Freiwilligendienst Sport

Erfahrungsbericht von Daniel, BWL-Student –  Freiwilligendienst Sport in einer Sportstiftung bei Kapstadt von Januar bis März 2017

Daniel wollte kurz vor Ende seines Studiums die Zeit nutzen, um Auslandserfahrungen außerhalb Europas zu sammeln und sich dabei gleichzeitig für einen guten Zweck zu engagieren. Da er selbst seit frühester Kindheit Fußball spielt entschied er sich für einen Freiwilligendienst in einer gemeinnützigen Sportstiftung bei Kapstadt, um seine Begeisterung für den Sport mit Kindern aus benachteiligten Hintergründen zu teilen.

Hier berichtet er von seinen Erfahrungen:

Warum hast du dich für Südafrika entschieden? Welche Ziele hattest du dir für deinen Aufenthalt gesteckt, welche Erfahrungen hast du dir erhofft?
Grundsätzlich hat mich das Land mit seiner atemberaubenden Natur schon immer gereizt, und irgendwie hatte ich auch Interesse daran, auf den afrikanischen Kontinent zu gehen. Ich wollte die dort vorherrschenden Lebensbedingungen aus nächster Nähe erleben, gerade auch weil diese nicht mit mitteleuropäischen Standards vergleichbar sind. Zugegebenermaßen hatte ich zu viel Respekt davor, in ein ganz armes Land zu gehen, deswegen fiel die Wahl mit Südafrika auf den wohl am meist entwickeltsten afrikanischen Staat. Als ich dann auf das Fußball- bzw. Sportprojekt gestoßen bin, war mir relativ schnell klar, dass das genau das Richtige für mich ist: Ich konnte mit den Menschen über Sport in Kontakt kommen und viel mehr über ihre Ansichten und das Leben in Südafrika erfahren, als wenn ich zum Beispiel nur durch das Land gereist wäre und die „Tourihotspots“ abgeklappert hätte.

Wie sah ein typischer Arbeitstag im Projekt aus? Mit welchen Aufgaben wurdest du betraut?
Die ersten vier Wochentage haben wir vormittags Sportunterricht an einer Grundschule durchgeführt. Die Kinder waren immer froh, wenn sie sich mal für eine Stunde bewegen konnten, und wir hatten ein total lockeres Verhältnis zu ihnen. Schon beim ersten Aufeinandertreffen waren die Kids kontaktfreudig und haben unglaublich viel mit uns gelacht. Manchmal war es zwar schwer die Kleinen zu beruhigen, aber ich habe mich immer aufs nächste Mal gefreut. Wichtig war auch, dass wir immer einen Sportcoach, der Afrikaans spricht, zur Seite hatten. Englisch ist dort nun mal nur die zweite Landessprache und nicht alle verstehen das bereits im Grundschulalter. Von 16 bis 18 Uhr war dann Fußballtraining angesagt! Ich war für die U11-Jungs zuständig. Wenn ich das mit meinen deutschen Kids vergleiche, waren die Jungs im Projekt viel aufgedrehter und hatten leider auch Konzentrationsschwächen. Es kam also durchaus öfter vor, dass Übungen gar nicht oder nur unzureichend verstanden wurden. Trotzdem waren immer alle mit vollem Elan bei der Sache und haben sich reingehängt. Nach dem Training gab es dann meist einen kleinen Sandwich und einen Apfel für die Projektkids. Es war wirklich erstaunlich mit welcher Disziplin sie sich da angestellt haben und auf ihre Mahlzeit gewartet haben … ich glaube zu Hause in Deutschland würde sowas immer im Chaos mit Geschubse und Gedrängle enden. Über meine zwei Monate habe ich die Jungs richtig ins Herz geschlossen, vor Kurzem haben sie mir sogar noch eine Videonachricht geschickt und gefragt wann ich wiederkomme.
Zusätzlich zu meinem Sportprogramm habe ich an drei Wochenenden noch Schulungen zum Thema „Geld“ gehalten. Ich wollte etwas von meinem im Studium erlangten Wissen im Lande lassen, und diese Möglichkeit wurde mir durch die sogenannten ABSA-Camps gegeben: Dort kamen ca. 30 High School Schüler (zwischen 15 und 18 Jahren) auf ein Wochenend-Camp mit uns. Die anderen Volunteers haben über People-, Work- und Entrepreneurship-Skills referiert. In diesen Themen gibt es dort wirklich massiven Aufholbedarf; wir haben wahnsinnig tolles Feedback von den Teilnehmern bekommen und hatten wirklich das Gefühl, ihnen weitergeholfen zu haben. Mich persönlich hat es vor allem auch in meinem englischen Präsentationsstil weitergebracht. Rückblickend waren die Camps vielleicht mit die schönste Erfahrung, da hat sich die mühselige Arbeit, die ich im Vorfeld in meine Präsentation gesteckt habe, wirklich mehr als gelohnt.

Wie hat dir dein Freiwilligendienst gefallen? Hast du deine Ziele erreichen können?
Ich habe dort viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und sowohl die schönen, als auch die schlechten Seiten des Landes kennengelernt. Durch den direkten und täglichen Kontakt mit den Menschen kommt man einfach auch an Orte und Eindrücke, die einem Touristen verborgen bleiben. Südafrika ist ein vielfältiges Land und ich bin mir sicher, dass ich dorthin nochmal zurückkehren werde. Am Ende meiner Zeit bin ich noch für drei Wochen entlang der Garden Route gereist, da gibt es Natur pur und das ist wirklich nur zu empfehlen! Insgesamt war es definitiv eine Erfahrung, bei der man auch mal „über den Tellerrand“ hinausschauen kann, und die Zeit hat mich auf jeden Fall verändert. Man lernt für uns selbstverständliche Dinge wie Freiheit, Sicherheit und Gleichheit zu schätzen. Und wenn ich bedenke, mit welchen Lappalien man sich in Deutschland teilweise herumschlägt, dann muss ich wirklich nur den Kopf schütteln.

Was waren die Highlights? Was war schwierig?
Meine gesamten drei Monate waren ein Highlight . Es gab so viele Höhepunkte und gefühlt jeden Tag ist wieder etwas Neues, aufregendes passiert. Mit den anderen Volunteers in meinem Haus habe ich mich auch richtig gut verstanden und es wurde nie langweilig. Wir hatten eine super Zeit und wollen uns auch in Zukunft noch gegenseitig besuchen. Heißt für mich, dass Reisen nach Holland, England und Hamburg anstehen. Schwierig war für mich vor allem das dortige Denken und System zu verstehen. Leider spielt auch nach Ende der Apartheit die Hautfarbe noch immer eine gewisse Rolle im Alltag. Die Südafrikaner verstehen sich nicht wie wir als „ein Volk“, sondern es gibt immer noch vereinzelte Gruppen. Dass in dem Land gut ein Dutzend Sprachen gesprochen werden, trägt jetzt auch nicht direkt zur Verbesserung bei. Aber gerade durch Dinge wie das Fußballprojekt bzw. Sport werden Grenzen abgebaut und Zusammenhalt geschaffen. Deswegen ist die Stiftung auch von unschätzbarem Wert für die dortige Bevölkerung und die Leute wissen das auch und schicken ihre Kinder gerne zu den Programmen, die ja nicht verpflichtend o.ä. sind.

Wie waren das Arbeitsklima und die Betreuung durch den Arbeitgeber?
Größtenteils echt angenehm und gut! Bei mir ergab sich beispielsweise ein Missverständnis, weil die Stiftung dachte ich würde dort Vollzeit im Büro arbeiten. Das haben wir dann aber flexibel abgestimmt und ich konnte dafür an meinen Schulungen zu den Wochenendcamps arbeiten. Mit dem Projektauto gab es manchmal Unstimmigkeiten, da wir nur zwei Autos hatten und uns dann selbst koordinieren mussten. Wenn dann mal ein Auto den Geist aufgab, kam es schnell zum Chaos, weil wir in verschieden Projekten eingesetzt wurden und das dann nicht gebacken bekommen konnten. Gehört aber zur Erfahrung dazu und wenn man das locker nimmt, ist’s schon okay!

Auto und Transport: Was empfiehlst du anderen in Bezug auf ein Auto?
Wir waren zeitweise bis zu zehn Volunteers und hatten zwei Autos zur Verfügung. Das erfordert natürlich eine gewisse Planung, aber wir haben das meist gut bewerkstelligen können. Für private Trips mussten wir unser Benzin selbst bezahlen (das ist in Südafrika dank geringerer Steuern aber deutlich billiger als in Deutschland) und für Wochenendausflüge z.B. nach Kapstadt haben wir uns dann einen Mietwagen genommen. Nachdem ich noch drei Wochen private Reisezeit hatten, habe ich mir noch ein eigenes Auto gemietet. Das war zwar etwas teurer als mit einem Bus zu fahren, aber definitiv besser, da ich total flexibel war und an jeden Ort kommen konnte, den ich mir anschauen wollte.

Wie hast du das Thema persönliche Sicherheit und Kriminalität empfunden? Was würdest du anderen Praktikanten und Freiwilligen dazu raten?
Vor meiner Abreise hatte ich großen Respekt vor diesen Themen, einfach weil viel berichtet wird und man nicht wirklich einzuschätzen weiß, was auf einen zukommt. In unserem Projekt waren wir in einer eher ländlichen Gegend und unser Volunteer-Haus war in einem schönen Vorort, in dem viele Ferienhäuser waren. Da hat man sich immer sicher gefühlt und es gab keine Kriminalität. Bei meinen Ausflügen nach Kapstadt habe ich gewisse Gegenden vermieden und war auch sonst, z.B. abends beim Feiern immer aufmerksam. Mir ist nie etwas zugestoßen, das schlimmste waren noch Bettler, die einem richtig Leid tun, aber auch sehr aufdringlich sind. Wenn man vorsichtig ist und Respekt hat, kommt man in meinen Augen sicher durch das Land.

Die Betreuung durch das live&learn Team vor der Abreise und während deines Südafrikaaufenthaltes: Wurdest du gut vorbereitet (Arbeitsstelle, Lebenssituation, Visum) und betreut? Wie war die Kommunikation? War das Team vor Ort ansprechbar in Problemfällen?
live&learn hat mir gerade bei der Reisevorbereitung sehr geholfen. Antje war immer erreichbar und vor meinem Abflug haben wir auch nochmal länger telefoniert. So konnte ich etwas besser einschätzen, was auf mich zukommt. Auch während meines Projekts war live&learn immer zu erreichen und hat im Bedarfsfall auch sehr schnell geantwortet. Ich hatte somit immer eine Anlaufstation für auftretenden Probleme, die in einer längeren Zeit natürlich immer auftreten können. Ich war froh immer eine Option in der Hinterhand zu haben, sofern es Probleme geben könnte.

Warum hast du dich für live&learn entschieden? Haben wir deine Erwartungen erfüllt oder hast du deine Entscheidung bereut?
Mir war vor allem wichtig, dass ich einen deutschsprachigen Ansprechpartner habe. Das hat mir einiges an Zeit und Nerven erspart, schließlich gab es keine Missverständnisse oder Komplikationen aufgrund einer etwaigen Sprachbarriere. live&learn hat mir viele wichtige Infos zum Projekt und zum Land bereitgestellt, wofür ich im Nachhinein sehr dankbar bin.



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