Sabbatical Freiwilligenarbeit Surfen

Erfahrungsbericht von Sandra, 34 , Berufstätige – Sabbatical in einem Surfprojekt an Südafrikas Garden Route von Januar bis April 2017

Sandra arbeitete als Controller von Immobilienfonds in Frankfurt und wollte sich eine Auszeit ihres geschäftigen Berufslebens gönnen. Aber sie wollte mehr als nur Ruhe und Reisen – sie wollte ihre Zeit nutzen, um sich für einen guten Zweck zu engagieren und dabei einen neuen Blick aufs Leben zu gewinnen.

Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen: 

Warum hast du dich für einen Freiwilligendienst in Südafrika für dein Sabbatical entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Ich hatte die großartige Möglichkeit ein kleines Sabbatical von meinem Alltag zu nehmen. Nur Reisen war mir dabei zu wenig, vielmehr wollte ich in dieser Zeit etwas Soziales mit Bezug zu Kindern machen. In Südafrika war ich schon zuvor auf einer Rundreise und war von Land, Leuten und Kultur sehr begeistert. Davon wollte ich mehr erfahren. Mein persönliches Ziel, warum ich mich für den Freiwilligendienst beim Surfprojekt entschieden habe, war den Kindern, die in Armut leben, mit meinem Einsatz Freude zu bereiten und Hilfe zu leisten. Erhofft hatte ich mir u.a. dabei auch mehr von deren Kultur, Lebensweise und Sicht der Dinge zu lernen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Da die Kinder vormittags immer in der Schule waren, hatten wir Freiwilligen die Möglichkeit in dieser Zeit das Surfen zu lernen oder die bereits vorhanden Fähigkeiten auszubauen. Wenn die Surfbedingungen nicht optimal waren hatten wir das Gebäude und den Garten drumherum in Schuss gehalten. Hauptsächlich reparierten wir dann aber die Surfbretter der Kinder. Am Nachmittag verbrachten wir die Zeit mit den Kindern im Wasser. Dabei haben wir vor allem den Neulingen oder den Kindern, die noch nicht so selbstsicher auf dem Surfbrett waren, Hilfestellung geleistet, indem wir sie auf dem Surfbrett auf eine Welle geschoben haben. War auch am Nachmittag kein Surfwetter, haben wir Fußball oder andere Spiele mit den Kids gespielt.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Mein Freiwilligendienst hat mir sehr gut gefallen. Ich habe viel über die Kultur und auch südafrikanische Geschichte gelernt. Leider ist die Armut oft augenscheinlich, was mich persönlich wieder „geerdet“ hat und ich dadurch wieder viele Dinge mehr wertschätze und erkannt habe, dass man auch mit Weniger zurechtkommen kann. Das Feedback der Projektleiter, dass ohne unsere Unterstützung das Projekt nicht fortgeführt werden könnte und all die Kinder nicht kommen könnten, um surfen zu lernen, hat einem auf jeden Fall auch das Gefühl gegeben, dass man in diesem Projekt tatsächlich einen nachhaltigen Beitrag leistet.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Ein Highlight zu nennen ist tatsächlich schwierig. Es war einfach immer toll zu sehen, wie sich die Kinder in den Stunden im Projekt gefreut haben, wie sie sich auf dem Surfbrett von Tag zu Tag verbessert haben und vor allem auch welches Engagement und Ehrgeiz sie dabei entwickelt haben. Zu sehen wie mein erster „Schüler“ seine erste Welle reiten konnte, oder dass der 7 jährige Sam beim Surfwettbewerb von Sothern Cape in seiner Altersklasse Bronze geholt hat, gehörten sicher u.a. zu den Highlights. Als ich es geschafft habe, meine erste ungebrochene Welle zu surfen, muss dabei natürlich als mein persönliches Highlight auch erwähnt werden.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Das Projekt ist ein sehr kleines Projekt. Im Prinzip gibt es in dem Projekt nur den Projektorganisator, den Co-Projektleiter und den Surflehrer für die Kids. Mit allen dreien war das Zusammenarbeiten immer sehr gut. Der Co-Projektleiter hat seine eigene Surfschule direkt auch da, wo das Surfprojekt ist, somit war er auch jeden Tag vor Ort und für uns immer die Hauptansprechsperson, wenn es um Belange rund um das Projekt ging.

Jetzt, am Ende deiner Mitarbeit, würdest du sagen, dass du ein besseres Verständnis von der Situation benachteiligter Kinder und Jugendlicher in Südafrika sowie dem Potential von Sport in der Jugendarbeit hast? Bitte nenne Beispiele, z.B. Dinge die dir neu waren, oder dich überrascht haben, Dinge, die du n einem neuen Licht siehst, oder zu schätzen gelernt hast?
Ja. Nach meiner Wahrnehmung – und was mir so zuvor nicht bewusst war – sind besonders Eigenschaften wie Engagement, Ehrgeiz und Einsatz in der Kultur dieser benachteiligten Kinder noch nicht so ausgeprägt. In den drei Monaten, in welchen ich die Entwicklung der Kinder beobachten konnte, konnte ich auf jeden Fall sehen, wie sie als ein Team zusammen gewachsen sind und sie genau diese Eigenschaften wie Engagement, Ehrgeiz und Einsatz entwickelten. Richtig surfen zu lernen ist nicht einfach, auch mir war zuvor nicht bewusst, dass dieser Sport solch ein Commitment abverlangt. Also ja, ich würde auf jeden Fall sagen, dass das Surfen ein enormes Potential auf die Entwicklung der Kinder hat.

Welches sind die wichtigsten Erfahrungen und Eindrücke, die du aus deiner Zeit in Südafrika mitnimmst?
Mein Eindruck war, dass das Leben in Südafrika nicht so hektisch, gestresst und alles immer unter Zeitdruck verläuft wie bei uns in Deutschland. Leider musste ich aber auch sehen, dass die Armut in vielen Teilen des Landes offensichtlich vorherrscht. Die Menschen dort haben trotz Armut immer noch ein Lächeln auf den Lippen und sind sehr freundlich. Mein Eindruck war auch, dass trotz offiziellem Ende der Apartheid, diese noch in vielen Köpfen auf beiden Seiten verankert ist und hier noch einige Zeit vergehen muss, um diese Apartheid zu überwinden.

Was hat dir gefallen, was war schwierig?
Südafrika ist ein wunderschönes Land mit vielen Schätzen und vielen netten Menschen. Die entschleunigte Lebensweise hat mir sehr gut gefallen und natürlich das tolle Wetter, was generell mehr Lebensfreude gibt. Schwierig war vielleicht, dass man tatsächlich dann aber auch Geduld üben musste. Viel Gesagtes wird oft sehr viel später in die Tat umgesetzt.

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Die Unterkunft war nur 5 Minuten fußläufig vom Strand entfernt somit war ein Auto zur Arbeit nicht von Nöten. Für Ausflüge am Wochenende hatte ich mir hin und wieder ein Auto gemietet, was überhaupt kein Problem darstellte, und es somit auch keine wirklichen Tipps gibt.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Ich hatte mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Das lag aber auch sicher daran, dass Mossel Bay ein kleines Städtchen ist und das Projekt und die Unterkunft waren darüber hinaus auch noch außerhalb von Mossel Bay gelegen. Generell sollte man sich an die bekannten Regeln halten, dann kommt man auch nicht in die Situation, sich unwohl zu fühlen.

Wie hast du gewohnt und wie hat es dir gefallen?
Wir hatten ein sehr schönes Apartment fußläufig zum Strand. Das Apartment ist voll ausgestattet, gefehlt hatte es meiner Ansicht nach an nichts. Manche Freiwillige hatten einen funktionierenden Fernseher vermisst. Das Apartment hatte zwei Schlafzimmer mit je zwei Betten, evtl. musste man sich also das Zimmer noch mit einer weiteren gleichgeschlechtlichen Person teilen. Ein Bad gab es für jedes Zimmer. Mir hat das Apartment sehr gut gefallen, ich hatte mit so einem hohen Standard überhaupt nicht gerechnet.

Die Betreuung durch das live&learn vor der Abreise und während deines Südafrikaaufenthaltes: Wurdest Du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Visa, Lebenssituation)? Wie war die Kommunikation? Welche weiteren Informationen wären hilfreich gewesen? War das Team vor Ort ansprechbar in Problemfällen?
Ich wurde absolut super betreut und immer mit sehr vielen Informationen versorgt. Zu Beginn hatten wir ein Telefonat, was einfach super war. Antje war sehr an mir als Person interessiert, hat viele Fragen hinsichtlich meiner Wünsche und Erwartungen gestellt und mir darauf hin passende Projekte vorgestellt. Sie hat sich unglaublich viel Zeit genommen und keine Frage war lästig oder zu viel. Im weiteren Verlauf waren wir dann hauptsächlich schriftlich in Kontakt und auch hier bin ich immer schnell und ausführlich mit Informationen zu all meinen Fragen versorgt worden. Ich hatte vor und nach meinem Freiwilligenprojekt noch ein paar Reisen unternommen, auch dabei wurde ich rundum sehr gut beraten. Antje du warst super! Vielen Dank!
Problemfälle gab es bei mir keine, somit kann ich zu dieser Frage nichts sagen.

Die Betreuung durch das Surferkids Team vor Ort: Was hat dir gefallen? Wurdest du gut/ausreichend betreut? War das Surferkids Team ansprechbar in Problemfällen?
Super war natürlich, dass Andries (Co-Projektleiter) seine Surfschule vor Ort hatte und er somit immer Vorort war. Dadurch hatten wir eine direkte Ansprechperson und wir Freiwilligen hatten immer die Möglichkeit zu surfen, wann immer wir Lust hatten. Hermann, der Projektleiter, hatten wir nicht wirklich oft zu Gesicht bekommen. Themen, wie z.B. dass das Essen nicht gut und nicht ausreichend war, wurden somit mehr mit Andries besprochen. Vielleicht lag es auch daran, dass dadurch alles etwas länger gedauert hat, bis tatsächlich etwas in Bewegung gesetzt wurde.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Zu live&learn bin ich eigentlich eher zufällig gekommen. Ursprünglich wollte ich in einem anderen Projekt in Kapstadt mitarbeiten, da ich die Projektleiterin persönlich kennen lernen durfte. Die Projektleiterin aus diesem anderen Projekt hat mir dann aber noch Antje von live&learn vorgestellt. Meine Entscheidung, mich von live&learn betreuen zu lassen, habe ich in keiner Art und Weise bereut. Ganz im Gegenteil, nur so kam ich zu den Surfer Kids. Das Surfprojekt hat mir sehr gut gefallen, es hat super zu mir und meinen Interessen gepasst. Ich würde mich wieder für dieses Projekt entscheiden.

Welche Anregungen und Empfehlungen hast du für das live&learn Programm? Wie können wir unseren Service verbessern?
Ich fand alles sehr gut, somit habe ich keine weiteren Anregungen und Empfehlungen.

 

 



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