant ein Freiwilligendienst zu machen, im Nachhinein noch etwas Zeit einzuplanen, um noch etwas zu erleben, denn vieles davon hätte ich an den Wochenenden nicht geschafft.

Die Betreuung durch das live&learn: Wurdest Du gut vorbereitet und betreut (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? Wie war die Kommunikation? Welche weiteren Informationen wären hilfreich gewesen? Wie hat dir das Infopaket gefallen?
Die Kommunikation verlief einwandfrei. Ich bin zu allen Themen ausreichend informiert worden, konnte zur jeder Zeit Fragen stellen und eine schnelle Antwort war garantiert. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich auf mich alleine gestellt oder überfordert bin. Auch das Infopaket hat mich ausreichend auf das Land und die Kultur vorbereitet und viele Infos parat gehabt, die man in Reiseführern oder ähnlichem nicht hat.

Die Betreuung durch live&learn Partnerin Patricia in Kapstadt: Was hat Dir gefallen? Wurdest Du gut/ausreichend betreut? War Patricia ansprechbar in Problemfällen?
Die Betreuung war super! Patricia war immer zu erreichen und falls man mal Fragen zu Ausflügen oder ähnlichem hatte, hat sie sich immer darum gekümmert und auch vieles organisiert oder gebucht.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
live&learn hatte für mich das passende Projekt und das Team war immer zu erreichen und super freundlich. Meine Erwartungen wurden zu 100 % erfüllt.



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