Farmarbeit Südafrika – Ökologische Landwirtschaft und Nachhaltige Entwicklung

Farmarbeit Südafrika – Ökologische Landwirtschaft und Nachhaltige Entwicklung

Erfahrungsbericht von Lisa, 22 J., Absolventin des Studiengangs Ökotrophologie – Freiwillige von Januar bis März 2017

Warum hast du dich für das Projekt Farmarbeit Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Bereits nach meinem Abitur wollte ich eine Art freiwilliges soziales Jahr im Ausland ausüben. Da ich aber kaum Ersparnisse hatte, sollte dies über das Weltwärts-Programm erfolgen. Hierbei wurde ich jedoch nach dem Auswahlverfahren vertröstet. Meiner Meinung nach aufgrund mangelnder Erfahrungen.
Nach meinem Studium der Ökotrophologie stand für mich nun die Frage, wie es „weiter“ gehen soll im Mittelpunkt. Ein Masterstudium? Oder doch einfach in das Jobleben stürzen? Um mir einfach etwas Zeit zu geben, entschied ich mich dann für einen Freiwilligendienst, der wenigstens etwas mit Food Security und somit mit meinem Studium zu tun hat. Zunächst sollte dieses Praktikum auf einer anderen Farm erfolgen. Hierfür entschied ich mich aber zu spät, sodass bereits alle Volunteer Plätze vergeben waren. Und dies war letztendlich ziemlich gut für mich.
Antje bot mir als Alternative die Mitarbeit im Projekt der ländlichen Entwicklung an. Ich war dort die erste internationale Freiwillige, das war aber kein Problem für mich.
Mit Hilfe meines Aufenthaltes wollte ich Erfahrungen in Bezug auf den ökologischen Landbau sammeln, um mich nun für oder gegen ein Masterstudium in diesem Themenbereich zu entscheiden. Des Weiteren wollte ich endlich Land, Leute und Kultur Südafrikas kennenlernen.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Um ehrlich zu sein gab es diesen „typischen Arbeitstag“ für mich nicht. Jeder Tag begann mit dem „Huddle“, welcher wie ich finde eine geniale Idee ist. Zunächst erhält eines der Teammitglieder die Aufgabe ein Gebet zu sprechen. Anschließend erzählt jeder der Reihe nach, was er am Vortag gemacht hat, was er daraus resultierend nun zu tun hat und – für mich das schönste, um auch etwas über die Menschen und nicht nur die Arbeit zu erfahren – durfte jeder sagen wofür er dankbar ist.
In den ersten drei Wochen durfte ich in zwei Gärten, welche sich auf dem Farmgelände befinden, helfen. Zu den Aufgaben zählten vor allem Gießen, Unkraut jäten und die Ernte. Natürlich war ich wie bereits erwähnt, im ökologischen Landbau interessiert, aber irgendwie wollte ich doch etwas mehr als „nur“ die „typische Gartenarbeit“. Dies bemerkte mein Chef auch sofort und lud mich zu einem Gespräch ein, in dem er mir anbot, meine Aufgaben doch selbst festzulegen. Somit übernahm ich dann mehr oder auch weniger Bürotätigkeiten, da er der Meinung war, dass er auch Unterstützung bei administrativen Aufgaben und nicht nur bei der „schweren“ Arbeit auf dem Feld.
Also schrieb ich Protokolle von Meetings, an denen ich teilhaben durfte, entwickelte Fragebögen für zukünftige Volunteers, schrieb Essays und entwarf als letztes Projekt eine Website für das Projekt.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Für mich war der Freiwilligendienst in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung. Aufgrund meines Interesses dem Projekt auch etwas „zurückzugeben“, rückte der ökologische Landbau ein klein wenig in den Hintergrund, was aber für mich persönlich absolut gar kein Problem war. Mit dem Aufenthalt änderten sich auch meine Ziele. Ich habe meinem Team zeigen können, dass sie eine wirklich tolle Arbeit verrichten – und das allein nur durch meine Anwesenheit.
Ebenfalls habe ich selbst für mich persönlich dazu gelernt, dass die Welt nicht so ist, wie wir uns das als Deutsche/Europäer vorstellen. Ich konnte mir beispielsweise durch die Website auch neue Herausforderungen suchen. Ich hatte noch nie etwas damit zu tun, doch dafür finde ich die bisherige Seite ziemlich gut – auch wenn sie noch nicht mal annährend fertig ist.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Mein persönliches Highlight zu Beginn war, dass „mein“ Projekt nur Teil des Ganzen, also eines komplexen Programms war und dass die Organisation mit einer Reihe von super gut durchdachten Arbeitsbereichen versucht, der ländlichen Bevölkerung zu helfen.
Natürlich zählt auch mein Team zu meinem Highlight. So viele verschiedene Menschen, die alle kaum etwas haben und doch so viel geben. Für manch einen von „uns“ kaum vorstellbar. Und auch jedes Meeting mit weiteren interessanten Leuten, seien es die Farmer, die in den Communities arbeiten, Fundercoaches oder Mitarbeiter von Misereor, die das Projekt gefördert haben und zurzeit mit meiner Mitarbeit ein Projekt Monitoring durchführten.
Schwierig war für mich die Kommunikation mit dem Team. Da sie unter sich meist Afrikaans sprachen, war es für mich kompliziert, mich in eines dieser Gespräche einzubringen. Sie versuchten aber immer wieder mich irgendwie einzubeziehen und brachten mir sogar einige Wörter in Afrikaans bei.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das Arbeitsklima war für mich zunächst etwas schwierig: Als einzige Frau im Team, die nicht annährend Afrikaans-Kenntnisse hat, waren meine Anfangsschwierigkeiten ziemlich verständlich, zumal es nach den ersten paar Tagen auch überhaupt kein Problem mehr war. Ich persönlich hätte doch auch etwas mehr aus mir rauskommen müssen, um dem Team zu zeigen, dass ich wirklich Interesse an ihnen und ihrem Leben habe.
Die Betreuung durch meinen Arbeitgeber hätte besser nicht sein können. Er hat mir viele Optionen offen gestellt und meinte nur, wenn ich Interesse an einer bestimmten Sache habe, dann soll ich dies sagen. Ebenfalls merkte er immer sofort wenn eine Aufgabe für mich anfing „anstrengend“ oder „langweilig“ zu werden, somit gab er mir dann eine weitere, um etwas Abwechslung hineinzubringen.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis von ökologischer Landwirtschaft sowie Herausforderungen für die nachhaltige ländliche Entwicklung in Südafrika hast?
Ja. Da ich aber dann doch etwas mehr daran interessiert war, auch meine „Spuren“ im Projekt zu hinterlassen, habe ich mich letztendlich mehr auf Büroaktivitäten/Projekt Management Aufgaben konzentriert. Bei deren Bearbeitung habe ich aber meist auch noch Infos über bestimmte Themen benötigt und musste diese recherchieren.
Zu schätzen gelernt habe ich auf jeden Fall unseren nahezu grenzenlosen Zugang zu Wasser in Deutschland. Während meiner Zeit auf der Farm, war das nämlich ganz schön knapp.
Auch kleine Tipps und Tricks, die die Farmer mir klar machten, wie beispielsweise, dass sich Maulwürfe gut mit Zwiebelwasser vertreiben lassen, waren neu für mich.
Durch das Projekt wurde mir auch immer mehr bewusst, dass alles irgendwie zusammengehört und seine Gründe hat, warum eine Pflanze oder auch Ungeziefer denn gerade an einem bestimmten Ort im Garten zu finden ist.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, die es hier in Deutschland irgendwie immer weniger zu finden gibt. …
Ich weiß noch, dass ich bei meinem Start am Flughafen in Frankfurt von einem Äthiopier gefragt wurde, wo ich hinfliege, was ich mache und wie lange ich bleibe. Er meinte dann, wenn ich bei meiner Zwischenlandung in Addis Abeba länger bleiben würde, würde er mir etwas zeigen. Keine Ahnung warum, aber im ersten Moment habe ich gleich an was „Böses“ gedacht.
Durch das Miteinander in Südafrika und die Bereitschaft meiner Kollegen, mir etwas zu geben, sei es Essen oder Erfahrung, obwohl sie doch nur so wenig haben, sehe ich die Welt nun doch mit einer anderen Sichtweise.
Für mich war ebenfalls wichtig unterwegs, also während meiner Reise, zu sehen, dass es sich ganz gut als Frau alleine reisen lässt. Natürlich muss man sich an gewisse Regeln halten – wie nachts in Kapstadt nicht alleine raus und solche Sachen.
Eine weitere wichtige Erfahrung war, dass man natürlich mit viiiiel weniger ein gutes Leben führen kann. Wenn man mal überlegt wie viel Zeug (Bücher, Klamotten, Deko…) man hat, was man nicht mehr braucht oder benutzt…

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Mir hat die Offenheit des Teams mega gut gefallen. Auch wenn ich nicht immer wusste, was ich sagen sollte, haben sie mir einfach immer was über ihr Leben und ihre Familien erzählt. Es war auch egal, ob man die Leute unterwegs kannte oder nicht. Man wurde immer begrüßt und gefragt, wie es einem geht.
Zu Beginn war es für mich schwer, aus meiner Komfortzone herauszukommen und neue Leute auf diese Art und Weise kennenzulernen. Schwierig war es für mich zunächst auch, dass ich mich mit den Kindern nicht mittels Wörtern verständigen konnte. Sondern nur mit Gesichtsausdrücken und letztendlichen Taten. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran und lernt viel dabei.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Zur Arbeit konnte ich in gut 20 Minuten jeden Tag laufen. Aber für mich stand natürlich auch die Möglichkeit der Busnutzung, wie für alle anderen Mitarbeiter der Farm bereit. Diese fuhren jeden Morgen und Abend von Riebeek West auf die Farm und zurück.
Ich hatte weder während meiner Zeit auf der Farm, noch während der Reise ein Auto. Ich habe mir ein BazBus Ticket für die Strecke Durban – Kapstadt gekauft. Hätte ich jedoch gewusst, dass Fernbus fahren viel günstiger und ebenso sicher ist, hätte ich diese als Alternative gewählt.
Sollte man sich es aber zutrauen alleine zu fahren oder eventuell andere finden, mit denen man gerne zusammen reisen möchte, sollte man sich auf jeden Fall ein Auto mieten. So kann man da anhalten wo man möchte und weiterfahren, wenn es nicht gefällt.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Sowohl währen meines Farmaufenthalts, als auch unterwegs gab es nicht eine Minute in der ich mich in irgendeiner Weise unsicher gefühlt habe.
Wie bereits erwähnt muss man sich natürlich auch an gewisse Regeln halten (in Kapstadt nicht alleine raus, Gegenden, von denen Einheimische abraten meiden).

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Ich bin in den „Oaks“ untergekommen. Vier Zimmer, eine Küche und ein Bad unter der Olivenproduktionshalle des Projektes, von der man glücklicher Weise nichts gehört hat. Da die Freiwilligenkoordinatorin kurzfristig gekündigt hatte, war ich dort allein. Dies machte mir unter der Woche nichts aus, da ich da nach der Arbeit sowieso nicht mehr allzu viel gemacht habe. Jedoch am Wochenende fiel mir das Ganze etwas schwer.
Da der Projektleiter, der auch auf der Farm wohnt, das aber auch bemerkte/wusste, durfte ich auch, wenn ich wollte, am Wochenende gewisse Aufgaben erledigen, wie beispielsweise das „perfekte“
Mischverhältnis unseres Kräutersalzes festzulegen, an einem Markt teilzunehmen, auf dem wir unsere Produkte verkauften (fand leider nicht statt) und einfach mit ihm über die weiteren Schritte des Projektes nachzudenken.

Hast du in Südafrika eine Reise unternommen? Wenn ja, wie und wohin bist du gereist, und wie hat es dir gefallen? Was würdest du anderen zu diesem Thema empfehlen?
Ja, ich bin zunächst von Kapstadt nach Durban geflogen und mit dem BazBus entlang der Küste wieder zurück. Ich war in den Drakensbergen, Coffee Bay bin von dort über Lubanzi in die Bulungula Lodge gewandert, dann gings weiter nach Cintsa, Hogsback, Storms River, Plettenberg Bay, Wilderness und von dort wieder zurück nach Kapstadt und dann nochmal zwei Tage auf die Farm, um mich nochmals von den Jungs zu verabschieden.
Habt ihr die Möglichkeit mit anderen zu reisen? Dann mietet euch ein Auto. Seid ihr alleine? Entweder BazBus, oder die günstigere und ebenso ziemlich sichere Alternative, die südafrikanischen Fernreisebusse.
Ansonsten kann ich es nur empfehlen sich so lange wie möglich an der Wild Coast (Coffee Bay, Lubanzi und Bulungula) aufzuhalten, wobei eigentlich keines der Reiseziele auf meiner Liste mich in irgendeiner Weise enttäuscht hat. Nur die Garden Route, war logischer Weise ziemlich touristisch, was die anderen Orte in Richtung Norden weniger sind.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und vor Ort: Wurdest Du gut vorbereitet und betreut? War das Team ansprechbar in Problemfällen?
Ich wurde meiner Ansicht nach in jeglicher Hinsicht gut vorbereitet und betreut. Bereits vor Entscheidung für das Projekt wurden mir alle Möglichkeiten und Alternativen aufgezeigt.
Die Kommunikation war super. Neben dem E-Mail-Kontakt, auch über WhatsApp und einen persönlichen Besuch von Antje und Alexander im Projekt, über den ich mich sehr gefreut habe, da dies nicht nur das Interesse an mir, sondern auch am Projekt wiederspiegelt.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut? Hast du weitere Anregungen und Empfehlungen für das live&learn Programm? Wie können wir unsere Arbeit verbessern?
Ich habe mich für live&learn entschieden, weil für mich hier der Preis und das Projektangebot einfach gepasst haben. Ich empfand euren Service als sehr gut. Einfach da zu sein, für den Fall, dass man gebraucht wird und dies auch zu repräsentieren, reicht. Ihr habt meine Erwartungen voll erfüllt!



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