Creative Cape Town

Creative Cape Town

Als ich 2016 zum ersten Mal durch die Straßen von Kapstadt lief, war da etwas, das ich noch nie zu vor in einer Stadt gefühlt hatte: Kreative Energie, die förmlich durch die Stadt fließt. Von den überzähligen Kunst Galerien über Street Art in Woodstock hin zu den Straßenhändlern, die selbstgemachte Kunst verkaufen: Kunst und Kreativität, das ist Cape Town. Nicht selten wird Kapstadt deswegen auch das Berlin Südafrikas genannt. Doch dieser Vergleich hinkt. Die Mischung verschiedenster Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln und Kulturen kreiert ein ganz besonderes Flair, das mit keiner anderen Stadt zu vergleichen ist. Die entspannte Lebensweise der Capetonians lässt Raum dafür, Kunst und Kultur genießen zu können. Ob Museen, die vielen Design- und Essensmärkte oder der First Thursday ein Event, bei dem monatlich verschiedene Galerien ihre Türen öffnen, Wein getrunken wird und es danach noch in einen Club tanzen geht: Hier ist für jeden etwas dabei.
Wie so oft spiegelt Kunst auch in Kapstadt aktuelle gesellschaftspolitische Themen wieder: So sind in der kapstädtischen Kunstszene oft aufgegriffene Inhalte, eine Nation zu werden, sich zu versöhnen und eine gemeinsame Identität zu finden. All diese Menschen, die in der Vergangenheit voneinander getrennt wurden, befinden sich nun, 23 Jahre nach dem Ende der Apartheid, immer noch auf dem Weg der Annäherung, ohne dabei ihre unterschiedlichen Wurzeln zu vergessen. Aus diesem Gemisch und den vielen verschiedenen Einflüssen entsteht etwas völlig Neues, noch nie da Gewesenes. Kunst wird als Ausdrucksform verwendet, fast jeder Südafrikaner, den man trifft hat ein persönliches Projekt und ist auf seine Art und Weise kreativ.
Wie eng verbunden Kunst mit der Stadt ist lässt sich auch daran sehen, welchen Einfluss sie selbst auf die Entwicklung von ganzen Stadtvierteln hatte. So ist Woodstock, das während der 90er Jahre Gangland war und vor dem in jedem Reiseführer gewarnt wurde, dank der Ansiedlung von Künstlern und Kreativen zu einem hippen Szeneviertel avanciert. Auch aufgrund seiner Innenstadtnähe ist es ein beliebter Wohnort für junge Familien und young professionals geworden. Heute reiht sich hier Galerie an Galerie, in Antiquitätengeschäften können exklusive Möbel erworben werden und samstags verkaufen junge Designer ihre Werke auf dem Old Biscuit Mill Market. Auch findet man hier einen Coffee Shop neben dem nächsten.
Ein Indikator für die Aufwertung des Stadtviertels, die seit Beginn der 2000er Jahre stattgefunden hat, ist die Dichte von Coffee Shops. Neben dem steigenden Wert von Immobilien, zeigt die steigende Dichte von Coffee Shops die Gentrifizierung des Viertels an, weil hiermit nicht nur eine ökonomische und ethnische Veränderung erfasst wird, sondern ein „lifestyle change“, nämlich die Bewegung hin zu einer neuen Dienstleistungswirtschaft. In Woodstock kann eine hohe Coffee Shop Dichte gemessen werden, parallel sind die Immobilienwerte in den Jahren 2010 bis 2014 um stolze 36% gestiegen.
Auch wenn die Aufwertung des Viertels grundsätzlich positiv zu bewerten ist, ist eine Konsequenz davon die Verdrängung alteingesessener Bewohner, die Woodstock aufgrund steigender Mietpreise verlassen müssen. Eine tolle Reflektion zu diesem Thema ist beim Online Magazin „The Con“ nachzulesen, deren Artikel The Gentrification Equation sich differenziert mit dieser Entwicklung auseinandersetzt.

Hast du Lust, diesen spannenden Stadtteil hautnah zu erleben und her selbst eine Weile zu wohnen? Wir beraten dich gerne zu den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten im Rahmen eines Freiwilligenaufenthalts in Kapstadt. Natürlich unterstützen Wir dich auch gerne bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft in Woodstock.



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