Ebola-Risiko in Südafrika geringer als in Deutschland

Ebola-Risiko in Südafrika geringer als in Deutschland

Seit Dezember 2013 hat sich in Westafrika die Ebola-Epidemie ausgebreitet. Zu den betroffenen Ländern zählen vor allem Guinea, Sierra Leone und Liberia. In diesen westafrikanischen Ländern sind inzwischen fast 5000 Menschen an dem Virus gestorben. Weitere Fälle sind in Nigeria und Senegal aufgetreten.

Das Thema Ebola sorgt natürlich auch bei vielen unserer Teilnehmer für Fragen und Beunruhigung. Auch viele Interessierte, die gerne mit live&learn einen Freiwilligendienst in Kapstadt und Umgebung planen wollen, sind unsicher, ob eine Reise nach Südafrika derzeit zu empfehlen ist. Wir haben für euch die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengetragen und hoffen, damit eure Fragen zu beantworten und vor allem die Sorge zu nehmen, dass ein Aufenthalt in Südafrika mit dem Risiko verbunden ist, sich mit dem Ebola-Virus zu infizieren.

Quintessenz der Informationen: Das Risiko, sich in Südafrika mit dem Virus anzustecken, ist sogar geringer als in Deutschland.

Was ist Ebola und woher kommt es?
Ebola ist eine lebensbedrohliche Virusinfektion, die zu hohem Fieber führt und Blutungen auslösen kann. Der Erkrankung verläuft in 50 bis 80 Prozent der Fälle tödlich. Die Krankheit trat erstmals 1976 im ehemaligen Zaire an dem Fluss Ebola auf und erhielt daher seinen Namen. Seit dem ersten Auftreten gab es immer wieder Ausbrüche in verschiedenen west- und zentralafrikanischen Staaten, zuletzt in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda in 2007. Die Anzahl der Erkrankten bei bisherigen Ausbrüchen war jedoch bei weitem geringer als in der derzeitigen Epidemie.
Ursache der Ebola Infektion sind Viren. Wissenschaftler nehmen derzeit an, dass Flughunde das natürliche Reservoir des Ebola-Virus sind. Affen scheinen eine Art Zwischenträger darzustellen, da sich Menschen häufiger nach dem Kontakt mit infizierten Affen oder deren Verzehr angesteckt haben.

Wie kann ich mich anstecken?
Das Ebola-Virus verbreitet sich über Körperflüssigkeiten, insbesondere Blut, Speichel, Sperma, Muttermilch, Schweiß, Urin oder Stuhl. Das Virus überträgt sich insbesondere von Mensch zu Mensch über den Kontakt zu Ebola-Patienten. Aber auch über Gegenstände, die mit Ebola-Patienten in Kontakt gekommen sind (Bettwäsche, Kleider, Spritzen, Operationsbesteck), kann man sich anstecken, sowie über Tiere, insbesondere infizierte Affen.
Die Ansteckungsgefahr in Südafrika ist sehr gering, da dort bisher keine Ebola-Fälle aufgetreten sind. Siehe mehr dazu weiter unten.

Wie lässt sich Ebola behandeln?
Bislang gibt es keine Therapie, die das Ebola-Virus ursächlich behandeln kann. Die Behandlungsmöglichkeiten von Ebola-Patienten beschränken sich daher auf die Linderung der Symptome. Das Immunsystem des Erkrankten muss die Infektion alleine bewältigen. Ein in den USA entwickeltes Medikament ZMAPP ist derzeit noch nicht für den Menschen zugelassen – ein Einsatz an Menschen wird derzeit von der Weltgesundheitsorganisation geprüft.

Gab es bereits Ebola-Fälle in Deutschland?
Bisher sind zwei an Ebola erkrankte Menschen in Deutschland behandelt worden. Bei beiden Patienten handelt es sich um technisches und medizinisches Hilfspersonal, die sich bei einem Einsatz in Sierra Leone angesteckt haben. Der im Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg behandelte Patient ist inzwischen geheilt. Auch der in Frankfurt behandelte Patient trägt das Virus mittlerweile nicht mehr in sich und befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Gab es bereits Ebola-Fälle in Südafrika?
Nein, in Südafrika sind bisher keine Ebola-Erkrankungen aufgetreten.

Wie groß ist das Risiko, dass sich das Virus nach Südafrika ausbreitet?
Da Südafrika auf dem gleichen Kontinent wie die von der derzeitigen Ebola Epidemie betroffenen Länder liegt, wird oft angenommen, dass das Risiko einer Verbreitung nach Südafrika sehr groß ist, bzw. sehr viel höher ist, als in Deutschland. Jedoch das Gegenteil ist der Fall.
Ein von deutschen Forschern der Berliner Humboldt Universität sowie der ETH Zürich entwickeltes Model zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung von Seuchen zeigt, dass die Ausbreitung der Ebola Epidemie nach Südafrika um ein vielfaches geringer ist als jene in Europa. Das relative Risiko einer Einschleppung aus Westafrika (relatives Importrisiko) wurde für den Pariser Flughafen Charles de Gaulles mit 4,19% berechnet, für Frankfurt mit 0,10% und für Kapstadt mit 0,03 % berechnet. Die höhere Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung hat vor allem damit zu tun, dass es sehr viel mehr Flugverbindungen von Westafrika nach Europa als nach Südafrika gibt. Zudem sind auch soziale und ökonomische Beziehungen zwischen Westafrika und den ehemaligen Kolonialmächten bis heute noch sehr viel intensiver als zwischen Westafrika und Südafrika – sprich: es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass ein Menschen aus einem westafrikanischen Land sich auf den Weg nach Europa macht als nach Südafrika.
Weitere Informationen zur Ausbreitungswahrscheinlichkeit und der oben genannten Studie findet ihr hier: rocs.hu-berlin.de
Besonders interessant ist die interaktive Graphik.

Welche Vorsichtsmaßnahmen hat die südafrikanische Regierung ergriffen?
Die südafrikanische Regierung hat ähnlich wie Deutschland eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die das Risiko eines Ebola-Vorfalls in Südafrika weiter senken:
• Grenzübergänge wie Flughäfen und Häfen, sowie medizinische Einrichtungen sind mit effizienten Systemen ausgestattet, die die Einreise eines an Ebola erkrankten Menschen verhindern.
• An den Einwanderungsschaltern sind Temperaturmessgeräte im Einsatz, um Menschen mit erhöhter Temperatur gesondert zu kontrollieren.
• Bei erkrankten Personen aus Risikogebieten werden umgehend Laboruntersuchungen angeordnet. Das medizinische Personal an Grenzübergängen ist entsprechend aufmerksam gegenüber jeglichen Einreisenden mit Krankheitssymptomen.
• Landesweit gibt es elf Gesundheitseinrichtungen, die speziell auf den Umgang mit Ebola-Erkrankungen vorbereitet sind. Südafrika hat zudem ein Expertenteam nach Sierra Leone entsandt, um die dortige Regierung bei ihrem Kampf gegen Ebola zu unterstützen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen empfiehlt das Auswärtige Amt Deutschlands?
Das Auswärtige Amt rät derzeit von einer Reise in vier der betroffenen Länder ab (Guinea, Liberia Sierra Leone und Nigeria). Es gibt keine Reisewarnungen für Südafrika. Weitere Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes könnt ihr hier nachlesen:
https://www.southafrica.diplo.de/Vertretung/suedafrika/de/__pr/Botschaft/2014/3__Q/08-EbolaInfo.html

Weiterführende und aktuelle Infos zur Ebola-Epidemie in Westafrika sowie zum Thema Ansteckungsgefahr stellt das Institut für Virologie der Philipps-Universität in Marburg zusammen:

https://www.uni-marburg.de/fb20/virologie/ebolafaq2?expand=071d34592a8671aef81678a3e8dfbb02#071d34592a8671aef81678a3e8dfbb02

Wir hoffen, dass euch diese Informationen weiterhelfen und darin bestätigen, euren Aufenthalt in Südafrika gemeinsam mit live&learn zu planen.

Gerne könnt ihr euch auch mit euren weiteren Fragen an uns wenden.



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